Das 9. Barcamp Stuttgart

Wie schon erwähnt, war ich am Samstag endlich mal wieder auf dem Barcamp Stuttgart. Für viele ist der Begriff Barcamp vermutlich recht unbekannt. Und wer noch nicht da war, kann sich darunter wohl auch kaum etwas vorstellen. Daher erstmal meine laienhafte Erklärung: Ein Barcamp ist von den Teilnehmern für Teilnehmer. Das heißt, alle die da sind können den Tag selbst gestalten. Jeder hat die Möglichkeit einen 45minütigen Vortrag – auch Session genannt – zu halten, eine Diskussion anzustoßen, sich Hilfe bei einer Frage zu holen. Die Themen reichen von Social Media-Angelegenheiten über Hard- und Software über Imageberatung, Gesundheitsthemen bis hin zu persönlichen Erfahrungen mit Depressionen. Es ist also eigentlich für jeden was dabei.

Das Barcamp Stuttgart dauert immer ein komplettes Wochenende von Freitag bis Sonntag, wobei man sich natürlich auch nur tageweise anmelden kann. Freitag findet für gewöhnlich einfach ein gemütlicher Abend zum Kennenlernen für einen kleinen Kreis statt. Samstag und Sonntag sind ganztägig für die sogenannten Sessions eingeplant.
Am Vormittag gibt es jeweils eine Vorstellungsrunde. Dabei stellen die Teilnehmer sich selbst kurz vor und anschließend gilt das gleiche für die Sessions. Ich selbst war nur am Samstag angemeldet. Die Vorstellungsrunde ab 10 Uhr habe ich mir geschenkt, da ich mich freiwillig für den Empfangsdienst gemeldet habe. Bis es soweit war gab es Frühstück und schon die ersten Gespräche im morgendlichen Sonnenschein.

Lasst mich auch noch all die Sponsoren erwähnen, die dafür gesorgt haben, dass dieses Barcamp wieder stattfinden kann. In dieser tollen Location, mit der Verpflegung und auch all den Mercandise-Artikeln: jweiland, Bartsch Rechtsanwälte, Messe Stuttgart, Wir machen Druck, Breuninger, GLS Bank, … und einige mehr.

Die Sessions

Kurz nach dem Mittag ging es dann in die erste Session-Runde. Die startete 12.15Uhr. Schon hier hatte ich die Qual der Wahl. Ich konnte mich schwer entscheiden zwischen einem Vortrag zum Thema Transgender und dem Angebot meine Schokoladenseite kennenzulernen. Ich entschied mich für letzteres, denn so eine kostenlose Typberatung kriegt man ja sonst nicht.

Die Schokoladenseite

Die Session wurde geführt von Jana Frantal vom Studio Eleganz & Grazie. Sie ist Beraterin in Imagefragen, was das Aussehen und Auftreten angeht. Als ich dazu stieß, waren auch vier andere Teilnehmer da. Gerade wurde das „Urteil“ über einen jungen Mann gefällt. Dann kam ich schon an die Reihe. Was soll ich sagen? Obwohl gewollt und die Aussagen nachvollziehbar sind, fühlte ich mich durchaus vernichtet. Dass ich mein Shirt mit Rundhalsausschnitt gegen eines mit V-Ausschnitt tauschen solle, war da  noch das Geringste. Wegen meiner breiten Hüften dürfte ich nichts in den Hosentaschen haben und ich dürfte auch kein Shirt anziehen, das an den Hüften endet. Entweder kürzer oder Hüfte und Bauch ganz bedeckt. Meine Umhängetasche solle ich entsorgen, weil auch die an der Hüfte endet und noch mehr aufträgt. Ich bräuchte eine Handtasche, die ich so trage, dass sie neben den Beinen hängt. Und sie dürfe auch nicht zu groß sein. Dafür solle ich doch von gedrucktem Buch auf eBooks umsteigen. Am Schlimmsten aber ist für mich die Aussage, dass ich keine Rollkragenpullis tragen darf/soll und auch keine engen Schals. Das macht mich noch kürzer. 😦 Ich liebe liebe liebe Rollkragen und enge Schals, weil ich gern einen warmen Hals habe.

Depression ist mein Einhorn

Nach dem Mittagessen ging es mit Depression und Selbstmord weiter. Der Initiator erzählte von seinem Suizid-Versuch im Jahr 2015 und seiner anschließenden Behandlung. Es ging um die Motive für den Suizid-Versuch, Klinik-Aufenthalte, die medikamentöse Behandlung und den Weg zurück ins Arbeitsleben. Auch die eigentlich ursächliche Angststörung wurde angesprochen. (War ich froh, dass ich erst kürzlich ein Buch über Angststörungen gelesen hatte.) Es haben sich auch andere Betroffene zur Wort gemeldet und berichtet. Aus persönlichen Gründen ist für mich so etwas immer recht interessant, weil ich hoffe, mehr/besser/überhaupt zu verstehen.

Lach-Yoga

Eine klar Fehlentscheidung diese Session. Da hier der Initiator der Session und der Leiter nicht ein und dieselbe Person sind, konnte sich der Leiter auch nicht vorbereiten. Allerdings würde das mein Urteil nicht beeinflussen. Versteht mich nicht falsch: Ich mache ein bisschen Yoga und ich lache unheimlich gern. Und oft genug mache ich auch beides zusammen, wenn ich eine Figur partout nicht hinkriege. Aber dieses Lach-Yoga ist mir zu gezwungen und gekünstelt. Dass ich mitgelacht habe, lag eher am Gruppenzwang und einem gewissen Galgenhumor oder auch Verzweiflung. Ich bleibe lieber bei meiner Version.

Abnehmen ist gar nicht so schwer

Wie wahr! Ich hatte überlegt selbst eine Session zum Thema Abnehmen oder Lebensumstellung zu veranstalten. Aber ich dachte mir, was soll ich den Leuten schon groß erzählen. Aber es war schön, sich hier ein wenig auszutauschen. Die Initiatorin ist seit sieben Monaten dabei und hat ein wenig von ihrem Weg berichtet. Dann habe ich von mir erzählt. Anschließend gab es noch drei weitere Leute, die ebenfalls über ihre Abnehm-Karriere sprachen. Es folgte auch ein reger Austausch über die verschiedenen Ernährungsumstellungen und Bewegungsfragen. Da hätte ich gern länger diskutiert, aber diese 45Minuten gingen schnell rum.

Berührungsdefizit

Das ist doch ein Thema für mich. Wenn ich eines habe, dann ein Berührungsdefizit. Bei dieser Session geht es um Veranstaltungen, die dem abhelfen sollen: sogenannte Kuschelabende. Ich kenne das bereits, da diese Kuschelpartys schon vor vielen Jahren mal Thema unseres Amüsements waren.

Der Session-Initiator beschreibt ziemlich detailiert, wie so ein Kuschelabend abläuft. Da rennt man nicht einfach auf einander zu mit einem Bier/Wein in der Hand und drängelt sich an den anderen ran. Das ist alles geregelt. Es ist durchaus interessant das mal zu hören. Wirklich neu und spannend war es nicht. Und ein Berührungsdefizit hab ich immer noch.

Konzentration und Entspannen mit buntem Obst

Nach dem Abendessen hat mich keine der angebotenen Sessions wirklich interessiert. Mehr aus  Langeweile, denn aus Neugier, habe ich mich daher in diese Veranstaltung gesetzt. Ich hatte gehofft, es wird wenigstens irgendwie witzig. Bedauerlicherweise nicht. Vielmehr hat der Initiator reichlich ruhig, um nicht zu sagen schnarchnasig über Autosuggestion erzählt. Es waren auch irgendwie alle ganz interessiert bei der Sache. Nach 15 Minuten habe ich mir einfach mein Bier geschnappt und habe mich verdrückt. Erfreulicherweise stand meine Bekanntschaft vom frühen Morgen ebenfalls mit einem Bier bewaffnet draußen und bot eine Unterhaltungsmöglichkeit.

Auch die letzte Session des Tages habe ich quatschend mit ein paar Leuten auf dem Hof verbracht. Obwohl mich das Thema „Entspannt über Sex reden“ gereizt hat, war mir der persönliche Kontakt außerhalb einer Sitzung doch irgendwie angenehmer.

Reichlich müde habe ich am Abend den Heimweg angetreten. Mein Fazit ist ein positives. Nicht jede der besuchten Sessions war tatsächlich mein Fall, aber man ist ja auch nur begrenzt aufnahmefähig an einem Tag. Insofern freue ich mich schon auf das nächste Barcamp Stuttgart. Leider erst in einem Jahr.

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