Jack London: Die Reise mit der Snark

Bislang habe ich Euch die Rezension zu „Die Reise mit der Snark“ vorenthalten, was ein sträflicher Fehler ist. Den möchte ich jetzt endlich wettmachen. Denn es ist wirklich ein kurzweiliges und sehr unterhaltsames Buch. Es vereint Komisches und Interessantes, Abenteuer und Liebe und ist das Zeitdokument eines berühmten Abenteuerroman-Schriftstellers: Jack London.

„Ich schlenderte über das Deck und zählte in einer Minute vierzehn Fugen in der schönen Beplankung, die wir extra aus dem Puget-Sund bestellt hatten, damit sie eben keine Fugen aufwiese. Außerdem drang Wasser durch das Deck ein, und zwar heftig. Es schwemmte Roscoe aus seiner Koje und ruinierte das Werkzeug im Maschinenraum, ganz zu schweigen vom Proviant in der Kombüse, den es ungenießbar machte. Auch die Bordwände und der Boden der Snark leckten, und wir mussten sie täglich auspumpen, damit sie nicht unterging.“ (Zitat Seite 38)

_Die Reise mit der SnarkJack London möchte mit einem Segelboot die Welt umrunden. Er lässt sich dafür eigens ein Schiff bauen: die Snark. Eines das ewig nicht fertig wird und dabei furchtbar viel Geld verschlingt. Trotzdem sticht London irgendwann in See und hält Kurs auf Hawaii. Mit dabei seine über alles geliebte Frau Charmian, der Schwiegervater und weitere eher unerfahrene Mannschaftsmitglieder, die des Segelns nicht mächtig sind. Ja, nicht einmal ein kundiger Navigator ist an Bord.
Auch die Snark ist wenig hochseetauglich. Schon nach wenigen Seemeilen muss an einem anderen Hafen nachgebessert werden. Weiterhin verschlingt das Boot Unsummen.
Um die Reise und all die Reparaturen bezahlen zu können, schreibt Jack London regelmäßig Berichte für die Zeitungen. Er spart dabei nicht mit der Wahrheit und erzählt von all den Pleiten und Pannen an Bord. Von Krankheit, Missständen, Improvisation. Aber auch von den schönen Momenten mit seiner Frau, von paradiesischen Inseln und beeindruckenden Begegnungen.

Herzerfrischender Reisebericht über eine pannenreiche Reise

Ich habe die Lektüre sehr genossen. Bisher hatte ich noch nichts von Jack London gelesen. Ich weiß auch nicht, ob man diese Aufzeichnungen mit seinen späteren Abenteuerromanen vergleichen kann, aber so wie er hier schreibt und erzählt, bin ich ganz begeistert.
Seine Berichte sind voller Selbstironie, Humor und Selbstkritisch. Er trachtet nicht danach sich oder sein Schiff im besten Licht darzustellen. Vielmehr verwurstet er all die Pannen und Probleme sehr unterhaltsam. Etwas, das ich sehr gut nachvollziehen kann, weil ich das auch selbst ganz ähnlich mache. Vielleicht halte ich es deswegen für so herzerfrischend.
Obwohl alles andere als eine Traumreise, habe ich mir mehr als einmal gewünscht dabei gewesen zu sein. Jack London schreibt über das Leben auf der Snark wie es ist: Probleme und Ärger, Stress und Druck, aber auch einmalige Erlebnisse gemeinsam mit seiner geliebten Frau.
Ich wollte das Buch außerdem haben, weil es sich hier um eine Schmuckausgabe handelt, die ich auf der Frankfurter Buchmesse 2016 am Stand des mare Verlags entdeckt habe. Ein wirklich schönes Exemplar in Leinen gebunden und in einem hübschen Schieber. Das macht das Buch natürlich auch preislich intensiver.
Ich lege es Euch trotz des hohen Preises ans Herz, weil es zu einem meiner Lieblingsbücher in diesem Jahr avanciert ist. Vielleicht lasst Ihr es Euch ja auch schenken.

 

Autorenporträt
Jack London wurde 1876 in San Francisco geboren. Mit 15 Jahren kaufte er sich ein Schiff und wurde zum jüngsten Austernpiraten der San Francisco Bay; seither fühlte er sich auf dem Wasser sicher und bezeichnete sich später, als er längst eine Ranch betrieb, als Matrose zu Pferde. Berühmt wurde London durch seine Abenteuerromane Ruf der Wildnis, Wolfsblut und Der Seewolf. Er starb mit nur 40 Jahren am 22. November 1916.

Buchinfo
„Die Reise mit der Snark“ von Jack London, erschienen bei mare
Hardcover: 352 Seiten, € 28,00, ISBN: 978-3-86648-244-9, Leinenband im Schuber

Quellen
Bild/Autorenporträt: www.mare.de / Text (außer Autorenporträt): Susanne

 

6 Gedanken zu “Jack London: Die Reise mit der Snark

  1. Huhu 🙂
    Ich habe mir während dem Lesen deiner tollen Rezension gerade das Hirn zermartert, woher ich den Autoren kenne. Als ich dann beim Autorenportrait angekommen bin, war es mir klar – ich bin ihm und seinem Werk Der Seewolf an der Uni in einer Literaturvorlesung der Anglistik schon begegnet. Ich glaube, er steht sogar auf meiner Leseliste ;D Schön, dass du die Lektüre so genossen hast 🙂

    Liebe Grüße,
    Smarty

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