Borneo II: Bootsausflug in der Nussschale

8. Mai 2018

Der heutige Tag beginnt früh. 7Uhr hat Howard uns zum Dschungelwalk bestellt. Nein, natürlich nicht bestellt. Man muss nicht teilnehmen. Aber ich hab ja sonst nix vor. Und ich nutze jede Gelegenheit im Regenwald mit jemandem unterwegs zu sein, der mir was erklären kann.
Zum Tampat Do Aman gehört auch ein Stück Regenwald auf der anderen Straßenseite. Dort hinein führt Howard uns. In den nächsten anderthalb Stunden streift er mit fünf Gästen durchs Unterholz. Immer wieder hält er an und erklärt etwas zu einer Pflanze: ob sie einheimisch ist oder nicht, wozu die Anwohner sie nutzen, ob sie giftig ist oder wie sie einem im Notfall das Leben retten kann. Also eine kleine Survival- und Naturkunde-Tour. Er erzählt auch viel zu seinem Camp und all den Dingen die sie hier realisiert haben und noch planen. Es gibt einen Vogelbeobachtungsturm, einen kleinen Canopy-Walkway, einen Nutzgarten und einiges mehr. Howard hat so viele Ideen, die er noch verwirklichen möchte.
Das alles ist auch interessant, aber ich bin irgendwie total abgelenkt. Schon nach wenigen Minuten bin ich komplett durchgeschwitzt. Außerdem hat mich eine Ameise durch meinen Turnschuhe hindurch in den Fuß gebissen. Das tut echt weh. Und ständig erschrickt mich Howards Hund, der immer wieder unvermittelt aus dem Wald auftaucht. Ich bin also ein bisschen froh, als wir wieder zurück zum Camp gehen.

Mosquitoplage

Während alle anderen gleich mit dem Shuttle zum TipTop fahren, brauche ich eine Dusche. Und danach will ich eigentlich das Camp ein wenig erkunden und die Ruhe hier genießen. Daraus wird insofern nichts, als trotz Insektenspray die Mosquitos mich hier regelrecht auffressen. Besonders in der Nähe des sumpfigen Reisfeldes. Trotzdem entdecke ich einen komischen gelben Käfer. Erst später sehe ich, dass er tatsächlich aussieht wie ein Gesicht – und so heißt er auch: Face Bug.
Dann ist es auch schon kurz nach 10Uhr und ich mache mich auf zum Ausgang, wo ich auf den nächsten Transfer zum TipTop warte.
Howard fährt diesmal selbst und freut sich riesig über die Schulsachen die ich als Geschenk für die Kinder hier mitgebracht habe. Jedes Jahr zieht er nämlich sein Weihnachtsmannkostüm an und beschenkt die Kinder der Gemeinde. Da wollte ich ein bisschen was dazugeben. Schleimer halt.

Auf in die Mangroven

Auch heute gehe ich nach dem Frühstück wieder zu dem Schnorchelspot von gestern. Aber auch heute suche ich vergebens nach einer Meeresschildkröte. Dafür sehe ich einen Schwarm von kleinen Kalmaren, was für mich auch neu ist.
Am späteren Nachmittag holt uns Jacky ab, der die Mangroventour macht. Außer mir ist noch ein Paar aus Bayern dabei. Allein der Weg zu seinem Dorf ist insofern abenteuerlich, als die Straßen teilweise gar keine sind und das altersschwache Auto auch ziemlich Mühe hat die recht steilen Anstiege zu überwinden. Schließlich landen wir in einer hübschen Bucht namens Loro Kecil in der Jacky Heimatdorf liegt.
Unter einer überdachten Veranda sitzen einige Familienmitglieder und gucken uns neugierig an. Eine Ziege mit Nachwuchs rupft etwas Gras und gackernd laufen dürre Hühner herum. Das Interesse ist auf allen Seiten groß, habe ich den Eindruck. Eigentlich möchte ich mich lieber zu den Menschen hier setzen und mit ihnen reden. Aber wir drei werden aufs Boot komplimentiert, eine winzige Nussschale. Ich halte mich ja für seetauglich, aber selbst für mich ist das echt wackelig. Als dann 50m vom Strand entfernt auch noch der Motor streikt, sinkt meine Lust auf die Mangroventour rapide.

Mangroventour mit Hindernissen

Während Jacky versucht den Motor wieder flott zu machen, schaukelt der kleine Kahn bedenklich hin und her. Immerhin treiben die Wellen uns zurück ans Ufer und nicht weiter aufs Meer hinaus. Das Ende vom Lied: trotz aller Reparaturversuche müssen wir auf ein anderes Boot umsteigen. Mir ist das lieber, denn die Notlösung ist deutlich größer und wirkt stabiler. Zwar gibt es hier keine rechten Sitzplätze und wir können damit auch nicht so weit den Fluss hochfahren, aber das ist mir eigentlich egal. Die Gefahr zu kentern ist hiermit weit geringer.
Tiere sehen wir auf unserer Tour so gut wie keine. Einen Seeadler, aber mehr auch nicht. Keine Nasenaffen oder Krokodile. Aber die Mangroven sind trotzdem immer ein Hingucker. Und ich unterhalte mich mit Jacky. Er erzählt von der Fischerei und auch von seinen Plänen ein Gästehaus zu bauen und zu eröffnen. Jacky möchte Touristen in seinen Ort holen. Howard ist vermutlich sein Vorbild.

Engagierter Camp-Besitzer

Noch vor Sonnenuntergang sind wir zurück am Loro Kecil und wenig später sogar im TipTop-Restaurant. Heute Abend trinke ich extra wenig, damit die Nacht nicht wieder so unruhig wird und ich ständig raus muss. Da ein Teil der Leute abgereist ist, gibt es heute auch kein abendliches Beisammen sitzen auf der Veranda. Außerdem muss ich morgen früh raus, denn für 7.30Uhr hat Howard mir eine Mitfahrgelegenheit nach Kudat verschafft, damit ich pünktlich nach Kota Kinabalu zu meinem Nachmittagsflug komme.
So improvisiert und behelfsmäßig manches hier auch wirken mag, Howard bemüht sich sehr darum, dass es seinen Gästen gut geht und sieht zu, dass er ihre Wünsche erfüllt. Er scheint ständig unter Strom zu stehen, weil er sich um so viel kümmert bzw. auch kümmern will. Shuttle-Fahrer, Bauarbeiter im Camp, Kellner im TipTop, Ausflugs-Organisator, Natur-Guide und nebenher beantwortet er auch jede Frage, die neugierige Touristen wie ich ihm stellen. Er ist unheimlich engagiert und immer freundlich.

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