Felicity Whitmore: Der Klang der verborgenen Räume

Eine 150 Jahre zurückliegende Mordanschuldigung aufklären? Wie soll Nina das denn bloß hinkriegen? Andererseits ist der jungen Ausnahmepianistin gerade jedes Mittel recht, um aus ihrem bisherigen Leben auszubrechen und sich abzulenken. Nach einer Liebesnacht mit dem falschen Mann, ist Nina froh um die unerwartete Erbschaft in England und den damit verbundenen Auftrag.

„Aus einem der Zimmer erklang eine Melodie, die ihn auf sonderbare Weise berührte. Jemand spielte Klavier. Obwohl die Tür zu dem Zimmer geschlossen war, konnte er den Zorn spüren, den der Pianist in sein Spiel legte. Die Töne wurden hart angeschlagen, fast auseinandergenommen, und zugleich lagen viel Gefühl, Verletztheit und eine gewisse Zärtlichkeit darin.“ (Zitat Seite 8)

_Der Klang der verborgenen TräumeSeit mehr als 150 Jahren gilt Anna Stone als mehrfache Mörderin. Ihre Nachfahrin Nina Altmann soll nun herausfinden was damals wirklich geschah und somit Annas Unschuld beweisen. Dies ist eine Bedingung für ihre unerwartete Erbschaft in England.
Ohne groß zu zögern reist Nina nach Stone Abbey, um ihr Erbe anzutreten. Die junge Pianistin ist froh über diese Ablenkung. Hat sie doch mit dem Mann ihrer besten Freundin geschlafen und kann nun nicht mehr Klavier spielen.
Als Nina in Stone Abbey ein Bild ihrer Vorfahrin Anna sieht, meint sie in einen Spiegel zu schauen. Frappierend ist die Ähnlichkeit und auch Anna spielte Klavier. Für die junge Frau ein Grund mehr an die Unschuld der fremden Frau zu glauben.
Schnell findet Nina einen Hinweis auf Mainston Hall, den Landsitz der Familie Lubrell. Dort lebte Anna. Und dort soll sie auch die Morde begangen haben. Eilig macht sich Nina auf den Weg. Der abweisende Lord Lubrell allerdings will nicht mit ihr reden. Aber vielleicht hilft ihr ja der sehr freizügige, ungehobelte Butler, der mit seinen Tätowierungen und dem Motorrad nicht wie ein solcher aussieht.
Den Großteil des Buches allerdings begleitet der Leser Anna Stone auf ihrem steinigen Weg. Und man erfährt so unmittelbar, was vor 150 Jahren geschah und warum.

Mitreissende Geschichte mit ein paar Schwächen

Obwohl gerade mal 90 Seiten weniger als der historische Schinken, den ich vorher las, hatte ich dieses Buch ruckzuck durch und weitaus mehr Freude daran. Die Geschichte hat mich mitgerissen und ich bin von Anfang an in ihr versunken.
Ich gebe zu die Story hat einige Schwächen (zu vorhersehbar, zu naiv, ein bisschen zu unausgegoren) und trotzdem hatte ich viel Spaß an der Lektüre. Es war kurzweilig und auch spannend. Dank der Sprache wurde ich immer unmittelbar in die Szenerie gezogen und fühlte mich den Charakteren ganz nah.
An manchen Stellen hätte ich mir etwas mehr Ausarbeitung der Geschichte gewünscht, zum Beispiel bei der Übersetzung am Ende. Bzw. generell bei der Spurensuche von Nina, die mir ein wenig zu alibimäßig eingeflochten vorkommt. In dem Fall hätten mich auch 50 oder 100 Seiten mehr nicht gestört, um einige Dinge näher zu erläutern.
Alles in allem empfehle ich das Buch gern weiter. Wer es nicht allzu tiefgründig mag und einfach eine unterhaltsame Lektüre sucht, der ist meiner Meinung nach sehr gut bedient mit diesem Roman.

Mehr Bücher zur Spurensuche in der Vergangenheit:

Beate Rösler: Die Reise des Elefantengottes
Anja Jonuleit: Herbstvergessene und Rabenmütter und Der Apfelsammler
Corina Bomann: Der Mondscheingarten
Nikola Scott: Zeit der Schwalben

 

Autorenporträt
Felicity Whitmore leitet mit ihrem Mann ein freies Theater in Hagen, wo sie als Dramaturgin, Regisseurin und Schauspielerin arbeitet. Einmal im Jahr bereist sie England — aus ihrer Leidenschaft für das viktorianische Zeitalter und für alte Adelshäuser.

Buchinfo
„Der Klang der verborgenen Räume“ von Felicity Whitmore, erschienen bei dtv premium
Taschenbuch: 432 Seiten, € 16,90, ISBN 978-3-423-26167-8
eBook: 608 Seiten, € 14,99, ISBN 978-3-423-43259-7

Quellen
Bild/Autorenporträt: www.dtv.de / Text (außer Autorenporträt): Susanne

 

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