M.J. Arlidge: Eingeschlossen

Na, da hat Mr. Arlidge ja mal wieder ordentlich einen rausgehauen! Ich bin ganz entzückt über den 6. Band der DI-Helen-Grace-Reihe. Für alle die die Reihe um die toughe Ermittlerin aus Southampton noch nicht kennen sei gesagt, es besteht in dieser Rezension Spoiler-Alarm für die Vorgänger-Bände. Wer also unbedarft und ohne Vorwissen mit der Reihe anfangen will, der sollte nicht weiter lesen. Nur so viel: ES LOHNT SICH!!!

_EingeschlossenTop-Ermittlerin DI Helen Grace sitzt im Knast. Wegen mehrfachen Mordes. Ausgerechnet in Holloway. Das ist genauso scheisse, wie man es sich vorstellt. Nicht nur, dass sie unschuldig ist. Dazu machen ihr natürlich die Mitgefangenen das Leben schwer, um nicht zu sagen unerträglich. Schließlich ist Helen bei einigen der Insassen für deren Aufenthalt in Holloway verantwortlich. Ganz zu schweigen von der familiären Note, denn auch Helens Schwester Marianne war hier eingesperrt für ihre Verbrechen im Teenageralter.
Nicht lange nach Helens Ankunft geschieht in dem maroden Gefängnis, das bald geschlossen werden soll, ein Mord. Dabei wird nicht einfach jemand bei einer Knastprügelei abgestochen, sondern das Opfer liegt friedlich in seiner Zelle. Ohne erkennbare Spuren von Gewalteinwirkung. Zählt man die nach dem Tod ausgeführten Modifikationen nicht mit. Denn sowohl Mund als auch Augen sind zugenäht und alle anderen Körperöffnungen wurden ebenfalls phantasievoll verschlossen.
Es bleibt nicht bei einem Opfer und Helens Ermittlerinstinkt erwacht. In dem gefährlichen Umfeld verschafft sie sich Informationen und begibt sich auf Mördersuche. Gleichzeitig bahnt sich im Gefängnis eine Revolte an.
Indes sucht Helens Freundin und Kollegin Charlie Brooks draußen händeringend nach Beweisen für die Unschuld ihrer ehemaligen Chefin. Fanatisch folgt sie jeder noch so kleinen Spur zu Robert Stonehill – dem Sohn von Helens Schwester Marianne. Und der Einzige, der Helen entlasten kann.

Knast-Spaß, der atemlos macht

Wenn ich könnte, würde ich den Autor abknutschen. Eigentlich wollte ich das schon beim letzten Teil, als er eben nicht am Ende alles aufgelöst und Helen entlastet hat. Sondern er ließ unsere außergewöhnliche Ermittlerin als Mörderin dastehen und in den Knast einfahren. Mit allem anderen hätte er nämlich an Glaubwürdigkeit eingebüßt.
Jedenfalls macht es einen Heidenspaß Helen im Gefängnis agieren zu sehen. Klingt irgendwie sadistisch, oder? Denn es regiert die Gewalt im Knast. Völlig unabhängig von den grausigen Morden. Ich finde, M.J. Arlidge hat das wunderbar eingefangen. Diese Stimmung aus permanenter Furcht, ausgeliefert-sein und Trostlosigkeit.
Zu diesem hoffnungslosen und gewalttätigen Hintergrund gesellt sich eine spannende und rasante Mördersuche. Und diese bietet einige Überraschungen. Dank meiner langjährigen Thriller-Lese-Erfahrung halte ich mich ja immer für schwer hinters Licht zu führen, aber hier habe ich gleich zweimal falsch gelegen mit meinem Täter-Tipp.
Dazu fiebert man auch bei der Suche von Charlie Brooks mit, die endlich Helens Unschuld beweisen will. Wie schon seine Vorgänger ist „Eingeschlossen“ ein Thriller, der atemlos macht. Wegen der kurzen Kapitel kommt man gar nicht zum Pausieren, sondern hält quasi die ganze Zeit die Luft an. Das wiederum sorgt dafür, dass man nicht aufhören kann zu lesen, weil man wissen MUSS wie es weiter geht. Ein absoluter Page-Turner, wie man so schön sagt.
Von mir eine ganz klare Empfehlung für alle die das DI-Helen-Grace-Universum schon kennen. Neu-Einsteigern empfehle ich wie immer den ersten Band – auch wenn es kein Drama wäre mitten in der Reihe anzufangen. Aber warum sollte man sich den Spaß nehmen Helen von Beginn an kennenzulernen?

Bisher erschienen in der DI-Helen-Grace-Reihe:

Einer lebt, einer stirbt
Schwarzes Herz
Kalter Ort
In Flammen
Letzter Schmerz
No way back

 

Autorenporträt
Matthew J. Arlidge hat fünfzehn Jahre lang als Drehbuchautor für die BBC gearbeitet. Inzwischen betreibt er eine eigene unabhängige Produktionsfirma, die vor allem auf Krimiserien spezialisiert ist. Der Auftakt der Helen-Grace-Reihe «Einer lebt, einer stirbt» war in England das erfolgreichste Debüt 2014, die Reihe erscheint in 30 Ländern.

Buchinfo
„Eingeschlossen“ DI-Helen-Grace-Reihe Band 6 von Matthew J. Arlidge, erschienen bei rororo
Taschenbuch: 384 Seiten, € 9,99, ISBN: 978-3-499-27369-8
eBook: 384 Seiten, € 9,99, ISBN: 978-3-644-40278-2

Quellen
Bild+Autorenpoträt: www.rowohlt.de / Text (außer Autorenporträt): Susanne

Ein Gedanke zu “M.J. Arlidge: Eingeschlossen

  1. Pingback: Matthew J. Arlidge: Blinder Hass | Wortgestalten

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