Giles Foden: Die Geometrie der Wolken

Es ist eine Ehre und eine Last, die man Henry Meadows aufbürdet. In Schottland soll er den genialen Wissenschaftler Wallace Ryman ausspionieren. Ganz besonderes Augenmerk soll dabei auf der sogenannten Ryman-Zahl liegen. Deren richtige Anwendung ist bislang unbekannt, doch für die Planung des D-Day unerlässlich. Meadows bleibt nicht viel Zeit, um das Vertrauen des scheuen und friedliebenden Ryman zu gewinnen.

Lieblingssatz: „Als würde er ein Blumenbeet gießen, kippte er die restliche Milch in den Bach, wo sie – fast, aber nicht ganz genau – wie zuvor herumwirbelte, bis die Bewegung ungleichmäßiger wurde und Milch- und Wasserpartikel kleine Wölkchen bildeten, deren weiße Farbe immer schwächer wurde, während sie über die Steine und durch die Pflanzen rannen.“

Die Geometrie der WolkenZweiter Weltkrieg, Großbritannien 1944:  Bis zum berühmten D-Day – der Landung der Alliierten in der Normandie – sind es noch etwa 6 Monate. Mathegenie Henry Meadows bekommt hierfür einen besonderen Auftrag. Er soll sich mit dem in Schottland zurück gezogen lebenden Wissenschaftler Wallace Ryman anfreunden. Dieser hat die sogenannte Ryman-Zahl entwickelt mit deren Hilfe man das Wetter über große Gebiete hinweg zuverlässig vorher sagen kann. Doch der friedliebende Tüftler will weder aktiv noch passiv am Kriegsgeschehen beteiligt sein.
Meadows beginnt unter einem Vorwand in direkter Nachbarschaft zu Ryman zu arbeiten. Tatsächlich freunden sich die beiden Männer an. Ein tragischer Unfall jedoch beendet abrupt Meadows Aufenthalt in Schottland.
Nach dem Desaster und auf einigen Umwegen landet er schließlich im Stab seines ehemaligen Vorgesetzten. Ab sofort dreht sich alles um präzise Wettervorhersagen. Die verschiedenen Meteorologen sind bemüht eine zutreffende, für fünf Tage gültige Vorhersage zu treffen, die sie Churchill und … präsentieren können. Alles, damit in der für den D-Day vorgesehenen Woche der geeignete Tag für die Landung bestimmt werden kann. Sowohl die Gezeiten als auch das Wetter müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Die Deutschen sollen natürlich möglichst wenig von der Invasion im Vorfeld mitbekommen. Aber die alliierten Soldaten sollen auch so problemlos wie nur möglich bei gutem Wetter anlanden, um sich sofort ins Kriegsgeschehen zu stürzen.
Ein hoffnungsloses Unterfangen.

Ich habe gekämpft

Ich muss vorweg schicken, dass ich mit der Meteorologie sehr wenig anfangen kann. Ich erkenne Sonnenschein, ich erkenne Regen und auch Schnee, aber ich kann beispielsweise Wolken nicht auseinander halten. Ich weiß ja nicht mal, was es alles für Wolkenarten gibt. Dementsprechend habe ich das Buch vermutlich auch schlecht gewählt.
Diesen Vorinfos entsprechend habe ich auch den Großteil der Erläuterungen zum Wetter und erst recht zur Ryman-Zahl nicht verstanden. Und so sehr mir einleuchtet, dass das Wetter am D-Day eine wichtige Rolle spielte, so schwer fällt es mir, das Buch als glaubwürdig zu empfinden. Ich fand die Geschichte sehr verworren. Die erwähnte Entdeckung des Rhesusfaktors bei Blutgruppen oder das Eisschiff, von dem der Erzähler schreibt, sind zwar interessant, haben für die Story aber keinerlei Bedeutung. Vielmehr schüren sie eine Erwartungshaltung, die nicht erfüllt wird.
Auch die Figur des Henry Meadows fand ich weder sonderlich sympathisch noch zugänglich.
Alles in allem habe ich sehr mit der Lektüre gekämpft. War sie stellenweise auch spannend, so fand ich sie in großen Teilen langatmig, kompliziert und wenig mitreißend.
Eine klare Empfehlung für oder gegen das Buch möchte ich an dieser Stelle nicht aussprechen. Denn vermutlich bin ich dem Buch einfach nicht gerecht geworden, weil ich es meinen Horizont überschritt.

Autorenporträt
Giles Foden, geb. 1967 in Warwickshire, England, lebte seit seinem fünften Lebensjahr mit seiner Familie in Afrika. Der Vater arbeitete im Auftrag der Vereinten Nationen an Projekten in mehreren afrikanischen Staaten. Seitdem fühlt er sich eng mit dem afrikanischen Kontinent verbunden und machte ihn zum Handlungsort all seiner Romane. 1993 zog Foden zurück nach England, arbeitete drei Jahre lang für das „Times Literary Supplement“ und ist jetzt Redakteur beim „Guardian“. Er lebt in London. Für Der letzte König von Schottland erhielt er 1998 den „Whitbread First Novel Award“, den renommiertesten Literaturpreis für einen Erstlingsroman. Bei Aufbau erschienen sein vielfach ausgezeichnetes, fürs Kino verfilmtes und Oscar-gekröntes Debüt „Der letzte König von Schottland“ sowie die Romane „Sansibar“, „Die letzte Stadt von Afrika“ und „Die Geometrie der Wolken“.

Buchinfo
„Die Geometrie der Wolken“ von Giles Foden, erschienen bei Aufbau Taschenbuch, 400 Seiten, € 9,99, ISBN: 978-3-7466-2754-0

Quellen
Bild: www.aufbau-verlag.de / Text (außer Autorenporträt): Susanne

 

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