Benjamin Cors: Küstenstrich

Ein Adliger in Deauville erhält Morddrohungen. Sehr konkrete sogar. Als Personenschützer wird ihm Nicolas Guerlain empfohlen. Dieser ist im Moment von seinen Regierungsdiensten entbunden, um mit seinen privaten Problemen abzuschließen. Daher scheint dieser private Auftrag wie gemacht für ihn. Und Deauville ist ja ohnehin seine Heimat. Ähnlich unenthusiastisch wie schon vor einem halben Jahr, macht Nicolas sich auf zu seinem neuen Auftraggeber.

Lieblingssätze: „Wie ein blasses Tuch aus schwerem Leinen legte sich der Himmel über die Mündung der Seine, und von hier oben ausbetrachtet schien es, als würde sich das Süßwasser des Flusses ohne Widerstand dem tödlich kalten und salzigen Wasser des Ärmelkanals hingeben. … Eine Möwe zog einige Meter über seinem Kopf ihre Kreise und begleitete das Sterben des Flusses mit ihrem heiseren Krächzen.“ (Zitat Seite 115/116)

_KüstenstrichAristide de Tancarville erhält Morddrohungen. Sehr konkrete sogar. Sie kleben alle am Eingangstor zu seinem Anwesen in Deauville. Das ist ärgerlich, wenn der Comte de Tancarville sie auch nicht wirklich ernst nimmt. Dennoch nimmt er das Angebot seines Freundes Faure an, ihm den Personenschützer Nicolas Guerlain zu senden.
Nicolas ist noch immer in Ungnade gefallen bei Minister Faure und dem Regierungsdienst, für den er arbeitet. Seit einem missglückten Auftrag vor einem halben Jahr ist er freigestellt und muss sich einer therapeutischen Behandlung unterziehen. Er soll endlich seine privaten Probleme lösen, die ihn immer wieder von der Arbeit ablenken. Für einen Personenschützer ein unhaltbarer Zustand.
Dennoch hat Nicolas Fähigkeiten, die ihn für den Job prädestinieren: seine unglaubliche Auffassungsgabe mit der er noch so kleine Nebensächlichkeiten bemerkt und in den richtigen Zusammenhang bringt. Einmal mehr macht er sich also auf den Weg in seine Heimat Deauville.
Wie schon vor einem halben Jahr ist Nicolas noch nicht richtig angekommen, da findet er schon eine Leiche. Der örtliche Polizeistellenleiter ist ihm ohnehin nicht wohlgesonnen und fühlt sich eher provoziert durch seine Anwesenheit. Hat das Commissariat doch außerdem gerade damit zu tun einen Menschenhändlerring aufzudecken. Und der bedrohte Comte scheint mit drin zu stecken.
Es geschieht noch so manches bis Nicolas seiner Schutzperson Comte Aristide de Tancarville gegenüber steht. Da hat das Ziel der Morddrohungen noch etwa 2 Tage zu leben.

Ich liebe die poetische Sprache von Cors

„Küstenstrich“ hat mich ähnlich mitgerissen wie sein Vorgänger „Strandgut“. Die Story ist spannend und liest sich sehr fix. Ich konnte mich allerdings der Frage nicht erwehren „Wann geht es denn jetzt richtig los?“ – da war ich schon in der Mitte des Buches angelangt. Und da hatte Nicolas den Comte noch nicht getroffen. Vielleicht lag es daran. Denn gelangweilt habe ich mich bei der Lektüre keineswegs. Im Gegenteil, ich fühlte (und fühle) mich sehr gut unterhalten.
Auch dieses Mal nimmt Nicolas´ Privatleben und seine Suche nach seiner großen Liebe Julie einen großen Teil des Buches ein. Ich weiß nicht, ob das allen Krimifans so recht ist, weil es den aktuellen Fall irgendwie in den Hintergrund drängt. Und der ist wegen seinem Bezug zur Flüchtlingsfrage und dem Menschenhandel gerade sehr interessant.
Ganz besonders gut hat mir auch hier die poetische Sprache gefallen. Bei manchen Sätzen und Formulierungen sind mir vor Freude und Begeisterung die Tränen in die Augen gestiegen, weil ich sie so schön fand. Allein dafür hat sich für mich das Lesen schon gelohnt. Ich fange eben bei so schöner bildhafter Sprache an zu sabbern/schwärmen.
Ich denke, man kann „Küstenstrich“ durchaus auch als eigenständiges Buch lesen, aber ich bin der Meinung es macht mehr Sinn sich zunächst „Strandgut“ zu Gemüte zu führen. Da es sich noch um eine so junge Serie handelt, finde ich es durchaus vertretbar, das zu empfehlen. Die Zusammenhänge zwischen Nicolas, seinem Arbeitgeber, dem Chef der Polizei in Deauville und natürlich die Angelegenheit mit Julie werden dann sehr viel klarer.
Also ran an die Bücher!

 

Autorenporträt
Benjamin Cors ist politischer Fernsehjournalist und hat viele Jahre für die ARD Tagesschau, die ARD Tagesthemen und den Weltspiegel berichtet. Heute arbeitet er als landespolitischer Korrespondent für den SWR. Er ist Deutsch-Franzose und hat die Sommer seiner Kindheit in der Normandie verbracht.

Buchinfo
„Küstenstrich“ von Benjamin Cors, Nicolas-Guerlain-Reihe Band 2, erschienen April 2016 bei dtv premium
Taschenbuch: 384 Seiten, € 15,90, ISBN 978-3-423-26102-9
eBook: ePub, 400 Seiten, € 13,99, ISBN 978-3-423-42951-1

Quellen
Bild+Autorenporträt: www.dtv.de / Text (außer Autorenporträt): Susanne

 

Wenn Ihr das Buch gelesen habt, schreibt mir doch wie es Euch gefallen hat. Ich freue mich auf Eure Meinungen.

Ein Gedanke zu “Benjamin Cors: Küstenstrich

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