John Connolly: Stan

Einen Blick hinter die Kulissen gewährt dieser Roman um Stan Laurel, einer der berühmtesten Komiker und Teil des Duos Laurel und Hardy. Wenig komisch zeigt Autor John Connolly die private Seite des britischen Regisseurs und Schauspielers. Umso mehr die enge Verbundenheit zu seinem Kollegen Oliver Hardy und die privaten Krisen.

„Jimmy Finlayson ist überzeugt, dass die Ehe mit Emily Gilbert nicht mehr lange halten wird. Jimmy Finlayson ist froh darüber. Jimmy Finlayson ist auch der Meinung, dass auf ähnliche Weise, der Mann neben ihm glücklicher wäre, wenn Mae nicht länger Teil seines Lebens wäre.“ (Zitat Seite 130)

_Stan

Arthur Stanley Jefferson, genannt auch A.J., wird 1890 in Großbritannien in eine Schauspieler-Familie hinein geboren. Der Vater fördert seinen Sohn auf der Bühne und der junge Schauspieler sammelt Erfahrungen in den Music Halls. Mit der Theatergruppe von Fred Karno tourt A.J. durchs Vereinte Königreich. Im Ensemble mit dabei ist auch Charlie Chaplin, der schon damals seine Qualitäten zeigt, aber auch seinen Egoismus. Mit ihm muss Stan nicht nur ein Zimmer sondern sogar das Bett in billigen Absteigen teilen.
Die ersten Auftritte in Amerika sehen nicht nach einer großen Karriere aus. Auch wenn aus Arthur Stanley Jefferson bald Stan Laurel wird. Während Chaplin erste Erfolge beim Film für sich verbucht, hat Stan noch nicht seinen Platz gefunden. Privat ebenso wenig wie beruflich.
Erst die Bekanntschaft und Zusammenarbeit mit Oliver Hardy, Babe genannt, bringt die Karriere in Schwung. Gemeinsam agieren die beiden in komischen Stummfilmen und verstehen sich auch privat ohne Worte. Die beiden verbindet ein tiefes Verständnis füreinander und eine enge Freundschaft.
Jahrzehnte reibt sich das Duo in den Filmstudios von Hal Roach auf. Privat ist es noch viel turbulenter, denn Stan kann weder allein leben noch mit ein und derselben Frau dauerhaft verheiratet sein. Hochzeiten und Scheidungen wechseln sich in schöner Regelmäßigkeit ab. Und auch Babe wird am Ende seines Lebens mehr als nur einmal „Ja“ gesagt haben.

Inhalt: Top – Schreibstil: Flop

Ich habe keine Ahnung warum, aber als ich die Ankündigung für „Stan“ im Buchkatalog sah, wusste ich 1. sofort das es sich um Stan Laurel handelte und 2. dass ich dieses Buch unbedingt lesen will. Dabei habe ich mit Laurel und Hardy – auch bekannt als Dick und Doof – so gar nichts am Hut. Ich hielt es fälschlicherweise für eine Biografie, doch laut Autor ist es ein Roman mit Stan Laurels Leben als Grundstruktur.
Wäre es eine Biografie, dann wäre es so eine, die dem Leser sofort jegliches Interesse an diesem Genre austreibt. Eine bei der man die Hände über dem Kopf zusammenschlägt und sich wünscht, man hätte sie nicht in die Hand genommen. Sehr schade!
Allerdings ist es als Roman genauso furchtbar geschrieben. Denn das Problem ist nicht das Thema oder die Lebensgeschichte von Stan Laurel an sich, sondern der Schreibstil. Dieser besteht hauptsächlich darin möglichst in jedem Satz (mindestens) einen Namen zu verwenden. Was soll das? Das Buch könnte 30% dünner sein, wenn nicht ständig die Namen wiederholt würden. Wenn Ihr online in die Leseprobe schaut oder obiges Zitat lest, dann seht Ihr was ich meine.
Dieser in meinen Augen ganz schlimme Schreibstil hat es mir sehr schwer gemacht, das Buch zu lesen, so dass ich dafür auch ewig (mehr als 2 Wochen) gebraucht habe.
Ich habe mich aber durchgekämpft, weil ich die Lebensgeschichte von Arthur Stanley Jefferson sehr interessant finde. Weit entfernt davon privat ein Komiker zu sein, fehlte Stan in meinen Augen ein Rückhalt. Den suchte er in seinen vielen Ehen und dem Alkohol. Geldsorgen, Rückschläge und Tragödien, der ständige berufliche Kampf mit seinem Boss – das klingt nicht nach einem beneidenswerten Leben als Komikerstar.
Ich weiß nicht, wie viel echte Biografie in diesem Roman steckt. Aber ich denke, es hat mir ein bisschen was gezeigt von dem realen Menschen hinter der Kultfigur Stan Laurel.
Wirklich weiter empfehlen kann ich das Buch aber nicht, weil ich den Schreibstil eine Zumutung finde. Leider.

Gelungenere Lebensgeschichten:

„65“ von Billy Christal
„Mein Schottland, mein Leben“ von Sean Connery und Murray Grigor
„On the move. Mein Leben“ von Oliver Sacks
„Die Wachsmalerin“ von Sabine Weiß

 

Autorenporträt
John Connolly ist in Dublin geboren und aufgewachsen. Er studierte Englisch am dortigen Trinity College und wurde dann Journalist. Seine Kriminalromane um den Privatermittler Charles Parker sind internationale Bestseller. Der Roman über Stan Laurel war in der englischsprachigen Welt ein Bestseller und wurde beim Irish Book Award mit dem Publikumspreis prämiert.

Buchinfo
„Stan“ von John Connolly, erschienen bei Rowohlt Hundert Augen
Hardcover: 528 Seiten, € 24,00, ISBN: 978-3-498-00946-5
eBook: 528 Seiten, € 19,99, ISBN: 978-3-644-00184-8

Quellen
Bild/Autorenporträt: www.rowohlt.de / Text (außer Autorenporträt): Susanne

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