Borneo II: Ankunft im Dschungelcamp

7. Mai 2018

Am Vortag flog ich von Kuching nach Kota Kinabalu. Nach einer Nacht in einem echt muffigen billigen Hotel bringt mich ein Minibus (auch Shared Taxi genannt) nach Kudat. Dort esse ich im Cafe des Ria Hotel ein leckeres „Sweet Buttered Chicken“. Während ich auf meinen Transfer in die Unterkunft warte, schreibe ich in mein Reisetagebuch und werde von den vielen Einheimischen neugierig beäugt.

 

Erste Begegnung mit der Frau des Camp-Betreibers

Heute beziehe ich das Dschungelcamp Tampat Do Aman, das am nördlichsten Punkt meiner Reise liegt. Das Dschungelcamp wurde gebaut von Howard Stanton, einem Briten der seit vielen Jahren hier lebt. In Zusammenarbeit mit Einheimischen hat er dieses Öko-Camp gebaut und betreibt es. Ich bin gespannt was mich hier erwartet.
Ziemlich genau 13 Uhr werde ich gemeinsam mit anderen Neuankömmlingen zum Camp gebracht. Vorher habe ich mich schon ein wenig mit Howards Frau unterhalten, die in der Stadt die gemeinsame Tochter von der Schule abgeholt hat. Sie sagt, sie würde gern mal echten Schnee sehen und erleben. In Malaysia ist das ja nicht möglich, aber bisher hatte sie auch bei den wenigen Weihnachtsbesuchen in Howards Heimat kein Glück.

Willkommen im Tampat Do Aman

Im Camp selber treffen wir ziemlich nahtlos auf den „Hausherrn“. Howard selbst führt uns also im Schnelldurchgang durchs Camp. Ich kriege meine hübsche kleine Unterkunft zugewiesen, die ich später sehr kritisch beäugen werde. Neben den kleinen aus Bambus gebauten Hütten, die auf einer kleinen Lichtung stehen, gibt es noch Zimmer im landestypischen Langhaus und in etwas komfortableren Chalets. Alles umgeben von Bäumen. Am Langhaus ist eine überdachte Terrasse auf der man zusammen sitzen kann. Von hier hat aus man auch einen schönen Blick über das angrenzende Reisfeld, mit dem Tampat Do Aman sein Restaurant versorgt. Es gibt außerdem ein Duschhaus mit 4 großen Kabinen, die immer nur teilweise überdacht sind. So sieht man je nach Tageszeit beim Duschen den Sternenhimmel oder die Wipfel der Bäume.
Die Toiletten sind etwas versteckt im Wald und auf verschlungenen Pfaden erreichbar. Es sind durchaus großzügige Kabinen, die erhöht gebaut sind und auch solide aus Holz. Aber nicht alle sind beleuchtet und fließend Wasser gibt es auch nicht. Noch nicht sollte ich sagen, denn Howard arbeitet ja noch dran. (Letztere zeigt man uns übrigens nicht, weil keine Zeit ist. Wir müssen später selber nach den Klos suchen.)
Nach dem Rundgang heißt es schon wieder Sachen zusammen packen, denn per Shuttle geht es zum TipTop-Restaurant, welches zum Camp gehört. Es liegt direkt an einem sehr schönen Strand und dort gibt es die Mahlzeiten. Allerdings ist es ca. 3km entfernt. Das hört sich nicht so besonders viel an, aber bei Temperaturen um die 35° und einer Luftfeuchtigkeit von 80-90% möchte man keinen Schritt zu viel machen. Daher fährt täglich 5x Howard oder ein Angestellter mit dem Jeep hin und her und transportiert die überforderten Touristen.

 

Was tun?

Im TipTop-Restaurant kann man auch die Ausflüge und Unternehmungen buchen. Leider ist vieles wohl saisonbedingt wie ich vor Ort erst erfahren habe. Ich hätte gern Einheimische bei der Arbeit begleitet oder wäre mit einem Fischer rausgefahren. Aber das hat leider alles nicht geklappt. (Es gab wohl einen Todesfall im Ort, so dass sie in der Zeit keine Touristen da haben wollten. Kann ich verstehen, wusste ich damals aber nicht.) Dementsprechend bin ich enttäuscht. So waren die einzigen möglichen Unternehmungen eine morgendliche Dschungeltour mit Howard und eine Mangroventour mit einem Einheimischen.
Für den heutigen Tag gibt es im Grunde nichts weiter zu tun. Also spaziere ich den Strand entlang zu einem der Schnorchelspots und treibe mich bis kurz vor Sonnenuntergang im Meer herum. Meine Hoffnung auf eine Meeresschildkröte wird leider auch hier nicht erfüllt. Es gibt einige Korallen zu sehen, vornehmlich aber Pflanzen und Fische.
Am späten Nachmittag kommt die örtliche Jugend mit ihren Schnorchelmasken und Harpunen angelaufen. Sie gehen auf Fischfang für den Eigenbedarf. Auch interessant zu sehen.

 

Duschen unter Sternen

Zurück im TipTop gibt es Dinner á la carte. Ins Camp zurück fahre ich mit einem Pärchen mit dem ich mich etwas unterhalten habe. Sie haben einen Mietwagen und so muss ich nicht auf den Shuttle warten, der erst gegen 21 Uhr fährt. Ich bin doch irgendwie kaputt.
Dennoch hocke ich mich nach einer Dusche unter dem halben Sternenhimmel noch zu einigen anderen Gästen auf der Veranda. Soweit ich das mitbekommen habe sind Amerika, Großbritannien, Deutschland und ich glaube auch Australien vertreten. Der Reiswein kreist und das Gespräch ist albern und entspannt. Da ich in so großer Runde immer schüchtern bin, rede ich nicht viel und höre meist nur zu. Zumal die anderen sich schon mindestens 1 Tag länger kennen und wie ein eingespieltes Team wirken. Auch beim Reiswein lehne ich nach einem Probeschluck dankend ab. Hätte ich vielleicht nicht tun sollen.

 

Kurz vor der Hysterie

Schließlich verabschiede ich mich und ziehe mich in meine Hütte zurück. Bzw. suche ich vorher noch das Klo. Bisher war das nicht nötig, aber hier liegt es halt ziemlich versteckt mitten im Wald. Und im Dunkeln nur mit der Taschenlampe sehe ich erst recht nicht so gut. Außerdem wirkt alles fremd und gespenstisch. Auf dem Rückweg vom Klo zur Hütte verlaufe ich mich auch noch bzw. finde den Weg nicht so recht.
In der Hütte selbst bin ich auch reichlich nervös, um nicht zu sagen kurz vorm hysterisch werden. Auf der Veranda vorhin hat irgendjemand eine große Spinne gesehen und das laut kund getan. Daher fallen mir jetzt die großen Ritzen und Löcher in meiner Bambushütte auf. Hier kann ja alles rein kommen! Eilig schließe ich alle Reisverschlüsse an meiner Reisetasche und dem Rucksack. Packe alles weg, in das ein Tier kriechen könnte. Dann erst lege ich mich hin und die Fummelei mit dem Mosquitonetz geht los. Erfolglos versuche ich das Ding so zu schließen, dass kein Spalt offen ist. Aber da auch der Ventilator läuft, um wenigstens den Anschein von kühler Luft zu kriegen, bewegt sich halt das Netz. Jetzt wäre eine Person an meiner Seite hilfreich, die beruhigend auf mich einwirkt. Stattdessen läuft mir ein Schauer nach dem anderen über den Rücken bei dem Gedanken eine Spinne könnte sich auf die Matratze nebenan oder schlimmer noch auf mich verirren. Mir wird sogar ein bisschen schlecht. Da hilft es alles nichts, dass ich weiß wie völlig idiotisch das ist.

Bloß keine nächtlichen Entdeckungen!

Ich muss in dieser Nacht ganze 3 Mal aufs Klo! Und ich hasse mich für jeden Schluck Wasser, den ich am Abend noch getrunken habe. Mir ist auch nicht danach diese nächtlichen Ausflüge als Nachtspaziergänge und Entdeckungstouren zu nutzen. Eigentlich möchte ich hier gar keine Krabbeltiere und Insekten sehen, wenn ich weiß, dass die alle bei mir übernachten könnten. Ich bin ein echtes Weichei und verwöhnt.

(Ich wusste im Übrigen vorher auf was ich mich einlasse bzw. ich hätte es mir denken können. Gebucht habe ich es trotzdem. Und so sehr ich auch jammere, war es eine … ja, doch es war eine gute Erfahrung. Und wenn ich nicht alleine gewesen wäre, wäre ich evtl. auch noch etwas entspannter gewesen.)

Hinweis: Die Fischbestimmungen habe ich nach meinem Urlaub gemacht und einen Großteil anhand der Datenbank von easydive24.de herausgefunden. Wobei ich natürlich nicht garantieren kann, dass ich alle richtig zugeordnet habe.

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