Scheisse! Urlaub!

Es ist ja nicht so, als freute ich mich nicht auf gute zwei Wochen Freizeit und darauf andere Länder und Sitten kennen zu lernen. Und es ist ja auch nicht so als würde der Urlaub bedrohlich näher kommen. Aber eigentlich doch. Ziemlich bedrohlich. Scheisse bedrohlich.
Muss es denn wirklich Schottland auf eigene Faust sein? So mit Mietwagen selber fahren und ohne vorgeplante Schlafmöglichkeit, einfach pennen wo man grad müde wird, essen was man findet (oder überfährt) und voraussichtlich keinen verstehen – wenn man überhaupt in den Highlands jemandem begegnet?
Was ist denn gegen eine schöne pauschale, von anderen organisierte All-Inclusive-Reise einzuwenden? Man weiß wo das Bett steht, muss sich keine Gedanken um den morgendlichen Kaffee machen oder überhaupt eine Duschmöglichkeit. Im Falle einer Rundreise würde man im Bus durch die Gegend geschaukelt und bekäme sämtliche Sehenswürdigkeiten auf dem Tablett egal welcher Farbe serviert. Und die Reiseleitung wäre höchstwahrscheinlich deutsch, so dass ich kein Wörterbuch konsultieren bräuchte. Man müsste nicht auf Englisch radebrechen „Hello. I need a room this night.“ Wenn dann was schief läuft, kann ich mich bei anderen beschweren, weil die sind dann Schuld.
Aber so?!
Flüge selber gebucht, immerhin auch die Übernachtung in London vorab gebucht und den Mietwagen selber gebucht.
Überhaupt – Flüge! Schon zwei Flüge bis zum Zielort! Dass ich mir das mit meinen Startschwierigkeiten überhaupt einbrocke. Dann sitz ich beim Abheben wieder da wie ein verkappter Darth Vader, schnaufe und hyperventiliere vor mich hin und mache die Stewardessen ganz unruhig. Und das alles für gerade mal eine Stunde Flugzeit.
Und London! Ob ich vom Flughafen überhaupt bis in die City zu meinem Zimmer komme? Mitten in der Stadt. Noch nicht mal ein echtes Hotel! Es musste ja ganz stylish und billig ein Wohnheim im College sein. Blöde Kuh! Wahrscheinlich verlaufe ich mich auf dem Gelände und finde keinen, der mir meinen Zimmerschlüssel gibt? Oder ich finde das Zimmer nicht. Wo ich auch noch so spät ankomme! Was wenn ich die falsche Bahn nehme? Und was kann ich mir in der kurzen Zeit in London überhaupt alles angucken? Wird es die ganze Zeit schiffen? Wird mit Prinz Harry seinen nackten Hintern zeigen? Wird mir vom Essen schlecht werden? Werde ich rechtzeitig wieder am Flughafen sein für den Weiterflug?
Und dann der Mietwagen! Bin ich eigentlich bescheuert? Die haben doch da auch eine Eisenbahn! Warum muss ich denn selber fahren?! Ich könnte doch auch einfach in Edinburgh bleiben – soll eine tolle Stadt sein. Oder ich könnte auf einem Schaf reiten – querfeldein. Dem Schaf ist die Straßenseite egal.
Ist meine Online-Buchung beim Autovermieter auch wirklich dort angekommen? Haben die tatsächlich ein Auto für mich? Wie sieht es aus? Innen meine ich. Ist die Schaltung wie bei uns oder ist die umgedreht? Und was ist mit Kupplung, Bremse und Gas? Werde ich mit links während der Fahrt das Radio bedienen können? Wieso kann man links-fahren eigentlich nirgends üben? Werde ich überhaupt richtig fahren? Vielleicht tucker ich da vom Hof und Zack… schon hab ich einen Unfall gebaut. Was hab ich mir eigentlich gedacht? Die fahren da alle links! LINKS! Wie schnell kriegt man das als gelernter Rechtsfahrer gebacken? Wie oft – und das dürfte noch das harmloseste sein – werde ich auf der falschen Seite einsteigen wollen?
Vielleicht sollte ich mich erst mal eine halbe Stunde an die Straße stellen und den Verkehr beobachten, um mich an dieses Linksgedöns zu gewöhnen. Ich sollte eventuell doch das Schaf in Erwägung ziehen. Notfallplan quasi.
Was ich mir auch alles angucken will. Reicht da die Zeit eigentlich? Steht viel zu viel auf meiner Liste? Oder werde ich das alles schon nach vier Tagen abgefahren haben und dann ist mir langweilig? Möglicherweise hängen mir Natur und Berge und Wasser und so schon nach ein paar Tagen zum Hals raus. Erst recht wenn es die ganze Zeit regnet.
Wieso fahre ich eigentlich nochmal alleine dahin? Ich kann niemanden zum Fahren abkommandieren. Und ich kann niemanden vollnölen, wenn was scheisse läuft. Ich kann auch niemanden mit meiner Begeisterung anöden und keine Verantwortung abwälzen. Alles muss ich dann alleine machen. 11 Tage alleine in einem Auto unterwegs. Meine akute Panikattacke macht mir klar, dass ich einen ziemlichen Vogel habe. Wie bin ich denn auf diese bescheuerte Idee gekommen? Ich kann nicht so viele Sachen mitnehmen, weil mein Gepäckgewicht beschränkt ist. Aber ich muss ja ganz viel mitschleppen wie Handtücher und lange Hosen und Wanderschuhe und Pulli und Rucksack und … na soooo viel halt. Und ich brauche noch einen weiteren Akku für meine Digicam, weil ich die ja wahrscheinlich nicht jeden Tag aufladen kann. Und mein Handy auch nicht. Brauch ich da eigentlich einen Adapter für die Steckdose? Und es wird doch soooooo viel zu sehen und zu fotografieren geben. Ich wird bekloppt! Ahhhh…
Ich bin so aufgeregt. Und ich freu mich. Und ich hab so Schiss. Und es geht doch erst in 4 Wochen los! Bis dahin bin ich reif für die Klapse.

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