Natascha Kampusch: 3096 Tage

Es ist der Alptraum schlechthin: Entführt, gefangen gehalten und misshandelt. Jahrelang. Der Alptraum der Natascha Kampusch. Ein Alptraum der Schlagzeilen machte. Natascha Kampusch kann nach acht langen Jahren fliehen. Nun hat sie ein Buch über ihr Martyrium geschrieben.

3096 TageHeute hat sich Natascha nicht von ihrer Mutter verabschiedet. Hat ihr nicht wie sonst gesagt, dass sie sie liebt. Sie ist ärgerlich, denn der Streit zwischen den getrennten Eltern wird auf ihren Schultern abgeladen. Aber ab heute soll alles anders werden. Das beschließt Natascha auf dem Weg zur Schule … wo sie nie ankommt.
Ein Mann zerrt sie in ein Auto und verschleppt sie. An eine Bande Männer will er sie übergeben. Natascha hat viel im Fernsehen über solche Banden gesehen und gehört. Was die alles mit kleinen Mädchen und Jungen machen, in schmutzigen, dunklen Räumen. Das gerade mal 10jährige Mädchen hat Angst.
Dass sie dann doch nicht in den Fängen einer solchen Sex-Bande landet tröstet sie nur wenig. Denn stattdessen wird sie in einen kleinen Raum mit einer Spüle und einer dünnen Matratze gesperrt. Licht gibt es nur wenn ihr Entführer das will.
Mit Lügen über ihre Familie vergiftet der Mann ihr junges Herz. Isoliert sie, nimmt ihr alle Habseligkeiten, die sie noch hat. Schließlich muss sie sogar ihren Namen wechseln. Für jede Annehmlichkeit wie Radio oder Bücher, muss sie auf die eine oder andere Weise bezahlen, sich diese mit gutem Benehmen verdienen.
Verpflegt er sie zunächst noch mit ausreichend Nahrung, wird diese mit Eintritt in die Pubertät radikal gestrichen. Dazu muss sie arbeiten. Jeden Wochentag holt er sie aus ihrem Verlies und Natascha muss ihm beim Um- und Ausbau seines Hauses helfen. Jeder Fehler – auch die nur vermeintlichen – werden mit Schlägen bestraft. Und in den Augen des paranoiden und aufbrausenden Mannes macht sie viele Fehler.
Es dauert Jahre, bis er sie mit nach draussen nimmt. Sogar Ausflüge mit ihr macht. Wirklich entspannt ist er nicht und auch Natascha ist nervös. Trotz verschiedener Möglichkeiten, kann sie das Gefängnis, dass in ihr gewachsen ist, nicht verlassen. Bis sie eines Tages doch ihre Chance ergreift und dem Täter entkommt.

Unglaubliches Zeitzeugnis

Das Buch ist ein unglaubliches Zeugnis für Kraft und Durchhaltevermögen und Überlebenswillen. Dass die beschriebenen Ereignisse keine Fiktion sondern bittere Realität sind, ist kaum zu fassen. Mit Hilfe ihrer Notizen aus der Gefangenschaft lässt Natascha Kampusch die Erlebnisse Revue passieren und beschreibt das Unbeschreibliche.
Ihre Worte geben die Geschehnisse aus der Sicht des Kindes wieder. Sie beschreibt ihre Gefühle, Sehnsüchte und die komplizierte Verbindung zu ihrem Entführer – der einzigen Bezugsperson in acht langen Jahren.
Das Buch kommt ohne Sensationsgier aus, ohne Mitleidheischen. Vielmehr erzählt eine junge Frau ihre Geschichte, die in den Medien oft genug von Fremden völlig verzerrt dargestellt wurde.
Ein berührendes und erschütterndes Buch. Und unbedingt lesenswert.

Autorenporträt
Natascha Kampusch, geboren am 17. Februar 1988 in Wien, war Opfer einer der längsten Entführungen der jüngeren Geschichte. 2006 hat sie ihre Freiheit zurückerobert. Seither versucht sie, ein normales Leben zu führen. Im Frühjahr 2010 machte sie ihren Schulabschluss.

Buchinfos
„3096 Tage“ von Natascha Kampusch, erschienen 2010 bei List, ca. 288 Seiten, € 9,99,  ISBN-10: 3548374263, ISBN-13: 9783548374260

Quellen
Bild: www.ullsteinbuchverlage.de / Text (außer Autorenporträt): Susanne

Ein Gedanke zu “Natascha Kampusch: 3096 Tage

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