Michael Berndt: 100 Länder, 100 Frauen, 100 Räusche

Bloß raus aus Sachsen. Das denkt sich Michael Berndt mit Mitte 20. Ein halbes Jahr Australien soll es stattdessen sein – bis sein Dienst bei der Bundeswehr beginnt. Ohne Sprachkenntnisse, nur mäßig Geld und ohne irgendeinen Plan macht er sich auf den Weg. Michael ahnt nicht, dass dieser Trip sein Leben verändert und er bald viel mehr als nur Sydney kennenlernt.

_100 Länder Frauen RäuscheDas Leben auf einem Bauernhof in Sachsen ist selten aufregend. Der wöchentliche Alltagstrott wird am Wochenende nur von wiederkehrenden Besäufnissen abgelöst. Michael Berndt kennt zunächst nichts anderes. Er beginnt eine Lehre beim Schlachter, die er nach drei Jahren abschließt. Ein Arbeitskollege der kurz vor der Rente steht stellt ihm schließlich eine Frage und es beginnt in Michael zu arbeiten:
„Willst du wirklich ein Leben lang aus dem kleinen Fenster gucken und den Garten vom Chef sehen?“ (Zitat Seite 15)
Bis zum Dienst in der Bundeswehr sind es noch mehrere Monate. Kurzentschlossen macht Michael sich auf den Weg nach Australien. Sechs Monate will er als Backpacker Down Under erkunden. Ohne Englischkenntnisse, mit wenig Geld und ohne irgendeinen Plan.
Michael bleibt deutlich länger in Australien als geplant. Damit nicht genug, reist er von dort weiter nach Neuseeland. Und dies ist nur der Beginn einer jahrelangen Reise – unterbrochen von wenigen Wochen in Deutschland – rund um den Globus. Sein Plan: In jedem Land mit einer Einheimischen zu schlafen, sich zu berauschen, jedes Weltwunder anzusehen und seine ganz persönliche Bucket-List mit Adrenalinkicks abzuarbeiten.

Was für eine Reise!

Wow, was für eine Weltreise! Der Titel lässt ja ohnehin kaum Spielraum worum es im Buch geht. Und obwohl ich mich weder durch die Welt vögle noch irgendwelche Drogen konsumiere, war ich auf das Buch sehr neugierig. Natürlich weil es ums Reisen geht. Und auch, weil der Autor aus der Gegend kommt, die auch meine Heimat ist.
Diese Art zu reisen wie Michael Berndt es hier beschreibt ist mir ziemlich fremd, auch wenn gelegentlich Gemeinsamkeiten da sind. Der lapidare Umgang mit dem weiblichen Geschlecht und die Großteils abwertende Beschreibung der Eroberungen, lassen mich die Nase rümpfen. Ebenfalls der laxe und verherrlichende Umgang mit Rauschmitteln ist so gar nicht meins. Ich habe kaum Erfahrungen in der Hinsicht, aber meine wenigen Begegnungen mit Backpackern auf Borneo sahen deutlich anders aus. Meine Prioritäten liegen aber auch etwas anders.
Was mir wiederum sehr gefallen hat, war die pure Neugier auf das Leben und die Lebensweisen in den verschiedenen Ländern. Ich hätte gern mehr gelesen von Menschen und Natur als vom Ficken und Saufen. Michael Berndt hat sich oftmals viel mehr auf die Menschen vor Ort eingelassen als seine Backpackerkollegen – und auch mehr als ich mich vermutlich jemals trauen werde. Das nötigt mir viel Respekt ab. Seine Offenheit sich eben nicht nur in touristischen Gebieten aufzuhalten, sich beispielsweise in einer Favela in Rio einzuquartieren, ist bewundernswert. Auch seine Experimentierfreude in Punkto Essen finde ich bemerkenswert. Obwohl ich mir nicht vorstellen kann, Delphin, Wal oder angebrütete Eier zu essen, hat er durchaus recht damit, dass man ein vorgesetztes Essen nicht abschlagen soll. Ich hoffe, ich komme nie in die Verlegenheit.
Ich will jetzt nicht noch mehr erzählen hier, das sprengt eindeutig den Rahmen. Obwohl all die Sex-Geschichten und der Drogenkonsum nicht jedermanns Sache sind, empfehle ich das Buch sehr gerne weiter. Es ist spannend, sehr interessant und packend geschrieben, es macht neugierig und zeigt einem ein bisschen die Welt. Und vielleicht auch das nächste Reiseziel.

Mehr Bücher übers Reisen:

Mikka Bender: Is Nebensaison, da wird nicht mehr geputzt
Carina Herrmann: Frauen reisen solo
Christian Eisert: Kim & Struppi – Ferien in Nordkorea
Renate Bergmann: Besser als Bus fahren

 

Autorenporträt

Michael Berndt, Jahrgang 1984, wuchs in Sachsen auf einem Bauernhof auf. Nach seiner Ausbildung zum Metzger arbeitete er noch zwei Jahre als Geselle und holte anschließend sein Abitur nach. Der daran anschließende Fließbandjob langweilte ihn so sehr, dass er kurzerhand im Januar 2009 alles hinter sich ließ und nach Australien reiste. Was als Urlaub geplant war, wurde zu einer 8-jährigen Weltreise. Mittlerweile lebt Michael Berndt wieder in Sachsen und hat eine Familie gegründet.

Rainer Schäfer, Jahrgang 1962, lebt als freier Journalist und Autor in Hamburg und schreibt über die Dinge, die er am meisten liebt: Wein, gutes Essen und Fußball.

Buchinfo
„100 Länder 100 Frauen 100 Räusche – Meine verrückte Reise um die Welt“ von Michael Berndt (mit Rainer Schäfer), erschienen bei riva
Softcover: 272 Seiten, € 16,99, ISBN: 978-3-7423-0280-9

Quellen
Bild/Autorenporträts: ww.m-gv.de / Text (außer Autorenporträt): Susanne

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s