Hans Meyer zu Düttingdorf: Unsere Seite des Himmels

An die 80 Jahre ist es her, dass Henriette ihre Heimatstadt Küstrin verließ. Nun kehrt sie in Begleitung ihrer Urenkelin zurück und begibt sich auf Spurensuche. Was ist von damals geblieben? Wer lebt noch von ihren alten Freunden? Und kann es möglich sein, dass Henriette ihre Jugendliebe wieder findet?

„Die Oder floss gleichsam ruhig wie beständig in ihrem Bett, die blumenbunten Ufer schienen vergnügt wie eh und je. Ja, es waren die Wiesen ihrer Kindheit, es war ihr Fluss, ihre Oder, aber nicht mehr ihr Küstrin.“ Zitat Seite 298

Düttingdorf_Himmels_v2.inddDie letzten 80 Jahre hat Henriette in Uruguay gelebt. Mit ihrer Kindheit in Deutschland und all den unter Hitler erlebten Schrecken hat sie abgeschlossen. Eigentlich. Doch nun, am Ende ihres Lebens will sie doch noch einmal zurückkehren. Will wissen was geblieben ist von ihrer Familie, ihrer Heimat, ihren Freunden und besonders von ihrer Jugendliebe.
Gemeinsam mit ihrer Urenkelin Rachel reist Henriette nach Berlin. Allein auf deutschem Boden zu sein, weckt alte Erinnerungen bei der alten Frau. Doch diese möchte sie nicht teilen.
Mit Hilfe von Rachel und verschiedenen Menschen gelingt es Henriette Bruchstücke der Vergangenheit zu finden. Sie besucht ihre eigentliche Heimatstadt Küstrin, die inzwischen zu Polen gehört und findet weitere Spuren. Sogar zu Hans, ihrer verbotenen Liebe.
Immer wieder taucht Henriette geistig in ihre Erinnerungen ab. Erinnerungen an ihre Kindheit in Küstrin mit ihren Freunden von der Kleeblattbande. Aber auch an die zunehmenden Repressalien unter Hitlers Führung. Und schließlich ihre Flucht. Ganz allein.

Reise in die Vergangenheit

Ein schönes Buch. Es lässt sich sehr gut und leicht lesen. Der Leser begleitet Henriette und ihre Enkelin auf ihrer Reise nach Berlin und erfährt gleichzeitig in langen Rückblenden, wie Henriettes Kindheit in Küstrin und auch ihre Flucht war.
Ganz deutlich wird geschildert wie schleichend der Prozess der Unterdrückung der Juden in Küstrin (und anderswo) vor sich ging. Wie nach und nach immer mehr gegen die Nicht-Arier mobil gemacht wurde. Und welche Auswirkungen das letztendlich auch auf Kinder-Freundschaften hatte, speziell die Kleeblattbande um Henriette. Denn jeder von ihnen erlebte diese Zeit aus einer anderen Perspektive.
Ich fand es etwas schade, dass zwar der Leser von Henriettes Schicksal erfährt, aber ihre Enkeltochter Rachel im Dunkeln gelassen wird. Mich hätte außerdem interessiert, wie die junge Henriette es schließlich gänzlich in die Freiheit geschafft hat. Und ja, ich hätte mir auch mehr als die vagen Andeutungen zum Schicksal der Eltern gewünscht. (Auch wenn das im Grund leicht zu erraten ist.) Aber das sind meine persönlichen Vorlieben und tun dem Buch keinen Abbruch.
Obwohl es eine Geschichte genau nach meinem Geschmack ist, blieb ich aber seltsam distanziert. Das Ende hat mich nicht zu Tränen gerührt, sondern ist einfach an mir vorbei gegangen.
Dennoch bin ich zugegeben überrascht darüber, dass ein männlicher Autor für das Buch verantwortlich zeichnet. Und das er seine Sache gut macht. Bisher hatte ich den Eindruck sind solche Geschichten eher Frauensache.
Auch wenn ein paar Dinge meine Lesefreude beeinträchtigt haben, kann ich das Buch guten Gewissens weiter empfehlen. Wer unsicher ist, liest aber am besten noch ein paar andere Rezensionen dazu.

Mehr Reisen in die Vergangenheit

Sarah Quigley: Der Dirigent
Kristin Hannah: Die Nachtigall
Giles Foden: Die Geometrie der Wolken
Pascale Hugues: Marthe & Mathilde

 

Autorenporträt
Hans D. Meyer zu Düttingdorf wurde 1967 in Bielefeld geboren. Er ist Musiker, Schauspieler und Unternehmenscoach und wurde für seine deutschsprachigen Chansons bereits mehrfach ausgezeichnet. Durch seinen Partner, Juan Carlos Risso, lernte er Argentinien und den Tango lieben. Gemeinsam entwickelten sie die Idee zum Buch „Das Bandoneon“ und erarbeiteten dessen Geschichte. Die beiden leben in Berlin und in der Küstenstadt Necochea am argentinischen Atlantik.

Buchinfo
„Unsere Seite des Himmels“ von Hans Meyer zu Düttingdorf, erschienen bei Aufbau Taschenbuch
Taschenbuch: 448 Seiten, € 12,99, ISBN: 978-3-7466-3379-4
eBook: ePub, 448 Seiten, € 9,99, ISBN: 978-3-8412-1426-3

Quellen
Bild/Autorenporträt: www.aufbau-verlag.de / Text (außer Autorenporträt): Susanne

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