Nebenwirkungen: Müdigkeit vs. Schlaflosigkeit

Seit einigen Tagen habe ich Rückenschmerzen. Manchmal auch Beinschmerzen. Komischerweise nur beim Laufen und nur links. Stehen, sitzen und liegen sind schmerzfrei. Sogar tanzen kann ich ohne Probleme.
Nun ist Laufen halt blöderweise meine bevorzugte Fortbewegungsart. Und dauerhaft auf dem Sofa liegen/sitzen/stehen ist ziemlich öde. Und beim Lesen tanzen ist auch irgendwie kontraproduktiv. Da sämtliche Eigen-Heilmethoden ohne bleibenden Erfolg waren, dachte ich mir, gehst du halt mal zum Arzt. Der kann dir erstens sagen, was genau das Problem ist und zweitens, was du dagegen machen kannst.
Tja nun, das war irgendwie recht naiv. Ich weiß nun zwar nicht genau woran ich leide, aber immerhin hab ich mal zwei verschiedene Tabletten verschrieben bekommen dafür/dagegen. So kann ich immerhin die Schmerzen betäuben und meine Muskeln lockern. Vorbeugend ist auch gleich eine Überweisung zum Orthopäden rausgesprungen. Da wollte ich immer schon mal hin.
Da die von mir leichtsinnigerweise nach kürzester Entfernung ausgesuchte Apotheke weit weniger kompetent ist als mein Arzt, erhielt ich dort nicht einmal rudimentäre Informationen zu den mir überlassenen Pillen. Nicht mal die Dosierung wurde auf den Packungen vermerkt. Gut, dass mein Gedächnis mich noch nicht im Stich lässt. Ganz zu schweigen von einem Hinweis zu den Nebenwirkungen seitens der Pillendreherfraktion. Dabei hat sogar der Doc mich mehrfach darauf hingewiesen, dass die eine Sorte müde macht. Müssen ja voll die Klopper sein so oft wie er das betont hat.
Na jedenfalls hab ich mir zu Hause dann wenigstens mal den Schmerzstiller reinpfeifen wollen. Das war so gegen 19.00 Uhr. Gewissenhaft wie ich bin, nehme ich mir zunächst den Beipackzettel vor. Ich hab mir zwar glücklicherweise gemerkt, wie oft ich so einen Klopper einwerfen muss und dass ich nach Einnahme eines der beiden Mittel quasi sofort in Tiefschlaf falle, aber ich bin neugierig, was mich noch so erwartet.
Zunächst bin ich eine gefühlte Stunde lang damit beschäftigt den Beipackzettel auseinander zu falten. Immerhin ist die Schrift gerade so groß, dass ich noch ohne Lupe auskomme. Ich suche den Anfang und arbeite mich dann mehr oder weniger systematisch vor. Beim Punkt „Gegen welche Beschwerden muss ich das Zeug überhaupt nehmen?“ komme ich schon mal ins Grübeln. Von all den aufgeführten Sachen, trifft keines so richtig zu. Maximal mit „Gelenkschmerzen“ kann ich mich halbwegs identifizieren. Ich habe mir zwar höchstwahrscheinlich einen Nerv eingeklemmt, aber wer will schon so kleinlich sein.
Den Teil hinsichtlich der Wechselwirkungen mit anderen Mitteln überfliege ich grob. Auch den Abschnitt wo aufgeführt wird, was zu beachten ist, wenn ich schon ein anderes körperliches Leiden habe. Schwangerschaft zum Beispiel. Oder Herzinsuffizienz. Oder Schnupfen.
Dann aber wird es interessant. Ich komme zu den Nebenwirkungen. Für die brauche ich kein anderes Medikament im Wechsel zu nehmen und auch kein anderes Gebrechen als Voraussetzung. Die kommen einfach so.
Bei der Lektüre habe ich den Eindruck am Schreiber dieses speziellen Beipackzettels (aber wahrscheinlich trifft das auf alle Schreiber von Beipackzetteln zu) ist ein Thrillerautor und/oder Psychopath verloren gegangen. Mit Genuss und Freude tritt er sämtliche Übel der Welt breit. Prophezeit – neben den ohnehin schon vorhandenen Schmerzen im Rücken – Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, zentralnervöse Störungen, Depressionen, Tinnitus, Sehstörungen, Leberschäden, psychotische Reaktionen, Schwellungen (?), Nierenversagen, Gesichtsödem und vieles lustige mehr.
Ganz besonders schießt er sich aber auf den Verdauungstrakt ein. Ich muss mit Geschwüren rechnen, mit Blutungen, Durchfall, Bauchschmerzen, Blähungen, Verstopfung. Ist ja gut zu wissen, dass dieses Medikament sich auf meine Darmtätigkeit auswirken kann. Weniger gut, dass dabei auch eine Perforation rausspringen kann oder gar ein Durchbruch. Auch mein baldiger Tod ist nicht ausgeschlossen. Wie bitte, macht denn dieses Oralzäpfchen ein Loch in meinen Darm? So scharf sehen die Kanten gar nicht aus!? Oder ätzt das einfach mal einen Teil meiner Darmwand weg? Ich kann mich nicht entscheiden, was das kleinere Übel wäre.
Interessant sind auch die widersprüchlichen Nebenwirkungen: Durchfall vs. Verstopfung. Müdigkeit vs. Schlaflosigkeit. Herzjagen vs. Herzschwäche. Blutdruckabfall vs. Bluthochdruck. Heißt so viel wie „Alles kann, nichts muss.“ Damit nur ja niemand sich in Sicherheit wiegt.
Schön auch die Formulierung „Häufige unerwünschte Nebenwirkungen“ oder „seltene unerwünschte Nebenwirkungen“. Was wäre denn eine erwünschte Nebenwirkung? Ein kleiner Rausch? Wobei ja eine „Schwellung“ – je nachdem was wie schwillt – auch erwünscht sein kann. Und Erbrechen wäre bei bulimischen Personen ja auch nicht direkt verkehrt. Wer unter Schlafstörungen leidet freut sich dann vielleicht auch über die Müdigkeit und umgedreht.
Zugegeben so ein Leberschaden oder Nierenversagen oder auch Haarausfall klingt für den Otto-Normal-Pillennehmer nicht sonderlich verlockend. Aber manche Leute haben ja komische Vorlieben.
Gegen 3 Uhr – noch vor Ende der Lektüre des kompletten Beipackzettels – habe ich dann nach dem Motto „No Risk, no Fun“ gehandelt und die Tablette einfach eingeworfen. Ich bin dann auch sofort eingeschlafen.

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