1 Tag Barcamp: Depression, Komplimente, schlampige Veganer

Ihr Lieben, lasst mich heute berichten von meinem Samstag auf dem Barcamp. Seit 2008 findet alljährlich im September das Barcamp Stuttgart statt. Viele fragen sich jetzt bestimmt was denn ein „Barcamp“ ist. Es hat schon mal nichts mit einem Zeltbesäufnis zu tun. Die Kurzbeschreibung: Ein Barcamp ist eine Veranstaltung von den Teilnehmer für die Teilnehmer. Jeder Anwesende kann eine sogenannte Session anbieten – einen Vortrag, eine Diskussion oder eine Aktion, die 45Minuten dauert. Mitunter gibt es themenspezifische Barcamps wie das Bleib-Gesund-Barcamp oder das Philosophie Barcamp, Happinesscamp und das Literaturcamp. In Stuttgart handelt es sich aber um ein sogenanntes offenes BC. Das heißt es kann um alles gehen. Gestern beispielsweise hatten wir Sessions zu diesen Themen: Depression, Pflanzen und Garten, schlampige Veganer, Minecraft, Mädchenfussball, Komplimente, Sprach- und Atemtraining, (Nicht) Genderorientierte Sprache, Vorsorgevollmachten, Wandern, minimalistische Lebensweise, Gefahren beim Online-Shopping … und und und. Das sind nur wenige der sage und schreibe 72(!!!) Themen über die gestern gesprochen wurde.

Aber genug vom Allgemeinen – wer Interesse hat, der kann auf der Website vom Barcamp Stuttgart sich ein wenig umschauen. Da gibt es bestimmt bald ein paar Impressionen.

Mein Tag begann früh, da ich mich gleich für die erste Empfangsschicht von 8.30Uhr bis 9.30Uhr gemeldet habe. Wenn man schon den ganzen Tag für geringes Geld komplett verköstigt wird, kann man sich auch etwas nützlich machen. Der Vormittag war gefüllt mit der Begrüssung der Teilnehmer, der Vorstellung der Sponsoren, der Vorstellung aller Teilnehmer (ca. 20 Minuten für alle 300 Leute!!!) und die Vorstellung der Sessions.

„Einhörner reiten – Depression und Co.“

12.30Uhr ging es mit den Vorträgen los. Ich habe mich als erstes für einen Erfahrungsbereicht über Depressionen von der sehr sympathischen Hannah entschieden. Eine sehr bemerkenswerte junge Frau, die seit ihrer Teenagerzeit an Depressionen leidet. Nun ist sie fast 19 Jahre alt und auf dem Weg der Besserung.

„Gendergerechte Sprache“

Nach einem sehr leckeren Mittagessen vom Sponsor „Esskultur“ gings 14.30 schon zum nächsten Thema: (nicht) Gendergerechte Sprache. @dieOrthograefin hat als Lektorin täglich mit Texten zu tun, die sich vornehmlich an die Männer richten. Es gab eine durchaus hitzige Debatte darüber, ob man immer die männliche und weibliche Form berücksichtigen muss oder sich für eine (teils künstliche) neutrale Anrede entscheidet. Ich persönlich finde das alles einen ziemlichen Eiertanz und für mich leidet auch die Lesefreude unter dem ständigen geschlechtlichen Unterscheiden. Die meisten anderen Frauen in der Runde sahen das ganz anders.

„Zu wenig Komplimente – Wie bringt man Menschen zum Lächeln“

Als nächstes standen „Komplimente“ im Vordergrund. Die Intitatoren Tom und Michael finden man macht viel zu wenig Komplimente. Wir wollten alle wissen warum das so ist, was dahinter steckt. Bei mir ist es Feigheit und ein oft negatives Selbstbild. Ich denke zu viel darüber nach, dass mein Gegenüber mich dann aufdringlich findet, sich verarscht vorkommt oder sich fragt, wie ausgerechnet ich dazu komme, ihm ein Kompliment zu machen. Und das wo ich oft Menschen sehe, denen ich gern sage würde, wie hübsch ihr Kleid ist oder generell ihr Outfit, wie toll ich ihre Haarfarbe finde oder sowas. Ich arbeite daran, dass auch mal auszusprechen.

„Stimme & Atmung“

Bei Nadine haben wir ein bischen was über den Körper, das Atmen und die Stimme gelernt. Wie das zusammenhängt, wie man die Stimme kontrollieren kann. Sie zeigte uns Atemübungen und wie man das Zwewrchfell mal entspannt. Mit ein paar praktischen Übungen konnten wir gleich mal sehen welche Wirkung das hat. Sehr schöner Input.

„Schlampiger Veganer – Diskussion/Austausch“

Hier habe ich mich als bekennender Fleischessen sozusagen in die Höhle der (vegetarischen) Löwen gewagt. Der sehr sympathisch Sven sagt von sich er sei ein schlampiger Veganer. Will heißen, er isst vornehmlich vegan, aber eben nicht immer bzw. nicht konsquent.
In der kleine Runde gab es die verschiedensten Gründe und Intensitäten für die vegane und vegetarische Ernährungsform. Es gab aber keinerlei Vorwürfe, Beschimpfungen oder Bekehrungsversuche. Sven ging es darum, dass man eben einfach mal ganz normal über das Thema redet, sich nicht rechtfertigen muss. Eine sehr entspannte Runde, die auch mir wieder Impulse gibt. Obwohl ich natürlich nicht erst seit gestern weiß, dass es sich auch mit weniger Fleisch im Leben leben lässt.

„Zimmerpflanzen Q&A“

Nach einer weiteren Pause mit einem leckeren Abendessen von „Esskultur“ und netten Gesprächen am Tisch, war um 19.30Uhr die nächste Session angesetzt. Ich entschied mich für eine kleine Beratungsstunde bei Rene, den ich bereits von meinem monatlichen Stammtisch kenne. Als Zierpflanzengärtner durften wir ihn löchern mit unseren Fragen zr den diversen Problemen mit unseren grünen Lieblingen. Jetzt bin ich wieder etwas schlauer.

Jetzt bin ich fällig

Ja, und 20.30Uhr war ich selbst fällig. Ganz spontan – und mit der üblichen Aufregung – bin ich schon am Vormittag wieder ins kalte Wasser gesprungen und habe einen kleinen Reisebericht zu Borneo angeboten. Wie könnte es anders sein. 😉
Wir waren eine kleine aber feine Runde von sechs Leuten. Da ich natürlich keinen Laptop dabei hatte, hab ich einfach ein bisschen frei Schnauze erzählt und Fragen beantwortet. Leider war die Zeit viel zu schnell rum. Ich war trotzdem zufrieden.

Power-Point-Karaoke

Damit war der Tag aber noch lange nicht rum. Und ich habe mir gleich noch eine Herausforderung gesucht. Als eine der letzte Sessions wurde neben dem Werwolf-Spiel (dessen Reiz ich ganz ehrlich nicht kapiere) noch „Power Point Karaoke“ angeboten. Ihr wisst nicht was das ist? Keine Sorge, ich wusste es auch nicht.
Aus der Runde wurde eine (freiwillige) Person vor die Tür geschickt, dann sucht man eine fertige Power-Point-Präsentation aus dem Internet raus. Vornehmlich zu einem Thema, dass die Person nicht mag oder davon überhaupt keine Ahnung hat. Anschließend muss der Freiwillige die Präsentation halten. Wir hatten uns auf jeweils 5 Minuten geeinigt.
Nachdem Kandidatin Nr. 1 sich mit einem finnischen Vortrag über Deutschland so wunderbar geschlagen hat und auch Kandidat 2 sein Überraschungsthema (ich weiß es leider nicht mehr) recht souverän über die Bühne brachte, bin ich auch hier ins kalte Wasser gesprungen.
Als 3. Freiwillige haben sie für mich eine Präsi über Aliens herausgesucht. Ich war nicht ganz so spontan wie ich es mir gewünscht hätte, aber ich glaube ich hab mich ganz gut geschlagen.
Im weiteren Verlauf hatten wir noch Präsentationen über Bohrinseln, Heilsteine und die Anatomie des Rehs. Also eine bunte Mischung.

In alledem war es schließlich nach Mitternacht. Viele Teilnehmer waren bereits gegangen und dann habe auch ich mich auf den Heimweg gemacht.

Ihr versteht sicher, dass ich in diesem Blogpost unbedingt die Sponsoren erwähnen muss, die das Barcamp Stuttgart möglich gemacht haben:

jweiland.net - TYPO3-Hosting und -Dienstleistungen Infomotion mit dem Digital Innovation Lab Messe Stuttgart Infomotion mit dem Digital Innovation Lab GFI - ein Unternehmen im KIAG.net coworking 0711 MFG Innovationsagentur GLS Bank Barcamp Pforzheim Baker Fee TechSmith elke Vogel Design Bebop Media - Fotografie und Videoproduktion Wassertankstelle von Herrmanns PRODEVART Hospitalhof Stuttgart Esskultur Fingerfood Catering

7 Gedanken zu “1 Tag Barcamp: Depression, Komplimente, schlampige Veganer

  1. Erfahrungsgemäß freut sich jeder über ein nettes Kompliment, unabhängig davon, von wem es kommt, also: Immer raus damit! 😉

    Und die anwesenden Frauen waren bezüglich der Gendersprache ganz anderer Meinung? Ich finde dieses Gendern ja absolut unnötig und nervtötend, eben auch weil Texte dadurch schlechter zu lesen sind, nur traut man sich als Mann momentan kaum, das auch zu äußern. 😉

    Gefällt 1 Person

    • Ja, ich weiß das mit den Komplimenten schon. Im Moment steht mir da meine Feigheit halt noch im Weg. Aber ich will will will das auf jeden Fall ändern.

      Ja, die anwesenden Frauen- abgesehen von mir – waren dafür alles und jedes auf die verschiedenen Geschlechter abzustimmen. Und lt. wissenschaftlicher Studien ist angeblich ein Text eben nicht schlechter zu lesen. Ich finde das aber schon. Und der eine von zwei Männern in der Runde, der sich ähnlich wie ich geäussert hat, hat den kompletten Unmut der vornehmlich jungen Frauen auf sich. Die Stimmung war etwas gereitzt. *g* Da war es sogar bei den Veganern friedlicher.

      Gefällt 1 Person

  2. Pingback: BarCamp Stuttgart #BCS11 - Hagen Graf

  3. Ich habe gerade Deinen Bericht und den von Hagen Graf gelesen. Auch wenn ihr beide meist in Sessions wart, die ich nicht besucht habe, war es doch so, als würde ich den Tag noch einmal erleben. Danke für dieses schöne Gefühl.

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  4. Wieder was gelernt! Ich habe den Begriff Barcamp schon mal irgendwo aufgeschnappt, aber ich bin wahrhaftig davon ausgegangen, dass es eben was mit der klassischen Bar zu tun hat 😉

    Danke für den schönen Bericht, das alles zu lesen war schon interessant 🙂

    Liebst
    Bine

    Gefällt 1 Person

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