Borneo II: Touris, die auf Elefantengras starren

14. Mai 2018

Nach dem Besuch bei den Malaienbären fahre ich also an den Kinabatangan und hoffe auf viele Tierbeobachtungen. Da mein Telefon hier ja nicht funktioniert, hat mein Taxifahrer freundlicherweise bei meiner Gastgeberin Yanti angerufen, um einen Treffpunkt in Sukau abzusprechen. Bei Yanti und ihrem Mann Osman werde ich die nächsten Nächte wohnen. Dank einer echt miesen (und meiner Meinung nach ungerechtfertigten) Bewertung bei TripAdvisor habe ich ein mulmiges Gefühl.
Das ist aber völliger Quatsch wie ich bald feststelle. Osman holt mich mit dem Boot ab. Die Begrüßung ist zurückhaltend, aber freundlich. Auch bei Yanti, die am Haus auf der anderen Flussseite wartet. Sofort zeigt sie mir mein Zimmer. Und nur wenige Minuten später bekomme ich auch schon etwas zu Essen.

Bekannte Gesichter

Auf der großen Veranda zum Fluss hin sitzen bereits andere Gäste. Sie sind auch erst heute angekommen. Ein Paar, das mir bekannt vorkommt. Das ist im Grunde nicht verwunderlich, weil die meisten Touristen ja die gleichen Plätze abklappern. Die beiden hier habe ich auf Pulau Mabul schon einmal kurz gesehen.
Das Haus von Yanti und Osman ist wie im Grunde alle Häuser hier auf Stelzen gebaut. Von wegen am Fluss und Hochwasser und so. Ansonsten hat es nur eine Ebene, ist aber ziemlich groß. Wohnzimmer, mindestens 2 Kinderzimmer, Küche, 2x Toilette inkl. Dusche, Schlafzimmer des Hausherrn, 3 Gästezimmer und dazu vorne eine große und hinten eine kleine Veranda. Der Platz unter dem Wohnbereich ist Stauraum für alles Mögliche – von der Schwimmweste bis zum Ersatzmotor.

Was, wann und für wieviel?

Osman erklärt mir und dem Paar, das aus den Niederlanden kommt, welche Bootsausflüge er mit uns machen kann. Die obligatorische Morning- und Evening-Cruise für je 50 Ringgit. Wenn wir die raren Pygmy-Elefanten sehen wollen, müssen wir tiefer in die Tasche greifen und mehr Zeit einplanen. Die Tiere sind nämlich ein ganzes Stück Flussaufwärts – mindestens 2 Stunden rasanter Fahrt eine Strecke. Das empfiehlt er aber nicht mehr für heute, da es schon nach 14 Uhr ist.
Wir drei Gäste sind uns einig, dass wir diese Tour morgen machen. Auch wenn Osman natürlich keine Garantie gibt, wollen wir es wenigstens versuchen. Wo wir ohnehin schon tausende Kilometer geflogen sind, schreckt uns die lange Fahrt nicht ab. Und der Preis schon gar nicht. Ist doch alles vergleichsweise günstig hier für Europäer.

Auf der Suche nach Pygmy-Elefanten

Wenig später trifft ein weiteres Paar ein, dieses Mal aus Spanien. Auch ihnen erklärt Osman die Optionen. Die beiden sind unentschlossen. Bleiben sie eine oder zwei Nächte? Spontan wollen sie die Elefantentour heute machen. Osman nickt ergeben. Da ich der Meinung bin, dass wir dann alle heute fahren, packe auch ich in Windeseile einige Sachen zusammen: Mückenschutz, Sonnenschutz, Wasser, Kekse, Kamera, Ersatzakku, Taschenlampe, Fernglas.
Im Boot sitzen dann aber doch nur die Spanier, ich und Osman. Die Niederländer wollen erst morgen.
Lange Rede kurzer Sinn – ich bin noch gar nicht richtig angekommen am Fluss und was soll ich sagen …

… wir sehen Elefanten!

DSCN4109Na gut, die meiste Zeit sehen wir bzw. ich nur wackelndes Elefantengras, hören es mal tröten und hin und wieder sehen wir etwas Graues zwischen den großen Halmen. Ist es der Kopf? Der Rücken? Oder ein Elefantenpopo? So genau kann man das auf die Entfernung gar nicht sagen.
Es ist jedenfalls total aufregend. Ein einziges Mal sehen wir bzw. ich auch einen der Elefanten am Ufer stehen. Er wendet uns seine Seite zu, den Kopf im Gras versteckt. Und als wir mit unserem Boot angetuckert kommen, verschwindet er langsam und behäbig wieder im Grün.

Zu klein und zu unsportlich 😦

Osmans Ehrgeiz ist geweckt. Er will seinen Gästen etwas bieten und geht mit den Spaniern tatsächlich an Land. Ich muss leider im Boot bleiben, weil zu klein und zu unsportlich. Das Ufer ist so schlammig, dass ich bis über die Knie im Matsch versinke. Keine Chance sich irgendwo festzuhalten und rauszuziehen. Nach dem ersten „Schritt“ trete ich also den Rückzug ins Boot an. Es ärgert mich ein bisschen. Tolle Fotos kriege ich trotzdem, denn Osman hat meine Kamera mitgenommen. Wie ich später feststelle, knippst er was das Zeug hält.
Im Boot sitzend höre ich aufgeregtes Trompeten und das Knacken von Ästen. Das Elefantengras wackelt wie verrückt. Was um Himmelswillen ist denn da los? Werden die gerade totgetrampelt??? Ich sehe die drei schon förmlich hektisch aufs Boot zu stürzen. Aber nein, keine menschlichen Schreie. Nur hörbar aufgeregte Elefanten.
Kein Wunder, in der Gruppe sind jede Menge Jungtiere dabei, die von den älteren beschützt werden. So wird mir nachher berichtet und ich kann es auch auf den Fotos sehen.

Unangenehme Rückfahrt

Strahlend kommt Osman mit seinen Gästen schließlich wieder zurück. Das Pärchen ist sichtlich durch den Wind vor lauter Aufregung und Freude. Als ich die Bilder auf meiner Kamera sehe, kann ich sie sehr gut verstehen. Hätte ich es doch versuchen sollen?
Die Rückfahrt ist mühsam. In der Dunkelheit fliegt allerlei Getier in der Luft. Mehrmals klatscht mir etwas schmerzhaft ins Gesicht und die Augen. Osman empfiehlt mir meine Sonnenbrille aufzusetzen.
Am Abend tauschen wir uns mit den Niederländern aus. Sie haben mit Osmans Sohn Tom die Evening-Cruise gemacht und auch einiges gesehen. Etwas später wird es aber ungemütlich. Denn die Spanier und Osman diskutieren lautstark, wegen deren Unentschlossenheit und wohl dem fehlenden Respekt, den der Hausherr bemerkt.
Es ist eine unangenehme Situation und so ziehe ich mich zurück. Morgen geht es schon früh auf Tierbesichtigung und so schlafe ich früh.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s