Linda Winterberg: Solange die Hoffnung uns gehört

Eine Familie, zwei Leben in unterschiedlichen Welten. Während des Zweiten Weltkriegs werden Anni und ihre Tochter Ruth getrennt. Dank der Kindertransporte kann Ruth ihre schulische Ausbildung in England fortsetzen. Ihre Mutter Anni hingegen muss in Frankfurt ausharren und die schlimmen Auswüchse des Krieges über sich ergehen lassen. Aufgrund des spärlichen Briefkontaktes sind beide immer im Ungewissen über das Schicksal der anderen. Irgendwann bleiben Annis Briefe ganz aus.

_Solange die Hoffnung uns gehörtDeutschland 1933: Als gefeierte Sopranistin an der Frankfurter Oper kann Anni Kluger sich nicht vorstellen, dass ihrer Karriere das Ende droht. Mit der Machtergreifung Hitlers wird jedoch ihre jüdische Herkunft, die schon seit Jahrzehnten keine Rolle mehr spielt relevant. Bald ist sie gemeinsam mit ihrer kleinen Tochter Ruth hilflos den Repressalien von Hitler und seinen Anhängern ausgeliefert.
Als es ihr bis 1936 nicht gelungen ist für sich und ihr Kind ein Visum für ein anderes Land zu erhalten, steht Anni vor einer schweren Entscheidung. Mit Hilfe der Quäker kann sie immerhin Ruth retten. Mit einem Kindertransport kann das Mädchen nach England in eine Schule verbracht werden, die von einer deutschen Frau geführt wird.
Anni selbst muss in Deutschland ausharren. Der Kriegsausbruch macht schließlich alle Hoffnungen zunichte, dass sie ebenfalls nach England reisen und ihre Tochter wieder sehen kann. Auch der Briefverkehr wird stark eingeschränkt.
So verleben Mutter und Tochter die schlimmen Kriegsjahre in unterschiedlichen Welten: Ruth in der englischen Schule mit gleichaltrigen Schülern und sogar ihrem besten Freund Walter lebt vergleichsweise ruhig und komfortabel. Anni hingegen ohne Perspektiven, mit zunehmend weniger Einkommen und immer eingeschränkter in einer vom Krieg und Hass zerfressenen Stadt.
Schließlich erhält Ruth einen Brief in dem es heißt, ihre Mutter sei verreist. Sie weiß nicht ob dies gute oder schlechte Neuigkeiten sind.

Fesselnde Story, blasse Hauptfiguren

Das Thema der Kindertransporte bzw. der Kinderverschickung während des Zweiten Weltkrieges ist mir schon länger bekannt. Es nun als Basis eines Romans zu sehen, fand ich sehr interessant. Ich kann mir kaum vorstellen wie groß die Verzweiflung der Eltern sein muss, um ihr Kind wegzuschicken – vermeintlich/hoffentlich in Sicherheit – und nicht zu wissen, ob man es jemals wieder sehen wird. Ganz zu schweigen von den Kindern, die sich mit einem Schlag aller Sicherheit beraubt sehen – weg von der Heimat und weg von der Familie. Eine Horrorvorstellung.
Stellvertretend für all die Schicksale stehen im Buch die Jüdin Anni und ihre Tochter Ruth. Die Geschichte um die beiden ist sehr fesselnd geschrieben. Die Ereignisse werden packend geschildert und der Leser wird in die Story hinein gezogen. Ich habe mich sehr gut unterhalten gefühlt.
Dennoch fand ich die Hauptfiguren allesamt ein wenig blass. Ich konnte weder Anni noch Ruth wirklich greifen, ihr Schmerz war für mich nicht mehr als die Worte auf dem Papier. Und obwohl ich Happy Ends liebe und die Story mit der Trennung von Mutter und Tochter natürlich tragisch ist, fand ich, dass sich sämtliche sonstige Schwierigkeiten im Leben der beiden Frauen immer recht schnell lösten. Ruth findet zum Beispiel überall schnell Freunde. Und auch Anni findet immer wieder Unterstützung, die sicherlich nicht typisch ist für diese spezielle Zeit.
Am Interessantesten fand ich schließlich die Informationen zu den reellen Vorbildern für einige Figuren.

Mehr Schicksale im Zweiten Weltkrieg:

Moriz Scheyer: Selbst das Heimweh war heimatlos
Kristin Hannah: Die Nachtigall
Sarah Quigley: Der Dirigent
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Autorenporträt
Hinter Linda Winterberg verbirgt sich Nicole Steyer, eine erfolgreiche Autorin historischer Romane. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Töchtern im Taunus und begann schon im Kindesalter erste Geschichten zu schreiben, ganz besonders zu Weihnachten, was sie schon immer liebte. Bei atb liegen von ihr die Romane „Das Haus der verlorenen Kinder“, „Solange die Hoffnung uns gehört“ und „Unsere Tage am Ende des Sees“ vor.

Buchinfo
„Solange die Hoffnung uns gehört“ von Linda Winterberg, erschienen bei Aufbau Taschenbuch
Taschenbuch: 471 Seiten, € 12,99, ISBN 978-3-7466-3289-6

Quellen
Bild/Autorenporträt: www.aufbau-verlag.de / Text (außer Autorenporträt): Susanne

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