Anja Jonuleit: Das Nachtfräuleinspiel

Anfangs ist Liane ein eher verhuschtes Mädchen vom Lande. Erst als sie dem Dunstkreis ihrer Eltern und der Heimat entkommt, entwickelt sie sich zu einer starken Frau. Eigentlich auch erst als sie ihn sieht: Carl. Die Liebe ihres Lebens, vom ersten Moment an. Um ihn zu erobern und zu halten, wächst Liane über sich hinaus und erschafft die perfekte glückliche Familie.

_Das Nachtfräuleinspiel2017: Es gibt kaum etwas, dass Liane nicht hinbekommen hat in ihrem Leben: Sie führt eine glückliche Ehe mit dem Mann ihrer Träume, hat fünf Kinder groß gezogen, sich in der Gemeinschaft engagiert, hat erfolgreich als Psychotherapeuthin gearbeitet und hat sogar eine eigene Fernsehsendung zum Thema Erziehung.
Aber nun, im Rentenalter bekommt ihre heile Welt einige Risse. Ihre Kinder erhalten anonyme Briefe, die auf Lianes Vergangenheit anspielen. Jemand verschafft sich Zutritt zu ihrem Haus und zu ihren Praxisräumen. Immer wieder Anrufe bei denen sich niemand meldet. Dazu eine missglückte Präsentation zum Thema Erziehung.
Liane, die gestandene Frau, weiß nicht wo ihr der Kopf steht. Die Ereignisse lassen sie immer wieder an die Vergangenheit denken, wühlen unliebsame Erinnerungen auf. Es gibt keinen mit dem sie reden kann. Und wer ist das überhaupt, der da so viel über ihr Leben weiß und sie damit ruinieren will?

Packend und interessant wie immer

Ein neues Buch aus der Feder von Anja Jonuleit. Schon seit einigen Jahren bin ich begeisterte Leserin ihrer Romane. Weil sie einfach so packend sind, interessant und man auf jeder Seite die Hingabe der Autorin spürt. Das ist bei „Das Nachtfräuleinspiel“ nicht anders.
Im Buch gibt es drei Erzählstränge: Lianes Gegenwart von 2017, Lianes Geschichte seit Ende der 60er Jahre sowie die Geschichte von Annamaria in den Jahren 1986/87. Diese drei Fäden sind gekonnt miteinander verknüpft und ergänzen sich gegenseitig. Durch Annamarias Sicht erhält der Leser noch einmal zusätzlich einen Blick von außen auf Liane, die scheinbar alles so perfekt hinbekommt.
Mir gefällt an Jonuleits Geschichten besonders, dass sie immer ein für mich sehr interessantes Thema bereithalten. In diesem Falle war das die von Liane praktizierte Festhaltetherapie. Eine – um es vorsichtig auszudrücken – sehr umstrittene therapeutische Behandlung von Bindungsstörungen vornehmlich bei Kindern. Die Autorin gibt in ihrem Nachwort einige Informationen dazu. Aber auch im Internet findet man recht gut Informationen und auch Videos, die nichts für schwache Nerven sind.
Ich habe das Buch verschlungen und mochte es gar nicht aus der Hand legen. Wobei ich gestehe, dass mir der Schluss nicht gefallen hat. Ich hätte gern ein anderes Ende gehabt.
Dennoch empfehle ich das Buch sehr gern weiter. Bei Anja Jonuleit kann man meiner Meinung nichts falsch machen.

Mehr Bücher von Anja Jonuleit:

Herbstvergessene
Der Apfelsammler
Rabenfrauen

 

Autorenporträt
Anja Jonuleit wurde in Bonn geboren, lebte einige Jahre im Ausland und studierte Italienisch und Englisch. Sie arbeitete als Übersetzerin und Dolmetscherin, bis sie anfing, Romane und Geschichten zu schreiben. Sie lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Friedrichshafen.

Buchinfo
„Das Nachtfräuleinspiel“ von Anja Jonuleit, erschienen bei dtv premium
Taschenbuch: 496 Seiten, € 15,90, ISBN 978-3-423-26199-9
eBook: 304 Seiten, € 13,99, ISBN 978-3-423-43388-4

Quellen
Bild / Autorenporträt: www.dtv.de / Text (außer Autorenporträt): Susanne

 

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