Borneo II: Beschwipst auf Pulau Satang

5. Mai bis 6. Mai 2018

Zum Frühstück haben wir heute Besuch. Julia und Carola leisten mir wieder Gesellschaft. Aber auch ein paar hungrige Makaken streifen ums Restaurant. Die Mitarbeiter haben große Mühe die Tiere vom Buffet fern zu halten und von den Tischen. Obwohl die Affen den Rückzug antreten sobald einer der Mitarbeiter auf sie zukommt, weil sie offenbar die Wirkung der eingesetzten Schleuder kennen.
Das hält die Makaken aber nicht davon ab, es immer wieder zu versuchen. Einer springt sogar direkt zwischen mir und Carola auf unseren Tisch. Julias spitzer Schrei allerdings lässt ihn postwendend umkehren.

Nicht so glatt gelaufen

Nach dieser morgendlichen Aufregung und Touristenbelustigung muss ich auschecken. Ich will doch heute nach Satang!
Das Auschecken dauert länger als gedacht, die Rechnung ist nicht korrekt. Mein Taxi-Fahrer steht vorm falschen Hotel und kommt demnach zu spät. Und am Hafen in Kuching muss ich den Bootsmann suchen, der mich zur Insel schippern soll. Alles nicht so glatt gelaufen, aber letztendlich komme ich auf Pulau Satang an.

Von wegen einsame Insel

Wie schon gestern, ist eine Menge los auf der Insel. Sogar der Eigentümer ist vor Ort auf seiner Yacht. Dazu diverse Familienangehörige, von denen ein Teil ebenfalls auf der Insel schlafen wird. Außerdem Tagestouristen, die Gruppe Übernachtungsgäste von gestern, der Bootsmann des Eigentümers und seine Familie und auch die Übernachtungsgäste für die kommende Nacht. So viele Menschen! Nix mit einsame Insel. Ich bin ein bisschen enttäuscht, weil meine Fantasie mit mir durchgegangen ist.
Außerdem sieht die Insel nicht mehr aus wie im letzten Jahr. All die großen und kleinen Palmen, die mich so erfreut haben, sind weg. Aufgrund von Sturmschäden und aus Sicherheitsgründen wurden besonders die großen Palmen gefällt. Nach und nach werden neue gepflanzt.
Eine ganze Weile unterhalte ich mich mit Alphonsus, dem Ranger, den ich am Vortag schon kennengelernt habe. Ich stelle Unmengen Fragen zu seiner Arbeit und seiner Heimat und wir reden bald über alles Mögliche.
Zwischendurch lenken einige aufgeregte Gäste unsere Aufmerksamkeit aufs Meer. Ein paar Delfine zeigen uns ihre akrobatischen Sprünge. Auch wenn sie weiter weg sind: Wow!

Fragestunde statt Naturbeobachtung

Dann muss ich selber ein bisschen ins Wasser. Während im vorderen Teil der Insel, wo die Boote anlegen, sich die Menschen aufhalten, verziehe ich mich an den tatsächlich einsamen Strand an der Seite. Dort ist der Zugang ins Meer wegen der Felsen schwieriger, aber dafür ist hier eben menschenleer. Ich sammle ein bisschen Müll ein, schnorchle, spaziere am Strand entlang.
Am Nachmittag reisen all die Tagesbesucher ab und auch der Eigentümer verschwindet, ohne dass ich ihn gesehen oder erkannt hätte. Es sind für meine Begriffe trotzdem noch zu viele Menschen auf der Insel.
Dank der Kinder vor Ort ist an abendliche Tierbeobachtung nicht zu denken. Während für mich hier alles neu und besonders ist, können sie sich nicht vorstellen, was so interessant an einer Krabbe sein soll. Sie wollen sich viel lieber mit mir unterhalten. Das ist wegen der beschränkten Englischkenntnisse und der unterschiedlichen Aussprache etwas schwierig.

Einladung zum Dinner – inkl. Cocktail

Außer mir sind noch zwei australische Touristinnen Kathy und Keira mit ihrem Guide Ben da. Als Ben hört, dass ich allein bin und ebenfalls auf der Insel schlafe, lädt er mich sofort zum Dinner ein. Ich darf keine Widerworte geben – was ich auch nicht ernsthaft vorhabe. Ich habe zwar ein Lunchpaket vom Hotel mitgenommen, aber die haben da die Hälfte vergessen. Und natürlich freue ich mich auch über die Gesellschaft. Auch Alphons ist zum Abendessen eingeladen.
Und ich kann Euch sagen, Ben ist ein fantastischer Koch! Er stammt von den Dayak ab und so zaubert er Gerichte nach Einheimischer Art: Hühnchen in leckerer Soße, gegrillten Fisch, Okraschoten mit Scampis, natürlich Reis und eine verdammt scharfe Soße. Eines der besten Essen, die ich im Urlaub habe.
Es wird ein sehr gemütlicher Abend, denn nach dem Essen wird der Schnaps ausgepackt. Für ein Großteils islamistisches Land untypisch, aber offensichtlich ist keiner der Anwesenden ein Muslim. Es gibt Apfelwodka mit Starkbier gemischt. Eine durchaus eigenwillige Kreation aber nicht unlecker. Da nur eine Dose Bier da ist, trinken Ben und ich den Rest Apfelwodka später auch pur.

Keine Schildkröte in Sicht

Zwischendurch dreht Alphonsus jede Stunde seine Runde um den Strand, um nachzusehen ob eine Schildkröte zum Eier ablegen im Anmarsch ist. Einmal dürfen wir ihn begleiten. Wir werden letztendlich vergebens hoffen. In dieser Nacht regnet und gewittert es zu sehr, als das eine Meeresschildkröte Lust hat an Land zu kommen und für Nachwuchs zu sorgen.
Gegen 23 Uhr sitzen nur noch Ben und ich am Tisch. Alphonsus ist zurück in seine Rangerhütte gegangen und Kathy und Keira haben sich ebenfalls zurückgezogen. Ich bin ein wenig beschwipst. Unsere Unterhaltung schwankt vom Musikgeschmack über verstorbene Musiker zu Lebensträumen, Zukunftsplänen und deren Verwirklichung. Währenddessen prasselt der Regen auf die Zeltplane über uns und Donner übertönt manchmal unsere Stimmen.
Mitternacht ist aber auch für mich Feierabend. Ganz Gentleman begleitet Ben mich die fünf Schritte zu meinem Häuschen und leuchtet mir den Weg, denn meine Taschenlampe hat inzwischen den Geist aufgegeben. Und während ich schlafen gehe, räumt Ben die Spuren des Abends weg.
Die Nacht ist unruhig, denn ein zweites Gewitter zieht über die Insel hinweg. Ich werde ständig wegen irgendetwas wach: Regen, Tiere die auf dem Haus rumturnen, Äste die irgendwo dagegen schlagen, Donnern … und nicht zuletzt, weil ich auch mit einem Ohr die ganze Zeit darauf horche, ob Alphonsus uns wecken kommt, um eine Schildkröte zu beobachten.

Herzlicher Abschied

Am nächsten Tag finden wir einige abgefallene Äste. Ein bisschen Enttäuschung macht sich breit, weil es nicht das gewünschte/erhoffte Naturschauspiel gab. Aber naja, so ist das eben.
Mein erster Weg führt mich wieder zum Schnorcheln. Hier hab ich die Chance gleich früh am Morgen ins Meer zu gehen und habe es für etwa 30 Minuten ganz für mich allein. Das ist schön.
Dann wartet schon ein unfassbar leckeres Omelett auf mich. Ben verwöhnt nicht nur seine beiden zahlenden Gäste sondern auch mich. Ich bin ein wenig überfordert mit so viel Freundlichkeit. Der Abschied von Ben ist dann auch sehr herzlich. Desgleichen bei Alphonsus mit dem ich auch noch in Kontakt stehe.
Gegen 9.30Uhr verabschiede ich mich von der kleinen Insel. Denn auf mich warten schon weitere aufregende Erlebnisse.

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