Henning Mankell: Erinnerung an einen schmutzigen Engel

Die junge Schwedin Hannah strandet an der afrikanischen Süd-Ost-Küste. Mit der hochnäsigen hellhäutigen Gesellschaft kann sie sich nicht identifizieren. Und obwohl Hannah sich eher den dunkelhäutigen Einwohnern zugehörig fühlt, ist sie auch dort nicht angesehen. Ihr Versuch die Rassenschranken zu zerschlagen bleibt erfolglos.

Erinnerung an einen schmutzigen EngelIn ihrer Heimat Schweden gibt es nichts für Hannah. Ihre Familie ist arm und lebt abseits jeglicher Zivilisation. Nach dem Tod des Vaters schickt ihre Mutter das junge Mädchen mit einem Händler in die Stadt zu Verwandten. Dort soll Hannah arbeiten und es besser haben. Doch die Verwandten gibt es nicht. Der Händler gibt ihr vorübergehend eine Anstellung und ein Dach über dem Kopf. Bis er beschließt Hannah auf einem seiner Schiffe einzusetzen. Als Köchin soll sie mit der Mannschaft nach Australien fahren.
An Bord findet Hannah ihre erste Liebe und heiratet kurz darauf. Doch nur einen Monat später ist sie Witwe. In einer Hafenstadt in portugiesisch-ostafrika an der Süd-Ost-Küste Afrikas desertiert sie vom Schiff und flüchtet vor den Schatten des Witwentums. Sie quartiert sich in einem kleinen Hotel ein.
Rasch erkennt das unbedarfte Mädchen, dass es sich eigentlich um ein Bordell handelt. Doch die anwesenden Frauen sind freundlich und eine schwere Krankheit nimmt ihr zunächst die Entscheidung ab ob sie gehen soll und wohin. Hannah ist ans Bett gefesselt. Der Bordellbesitzer bemüht sich um die fremde Frau in seinem Etablissement und engagiert sogar eine Krankenschwester.
Nur langsam geht ihre Genesung vonstatten. Durch die Krankenschwester sowie ihren Beschützer und die kurze Ausflüge ins Freie, bekommt Hannah bald einen Eindruck von dem Land in dem sie gelandet ist. Sie erkennt die unterdrückte dunkelhäutige Bevölkerung, die schon immer hier lebte. Und mit Befremden sieht sie die Weißen, die sich so völlig ohne Grund überlegen fühlen und verächtlich auf alle anderen herab blicken.
Hannah versteht diese Welt nicht. Mit der hochnäsigen hellhäutigen Gesellschaft kann sie sich nicht identifizieren. Sie fühlt sich eher der unterdrückten und armen Bevölkerung zugehörig, doch ihre Hautfarbe lässt eine Annäherung nicht zu. Und trotzdem möchte Hannah etwas verändern. Auch wenn sie nicht weiß wie.

Entführt in eine andere Welt

Keine Ahnung warum, aber bisher habe ich Henning Mankell eher gemieden, weil ich die Lektüre als extrem schwere Kost angesehen habe. Nicht unbedingt vom Thema sondern vom Schreibstil her. Aus welchem Grund ich das glaubte, kann ich noch nicht mal mehr sagen.
Wichtiger ist aber wohl auch, dass mich „Erinnerungen an einen schmutzigen Engel“ eines besseren belehrt hat. Der Schreibstil war klar und ohne große Verklausulierungen. Das Thema schön gewählt und interessant. Die Geschichte um die junge Hannah und ihre vielen Erlebnisse innerhalb einer so kurzen Zeit, hat mir gut gefallen. Das Buch war spannend und kurzweilig.
Ganz besonders sympathisch weil so real fand ich die Protagonistin, da sie so unsicher war. Im Gegensatz zu anderen Romanheldinnen, ist Hannah nicht besonders zupackend. Sie agiert nicht in wildem Aktionismus in einer ihr völlig fremden Welt. Aber sie ist eben auch nicht völlig untätig.
Das Buch ist sicherlich nicht das Beste, das ich je gelesen habe und es hat mich auch nicht schwer beeindruckt. Die Story ist gut, es ist unterhaltsam und entführt den geneigten Leser in eine andere Welt. Eine solide Lektüre also, die ich durchaus empfehlen kann.

Autorenporträt
Henning Mankell geboren 1948 in Härjedalen, ist einer der angesehensten und meistgelesenen schwedischen Schriftsteller, vor allem bekannt durch seine Wallander-Krimis. Er lebt als Theaterregisseur und Autor abwechselnd in Schweden und in Maputo/Mosambik. Seine Taschenbücher erscheinen bei dtv.
Mehr Infos unter: www.mankell.de

Buchinfo
„Erinnerung an einen schmutzigen Engel“ von Henning Mankell, erscheinen August 2014 bei dtv
Taschenbuch: 352 Seiten, € 9,95, ISBN 978-3-423-21525-1

Quellen
Bild: www.dtv.de / Text (außer Autorenporträt): Susanne

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