Kein Chichi beim Backen

Es gibt in meinem Leben ja nicht so viele Traditionen. Der Großteil davon rankt sich um die Adventszeit und natürlich Weihnachten selbst. So werden beispielsweise Weihnachtsartikel in den Läden frühestens in der Woche vor dem 1. Advent gekauft. Es wird ein Adventskalender für meine Schwester bestückt. Die Bude wird dekoriert was das Zeug hält. Ich habe keinen Weihnachtsbaum, sondern meine Palmen bekommen den letzten Schliff mit diversen Kugeln, mit denen der örtliche NanuNana sich an mir dumm und dämlich verdient hat. Aber das Wichtigste ist das Backen. Plätzchen werden nicht gekauft, sondern selbst gemacht. Traditionell am Wochenende vor dem 1. Advent, damit im Adventskalender welche landen können und der pünktlich zum 1. Dezember bei meiner Schwester ist.
Der Plätzchenteig wird selbstredend nicht schnöde aus der Kühltheke des präferierten Supermarktes gezerrt, sondern von Hand zusammengewurstet. Dieses Wochenende ist es soweit. Die Bäckerei ist schon angemietet. Die Bäckerinnung hat mir ein paar ihrer fähigsten Lehrlinge zur Verfügung gestellt. Es wurden auch schon die Mehl- und Zuckervorräte des umliegenden Lebensmittelvertriebs angeliefert. Und alle jemals bei RTL unter Vertrag stehenden Hühnerbauern haben ihre dieswöchige Eierernte zugesichert. Die Kuhbauern sind für die Butter zuständig. Dafür backe ich ihnen eine Frau mit. Eine kleine. Also jedem Eine. Alles andere wäre ja Kekswichsen.
In der Regel backe ich drei bis vier Sorten Plätzchen. Meistens zwei bekannte und irgendwas Neues noch dazu. Rezepte habe ich genügend. Wichtig ist für mich als Ungeduldsmensch ja immer, dass ich nach dem Backen nichts mehr groß mit den Plätzchen anstellen muss.
Ja, als Kind stand ich auch voll drauf, jedes Plätzchen mit Zuckerguss, bunten Perlen, Schokosplittern, Zuckerstreuseln oder Hagelzucker zu verzieren. Moment, ich glaub das ist gelogen. Ich bin ja in der DDR aufgewachsen. Jetzt muss ich mich fragen, hatten wir Hagelzucker? Keine Ahnung. Also jedenfalls haben wir auch damals die Kekse bunt gekriegt. Was eigentlich aber wurscht war, weil man die Dinger ja lieber gegessen als angeguckt hat.
Inzwischen bin ich deutlich pragmatischer. Ich mag an meinen Schuhen, meinen Klamotten oder meinen Einrichtungsgegenständen kein Chichi und kein Glitzer. Ich mag auch keine Shirts mit Aufdruck. So ist das auch bei meinem Weihnachtsgebäck. Nachdem ich gefühlte 8h Teig geknetet und weitere gefühlte 8h Plätzchen geformt habe, fehlt mir schlicht die Lust nach dem Backen, auch noch mit einer zierlichen Tülle irgendwelche van-Gogh-Reproduktionen auf meine Backwerke zu zeichnen. Ganz zu schweigen davon, dass ich auch recht grobmotorisch bin und auch überhaupt nicht zeichnen kann.
Meine Weihnachtsplätzchenproduktion beschränkt sich denn auch auf solche, die nicht so viel Nach-Back-Zuwendung brauchen. Mein liebstes Gebäckstück sind Caramel-Cookies. Die Teigherstellung ist zwar mit viel Schnippelei verbunden, aber dafür muss ich den Teig nicht mal ausrollen und irgendwas ausstechen! Die Masse wird einfach mit einem Teelöffel portioniert und in kleinen Häufchen aufs Blech geklatscht. Okay, schon ein wenig drapiert. Aber es bleiben Häufchen.
Ähnlich unkompliziert ist das alljährliche Schwarz-Weiss-Gebäck. Heller und dunkler Teig werden miteinander kombiniert, zu Würsten geformt, kalt gestellt und anschließend in Scheiben geschnitten. Fertig.
Vor einigen Jahren habe ich mich mal an Sahnebrezeln versucht. Weil ich doch im Schwabenland wohne und das Grundnahrungsmittel hier ja Brezeln sind. Ich bin kläglich gescheitert an der Form. 😦 Mein damaliger Freund konnte das beschämenderweise deutlich besser. Seine Brezeln sahen fast aus wie das Original. Der war aber auch gebürtiger Schwabe, also kann das daran gelegen haben. Ich glaube nicht, dass sein Diplom-Ingenieur-Titel was damit zu tun hatte, obwohl man damit ja wohl alles besser kann. Ich habe mein Ego später damit aufgemöbelt, dass ich ihn beim Einparken derbe brüskiert habe. Hehe. Wir sind übrigens nicht mehr zusammen. Das nur so am Rande.
Ich habe auch schon mal Vanillekipferl gemacht. Deren Form ließ ebenfalls zu wünschen übrig. Geschmacklich konnte man aber nicht meckern. Wobei so Kipferl schon wieder ein Post-Back-Tuning brauchen. Keine Ahnung an wie vielen ich mir da die Pfoten verbrannt habe, weil sie heiß in der Puderzucker-Haselnussmehl-Mischung gewälzt werden wollen.
An Tagen an denen ich schon eine gefühlte Woche in der Küche stand und weitere drei Tage vor mir hatte, habe ich sogar bei schlichten Butterplätzchen aufs Ausstechen verzichtet. Weil ich auch einfach den Teig nie so gleichmäßig ausgerollt kriege, wie es sein sollte. Oder der Teigfladen ist gerade mal so groß, dass ich fünf Plätzchen rauskriege. Dann forme ich einfach kleine Kugeln, die ich platt drücke. Da kommt in der Regel ein runder Keks raus.
Dieses Jahr mache ich das erste Mal so Doppelkekse, die mit Marmelade aneinander geleimt werden. Meine Schwester hat im letzten Jahr erwähnt, dass sie solche mag, also versuche ich das mal.  So schwer wird’s ja nicht sein. Werde ich halt doch mein Nudelholz reaktivieren.
Man könnte jetzt meinen, mir macht das Backen keinen Spaß und ist mir überhaupt zu anstrengend. Das stimmt nicht wirklich. Ich hab echt Freude dran. Dennoch bin ich ungeduldig. Für mich sollte ein Gebäckstück fertig sein, wenn es aus dem Ofen kommt. Bevor so ein Keks in die Röhre wandert, kriegt er je nach Sorte schon ein wenig Schliff. Die übliche Eigelb-Milch-Maske, ein Schokosplittertopping oder ein Hagelzuckerpeeling. Danach möchte ich aber wenig bis gar nicht Hand anlegen müssen, weil ich mich dann schon einer anderen Sorte zugewandt habe. So viel Platz hab ich in meiner Küche ja auch nicht. Und ich hab auch keine Spülmaschine. Was heißt, jeder Napf und Löffel, den ich einsaue, muss ich von Hand auch wieder waschen.
Also alles in allem laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Der Backofen ist schon im Trainingslager und wärmt sich auf. Meine OP-Maske zum Schutz gegen Mehlstaub liegt bereit (weil ich Weichei sonst mehr mit Niesen als mit Backen beschäftigt bin *g*) . Und der Kühlschrank ist wegen Überfüllung geschlossen. Freitag geht’s los. Ich freu mich.

6 Gedanken zu “Kein Chichi beim Backen

    • Hi Suzy,
      den Begriff Hildabrötchen kenne ich zwar nicht, aber ja, die Beschreibung passt auf das was ich vorhabe. 🙂 Ich bin gespannt was rauskommt. Wenn ich dran denke, mache ich vielleicht sogar Fotos. *g*
      Danke und liebe Grüße
      Sanne

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  1. Huhu Sanne,

    sind Weihnachtstraditionen nicht was herrliches? 🙂
    Ich habe ein bisschen Glück im Leben gehabt, was die Versorgung mit Gebäck angeht. Mein Partner und Welt-Lieblingsmensch ist nämlich gelernter Bäcker. Dummerweise heizt unser Backofen nicht höher als ca. 150°. Also fallen wir auch dieses Jahr wieder bei meinen Eltern ein und besetzen kurzerhand ihre Küche. Okay, er besetzt, ich sitze auf der Couch rum, trinke friedlich Earl Grey und warte. Aber irgendwer muss ja die Verantwortung tragen. 😉
    Selber backen ist nämlich gar nicht mein Ding, weil ich ähnlich wie du viel zu ungeduldig bin. Ich bin eher der Typ „Ich schleiche mich in die Küche und wenn du gerade nicht hinschaust, klaue ich Teig“. Dann gehe ich wieder, bis ich mich das nächste Mal der Drang zum Naschen packt. Also innerhalb von 10 Minuten. 😀
    Was ich daran aber am meisten liebe, ist, dass wir dabei alle zusammen sind. Es ist so schön, die Vorweihnachtszeit gemeinsam zu verbringen. 🙂

    Viele liebe Grüße und ganz viel Erfolg beim Backen ohne verbrannte Finger,
    Elli 🙂

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    • Hallo Elli,
      da hast Du ja wirklich Glück gehabt.
      Ich glaube mit einem Bäcker würde ich nicht klarkommen. *g* Gemeinsames Backen ist gut und schön, – habe ich auch mit einer Freundin und eben meinem Ex mal gemacht – aber ich mag es in meinem eigenen Tempo vor mich hin wurschteln zu können. Und wenn noch jemand neben mir in der Küche steht, wie könnte ich dann mit dem Rührlöffel in der Hand, laut singend zur Musik aus dem Radio gröhlen und tanzen? 😉 Ich lebe schon viel zu lange alleine, als das ich da groß anpassungsfähig bin. Trotz aller Ungeduld macht es aber wirklich Spaß und ich freue mich, mit meinen Backwaren Freunde und Familie beschenken zu können.
      Im Übrigen wandert auch genügend roher Plätzchenteig in meinen Mund. *g*
      Danke Dir und liebe Grüße
      Sanne

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