Sasha Abramsky: Das Haus der zwanzigtausend Bücher

Chimen Abramsky lebt mit seiner Frau Miriam in einem Haus voller Bücher, hier immer nur Hillway genannt. Jedes Zimmer beherbergt eine riesige Auswahl an teilweise einzigartigen Bänden. Sasha Abramsky, Chimens Enkel, nimmt den Leser mit und zeigt ihm „Das Haus der zwanzigtausend Bücher“ und alle denen man dort begegnen konnte.

Das Haus der 20.000 BücherChimen Abramsky wird in Russland geboren. Sein Vater ist ein hoch angesehener Rabbi. Nach dessen Aufenthalt in einem Arbeitslager wandert ein Teil der Familie nach Großbritannien, London aus.
Trotz (oder gerade wegen) des starken religiösen Hintergrundes in seiner Familie wendet sich Chimen vom Glauben ab. Er findet sein Heil in den Schriften von Karl Marx und ist jahrzehntelang ein glühender Kommunist. Dank seiner Arbeit bei und mit einem Buchhändler erlernt er die Suche und den Ankauf von besonderen und seltenen Büchern. Dies wird fortan sein Leben bestimmen.
Mit seiner Frau Miriam, ebenfalls Kommunistin, bezieht er das Haus im Hillway 6. Dort halten mit der Zeit mehr und mehr Bücher Einzug. Vorrangig kommunistische und sozialistische Literatur. Chimen macht sich einen Namen als Besitzer ganz spezieller Exemplare und hält bald regelrecht Hof in seinen 4 Wänden. Aber nicht jeder ist willkommen. Beinahe nur Gleichgesinnte und Menschen, die er für würdig erachtet, dürfen seine Gesellschaft genießen und an seinem Wissen sowie seiner Büchersammlung teilhaben.
Als er sich vom Kommunismus abwendet, sammelt er verstärkt religiöse Bücher, sogenannte Judaica. Zurück zum Judentum kehrt er jedoch nicht. Viele Weggefährten bleiben nun aus, denn die ehemaligen Parteimitglieder schneiden ihn und auch Chimen selbst möchte damit nichts mehr zu tun haben. Sie werden ersetzt durch neue Menschen, neue Generationen der Familie Abramsky, neue Freunde.
Erst spät im Leben erfährt Chimen die Ehre die ihm, seiner Meinung nach, schon lange zusteht: Ihm wird der Professorentitel verliehen. Er hält Vorlesungen an der Universität und reist auch um die Welt um Vorträge zu halten. Im Rentenalter reist er mehr als je zuvor und führt einen regen Schriftverkehr mit den verschiedensten Menschen.
Als er an Parkinson erkrankt muss er kürzer treten. Auch Krankheit und Tod seiner Frau Miriam machen das Leben im Hillway schwerer und einsamer. Am Ende – beinahe Taub und damit von der Außenwelt abgeschnitten – sind seine Bücher sein einziger Trost.

Zähe, vollgestopfte Familiengeschichte

Puh, endlich geschafft. Man sollte nicht denken, dass ich über ein Buch mit dem tollen Titel „Das Haus der zwanzigtausend Bücher“ so etwas sagen würde. Aber ich bin tatsächlich erleichtert, nach ganzen 2 Wochen (!) die Lektüre der 376 Seiten abgeschlossen zu haben.
Es ist ein echt massives Buch. Vollgestopft mit Namen und Religion und Politik und Zeitgeschichte. Mich hat es schlicht überfordert.
Meine Vorstellung von einem Haus voller Bücher ist eine ganz andere als die von Chimen Abramsky, um den es hier geht. Er liest eben keine Belletristik so wie ich, sondern umgibt sich mit fundamentalen politischen (hauptsächlich kommunistischen) und religiösen (hauptsächlich jüdischen) Werken. Da kann ich definitiv nicht mitreden.
Ich fand es außerdem sehr schwer zu lesen, wegen der vielen langen und verschachtelten Sätze. Statt zwei oder gar 3 Sätze zu schreiben, stopft Sasha Abramsky so viele Informationen wie möglich in einen Satz. Die Verwendung von Gedankenstrichen, die ich als ein Ausnahmemittel verwende, findet beim Autor permanente Anwendung. Die so geschaffenen zeilenlangen Mittelsätze, machen das Lesen nicht einfacher.
Zudem wird wie schon erwähnt mit Namen nur so um einander geworfen. Wenn auch unzählige Menschen ein und aus gingen im Haus der Bücher, so bleibt die Frage, wer tatsächlich genannt werden muss. Allein die Familie ist ja schon ziemlich groß. Dann noch so viele Besucher zu berücksichtigen und aufzuzählen ist in meinen Augen nur dann interessant, wenn einem diese Namen auch ein Begriff sind. Das trifft bei mir nicht zu.
Alles in allem gestaltete sich die Lektüre für mich äußerst zäh. So sehr ich mich auf das Buch gefreut habe, so enttäuscht bin ich jetzt. Bei all den geschilderten Ereignissen, wer wann das Haus der Bücher besuchte, wer wem wann was schrieb, wann was gekocht wurde etc. hatte ich so gut wie gar keine Bilder im Kopf. Und Kopfkino gehört einfach zu einem guten Buch dazu wie wir spätestens seit der Montagsfrage vom 18.04.2016 wissen.
Das Buch ist so überladen wie das Haus der Bücher es war. Ich finde dies sehr schade, denn hey, es ist ein Haus voller Bücher! Teilweise einzigartige und ganz besondere Exemplare, gesammelt aus einer Leidenschaft und Überzeugung heraus. Und es geht um eine Familiengeschichte, die Geschichte eines Mannes der keine besondere Ausbildung hatte und trotzdem eine Koryphäe war.
Bei all der Arbeit die in dem Buch steckt, hoffe und wünsche ich, dass es anderen Lesern mehr Freude bereitet und für sie interessanter ist als mich.

 

Autorenporträt
Sasha Abramsky, geboren 1972 in England, wuchs in London auf und studierte Politik, Philosophie und Wirtschaftswissenschaften in Oxford. Anschließend nahm er an der New Yorker Columbia University Graduate School of Journalism ein Journalistik-Studium auf. Er arbeitet als freier Journalist und Autor. Seine Artikel erscheinen im ›Guardian‹, ›Observer‹, ›Independent‹ und ›Sunday Telegraph‹ ebenso wie im ›New Yorker‹ online. Sein jüngstes Buch, ›The American Way of Poverty: How the Other Half Still Lives‹ wurde von der ›New York Times‹ in die Liste der hundert wichtigsten Bücher des Jahres 2013 aufgenommen. Sasha Abramsky lebt mit seiner Familie in Kalifornien.

Buchinfo
„Das Haus der zwanzigtausend Bücher“ von Sasha Abramsky erschienen im Oktober 2015 bei dtv
Hardcover: 408 Seiten, € 22,90, ISBN 978-3-423-28062-4
eBook: 384 Seiten, € 19,99, ISBN 978-3-423-42868-2

Quellen
Bild+Autorenporträt: www.dtv.de / Text (außer Autorenporträt): Susanne

 

Wenn Ihr das Buch gelesen habt, schreibt mir doch wie es Euch gefallen hat. Ich freue mich auf Eure Meinungen.

3 Gedanken zu “Sasha Abramsky: Das Haus der zwanzigtausend Bücher

  1. Pingback: MoFra: Enttäuschendes Buch? | Wortgestalten

  2. Es ist eigentlich nichts Ehrenrühriges dabei, wenn man sich mal von einem Buch überfordert fühlt! David Foster Wallace brachte mich vor kurzer Zeit zu einem ähnlichen Gefühl. Aber das Buch hier, das interessiert mich irgendwie – vielleicht aber auch nur, weil ich selbst exzessiv Gedankenstriche benutze. 😉

    Gefällt 1 Person

    • Hi Fraggle99,
      danke für das Feedback.
      Ich find es nicht wild, wenn mich mal ein Buch überfordert. Das kommt bei der Lektüremenge halt mal vor.
      Falls Du das Buch tatsächlich liest, würde mich interessieren, wie Du es findest. Gib mir doch dann Bescheid. 🙂

      Viele Grüße
      Sanne

      Gefällt 1 Person

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