Nikola Scott: Zeit der Schwalben

Ausgerechnet am ersten Todestag ihrer Mutter sieht Adele sich plötzlich einer angeblichen Zwillingsschwester gegenüber. Nach dem ersten Schock suchen die beiden Frauen jedoch gemeinsam nach dem Grund ihrer Trennung. Und während Phoebe ungestüm vorwärts drängt, hat Adele Mühe das alles zu verarbeiten. Zumal sich auch sonst gravierende Änderungen in ihrem Leben ankündigen.

„Es war dunkel und kalt, ein Februar, so grau und trostlos, wie nur ein englischer Februar sein kann, Bäume und Büsche und Gärten tropften vor Feuchtigkeit, die Straßen waren schmutzig graubaun, die Eibenhecken von einem dumpfen Dunkelgrün.“ Zitat Seite 192

_Zeit der SchwalbenDen ersten Todestag von Mutter Elizabeth soll die Familie Harington gemeinsam verbringen. Die älteste Tochter Adele versteckt sich jedoch lieber im noch unberührten Arbeitszimmer ihrer Mutter. Und als ob der Tag nicht ohnehin schon schwierig wäre, steht an dessen Ende auch noch eine Frau vor der Tür, die behauptet Elizabeth Tochter zu sein. Nicht nur das, sie sei außerdem auf der Suche nach ihrer Zwillingsschwester.
Adele, die tatsächlich am gleichen Tag wie die Fremde Geburtstag hat, ist völlig schockiert. Das Verhältnis zwischen Adele und ihrer Mutter war nie besonders herzlich und tatsächlich traut sie ihrer Mutter zu, eines ihrer Babys weggegeben zu haben. Nach anfänglichem Zögern trifft sie sich ein weiteres Mal mit ihrer Zwillingsschwester Phoebe.
Gemeinsam machen die zwei Frauen sich auf die Suche nach der wahren Geschichte ihrer Geburt und der Ereignisse danach. Für beide kein einfacher Weg. Phoebe muss verkraften, dass sie ihre leibliche Mutter nicht mehr kennenlernen wird. Und Adele stellt ihr ganzes Leben in Frage, denn plötzlich ist ihr Vater nicht mehr ihr Vater, die Ehe ihrer Eltern ein Schwindel. Zudem drängen alle sie zu einschneidenden Veränderungen in ihrem Leben, wozu Adele nicht bereit ist.
Als Adele völlig frustriert und am Ende ihrer Kräfte ihren Vater mit all dem konfrontiert, erleidet dieser einen Herzinfarkt. Inständig hofft sie auf sein Überleben, denn er ist vermutlich der Einzige, der weiß was damals wirklich geschah.
Während Adele und Phoebe mühsam recherchieren müssen, erfährt der Leser über die eingefügten Tagebucheinträge der jungen Elizabeth was damals geschah.

Ganz mein Geschmack

Hach, ein Buch ganz nach meinem Geschmack. Menschen der Gegenwart erforschen ihre Geschichte bzw. die ihrer Vorfahren und fördern dramatisches zutage. Ich habe ja schon einige Variationen dieses Themas gelesen, aber diese hier mit den getrennten Zwillingen ist eine erfrischend neue Nuance.
Die Geschichte ist sehr spannend geschrieben. Die Suche der Schwestern Adele und Phoebe wird immer wieder unterbrochen von den Tagebucheinträgen ihrer Mutter Elizabeth in deren Jugend. Der Leser erfährt von deren schlimmen Schicksal. Das Ganze ist sehr gekonnt verwoben, so dass man der Gegenwartsrecherche nie allzuweit voraus ist.
Der Schreibstil ist unaufgeregt und lässt sich wunderbar leicht lesen. Und während man über die Seiten fliegt, kann man mitfiebern und miträtseln, was wohl passierte.
Ich mag dieses Buch sehr, zumal es einen historischen Kern hat. Die geschilderten Ereignisse rund um erzwungene Adoptionen Mitte des 19. Jahrhunderts waren nicht unüblich, wenn die Geschichte hier auch rein fiktional ist.
Wer solche Familiengeschichten mag, die Gegenwart und Vergangenheit verbinden, der ist bei diesem Buch goldrichtig.

Mehr spannende Familiengeschichten:

Kristin Hannah: Die Nachtigall
Anja Jonuleit: Rabenfrauen
Corina Bomann: Die Schmetterlingsinsel
Mechtild Borrmann: Wer das Schweigen bricht

 

Autorenporträt
Nikola Scott ist in Deutschland geboren und aufgewachsen, bevor sie jahrelang in den USA und in Großbritannien in verschiedenen Verlagen arbeitete. Sie lebt inzwischen mit ihrer Familie in Frankfurt am Main. „Zeit der Schwalben“ ist ihr erster Roman.

Buchinfo
„Zeit der Schwalben“ von Nikola Scott, erschienen bei Wunderlich
Hardcover: 512 Seiten, € 19,95, ISBN: 978-3-8052-0037-0
eBook: 512 Seiten, € 16,99, ISBN 978-3-644-20015-9

Quellen
Bild/Autorentext: www.rowohlt.de / Text (außer Autorenporträt): Susanne

 

 

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