Simon Jacob: Peacemaker

Beim Vortrag „Peacemaker – Mein Krieg. Mein Friede. Unsere Zukunft“ von und mit Simon Jacob habe ich es mir natürlich nicht nehmen lassen, das entsprechende Buch auch zu kaufen. Nun habe ich es auch gelesen und bin zumindest ein bisschen schlauer.

„Und so traf ich sie. Eine Mutter, eine alte Frau. Das Gesicht voller Falten. Die Haare ergraut. Der Gang gebeugt. Und die Augen. Diese Augen. Voller Traurigkeit. Müde vom Leid. Ertränkt in Tränen der Bitterkeit und zum Verdursten verdammt, weil sie des Weinens überdrüssig waren.“ (Zitat Seite 55)

_Mein Krieg Mein FriedeSimon Jacob, geboren in der Türkei, aufgewachsen in Deutschland, beschäftigt sich mit den Konflikten im Nahen und Mittleren Osten. Viele Jahre ist er in die Krisen- und Kriegsgebiete gereist: Türkei, Iran, Irak, Syrien … Seine Abstammung macht es ihm möglich mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Nicht nur mit denen auf der Straße, sondern auch mit Anführern, mit Rebellen, mit Kämpfern, Verfolgten.
Das Geflecht um Clanherrschaften, Religiösen Eifer, Vertreibung und Vernichtung Anders-Denkender, Profit-Gier und Besitz von Ressourcen ist scheinbar unentwirrbar. So viele Gruppen die sich in den umkämpften Gebieten gegeneinander stellen, immer wieder auch die Seiten wechseln. Die mal vom Westen unterstützt werden und dann wieder verteufelt.
In allen Gebieten aber trifft Simon Jacob Menschen, die nur einen Wunsch haben: in Frieden leben. Sie leiden unter den Auseinandersetzungen und Anfeindungen. Wollen ihr Leben in Ruhe leben, ihre Religion ausüben, sich bilden, vielleicht sogar ihren Glauben modernisieren.
Dank der digitalen Revolution, der aktuellen technischen Möglichkeiten aber erfährt gerade der allseits bekannte ISIS große Aufmerksamkeit. Mit dem Blick in die Vergangenheit auf die starre und unversöhnliche Auslegung der religiösen Schrift, nutzt das Terrornetzwerk ausgerechnet die moderne Technik, um neue Mitglieder anzuwerben.
Die Prognose von Simon Jacob: Es kann Frieden geben in den Krisen- und Kriegsgebieten – doch bis es soweit ist, vergehen noch viele Jahre.

Ein bisschen schlauer

Man möge mir verzeihen, wenn ich dieses Mal nicht mit den üblichen Attributen wie „spannend“, „interessant“ oder „emotional“ ankomme. Ich muss das hier anders angehen.
Ich muss es leider wiederholen: Ich habe keine Ahnung von Politik. Und von Religion auch nicht. Obwohl mich das Thema Glaube mehr interessiert als die Politik. Das Buch war für mich daher schwer zu lesen. Nicht zuletzt auch wegen der persönlichen Erfahrungen die Simon Jacob schildert.
Obwohl ich nicht viel – vermutlich nur einen sehr geringen Teil – verstanden habe von der Lektüre, so weiß ich nun immerhin, dass es nicht einfach nur um Gut gegen Böse geht. Es wäre nicht damit getan beispielsweise, wenn plötzlich ISIS von heute auf morgen verschwinden würde. Radikale Gruppierungen gibt es viele. Zumal in vielen Fällen nicht mal eindeutig klar ist, wer nun zu den „Guten“ oder den „Bösen“ gehört. Und das Eingreifen Außenstehender ist nur dann sinnvoll, wenn man in den jeweiligen Ländern die Geschichte, die Religion und auch die vorherrschende Clanstruktur versteht und berücksichtigt. Einfach alles umkrempeln und so wie „im Westen“ machen, das funktioniert nicht. Nicht in diesem Fall.
Ich habe ein bisschen gelernt über den Aufbau der Gesellschaft im Mittleren Osten, der mir so fremd ist. Simon Jacob lobt da auch nichts in den Himmel, sondern erklärt einfach. Berichtet von einfachen Menschen, teilt Erfahrungen und Begegnungen.
Was mir – auch schon im Vortrag – auffiel und mich ärgerte, war die Sache mit der Menschlichkeit. Das ist ein großes Thema für den Autor und natürlich ist es wichtig. Aber Simon Jacob schreibt über die Menschlichkeit nur im Zusammenhang mit dem Glauben. Was mir vermittelt, Menschlichkeit sei nur möglich, wenn man an etwas glaubt. Das wiederrum spricht mir als jemandem, der an nichts glaubt, Menschlichkeit ab. Mag für viele weit her geholt sein, aber ich empfinde das so und es gefällt mir nicht, weil es nicht stimmt.
Unabhängig davon wie man zur Politik steht und zur Religion und wie schwer das Buch teilweise zu lesen ist, wünsche ich mir, dass es viele Leser findet. Und wenn es nur ein bisschen Verständnis für andere Kulturen, für Anders-Denkende oder Anders-Gläubige schafft. Und wenn man nach der Lektüre ein bisschen kritischer mit den Sozialen Medien und der Berichterstattung allgemein umgeht, dann ist das doch schon was.

Mehr Bücher und Bericht aus Krisengebieten:

Ronja von Wurmb-Seibel: Ausgerechnet Kabul
Gregor Weber: Krieg ist nur vorne Scheisse, hinten geht´s
Lynsey Addario: Jeder Moment ist Ewigkeit

 

Autorenporträt
Simon Jacob, geb. 1978, ist für das Projekt Peacemaker durch den Nahen Osten gereist, auf der Suche nach Frieden. Er war in der Türkei genauso wie in Armenien, in Iran wie im Libanon, aber eben auch lange im Irak und Syrien. Die Gegend kennt er schon lange, weil er zwar Deutscher ist, aber aus einem Clan im Tur Abdin stammt, der beste Vernetzungen im Irak und in Syrien hat. Er ist außerdem Vorsitzender des Zentralrates Orientalischer Christen in Deutschland.
https://simonjacob.info/

Buchinfo
„Peacemaker – Mein Krieg. Mein Friede. Unsere Zukunft“ von Simon Jacob, erschienen bei Herder
Taschenbuch/Klappenbroschur: € 20,00, 224 Seiten, ISBN: 978-3-451-37904-8
eBook: € 13,99, 224 Seiten, ISBN: 978-3-451-81272-9

Quellen
Bild + Autorenporträt: www.herder.de / Text (außer Autorenporträt): Susanne

 

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