MoFra: Machen Lesespuren ein Buch wertvoller?

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So. Wieder ein total faules und entspanntes Wochenende rum. Zeit für die Montagsfrage, die allwöchentlich von Svenja aka Buchfresserchen gestellt wird. Dieses Mal hat sie sich wieder Unterstützung geholt und stellt eine Frage von Shaakai von Bibliophiline

Die beiden möchten wissen, ob Lesespuren im Buch (Annotationen, Unterstreichungen, Besitzvermerke) ein Buch für mich wertvoller machen oder den Wert mindern?

Ganz ehrlich: ich habe erstmal recherchieren müssen, was Annotation heißt. Bitte Hände hoch, wer noch, damit ich mir nicht allzu dämlich vorkommen.

Also ich unterscheide unter absichtlichen und unabsichtlichen Lesespuren. Grundsätzlich will ich meine Bücher so haben wie ich sie auch kaufe: jungfräulich ohne Anmerkungen, Unterstreichungen oder Eselsohren. Das heißt im Verlauf der Lektüre schreibe ich nichts in das Buch rein, markiere nichts dauerhaft und knicke keine Seiten um. Wenn ich mir etwas kennzeichnen will im Buch, dann mache ich das mit einem Post-It. Dort schreibe ich dann ggf. auch was drauf. Das kommt aber so gut wie nie vor.
Deswegen tragen meine Bücher aber trotzdem Lesespuren davon: diverse Knicke im Einband (vor allem Taschenbücher), oder schmutzige Fingerabdrücke (weil ich auch beim Essen lese), Regentropfen, weil ich mich nicht schnell genug unterstellen konnte oder Tränenspuren und, klar, auch mal umgeknickte Seiten, weil ich das Buch nicht sorgfältig genug in der Tasche verstaut habe.

Diese Art von Lesespuren finde ich irgendwie natürlicher und charmanter als wenn jemand Sachen in das Buch reinschreibt. Wertvoll bzw. wertvollER wird das Buch für mich aber erst, wenn es wirklich richtig abgenutzt aussieht, vom vielen Lesen. Dann steigt halt einfach der ideelle Wert.

Ich gebe aber zu, dass alte, evtl. vergriffene Bücher mit Bemerkungen ebenfalls ihren Charme haben (können) und wertvoller werden. Ein Buch auf dem Dachboden zu finden. Der dunkelbraune Ledereinband staubig und abgegriffen, ein wenig brüchig. Auf der Vorderseite ein Wasserfleck, direkt unter dem in goldenen Lettern gedruckten Titel. Auf der Innenseite des Einbandes steht der Name der ehemaligen Besitzerin. Vielleicht eine Urgroßmutter oder eine entfernte Verwandte über die in der Familie nicht gesprochen wird. Lediglich geflüsterte Geschichten hinter vorgehaltener Hand. Die Seiten sind gelblich und spröde. Man traut sich kaum sie anzufassen. Und doch blättert man um, findet auf der nächsten Seite die Widmung. Offenbar mit Tinte geschrieben. Sie ist schon etwas verblasst, die steilen Buchstaben in altdeutscher Schrift wirken spinnenartig. Die Initialen in der Unterschrift sind aber noch deutlich. Man hält sich das Buch näher an die Augen, um die Widmung zu lesen, atmet den Geruch von altem Leder und Papier. Noch während man die sehr persönliche Botschaft entziffert fällt etwas zu Boden. Ein gefaltetes Stück Papier, das zwischen den Seiten steckte. …

Ja, es ist irgendwie auch schön, wenn ein Buch über die eigentliche Geschichte hinaus, noch eine weitere von ihrem Besitzer erzählt. Das macht es in meinen Augen tatsächlich irgendwie wertvoller. Ich fange deswegen aber trotzdem nicht an, in meinen Büchern herumzukritzeln und die Seiten zu verknicken.

Wie ist das bei Euch? Welche Lesespuren hinterlasst Ihr? Und ab wann wird ein Buch für Euch wertvoll?

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