Carolin Hagebölling: Der Brief

In Maries und Johannas geordnetes und gutes Leben hinein, platzt ein Brief, der sie ziemlich durcheinander bringt. Er spricht von einem anderen Lebensentwurf als ihrem jetzigen. Auch Maries Schulfreundin Christine ist betroffen. Keine der Frauen kann sich erklären was da vorgeht. Und weil die Briefe eine Adresse in Paris adressiert sind, macht Marie sich nach einer Weile auf in die Stadt der Liebe, um ihr anderes Ich an der Seite eines Galeristen kennenzulernen.

_Der BriefIm Leben von Marie läuft es ziemlich gut. Sie lebt in Hamburg zusammen mit ihrer Lebensgefährtin Johanna und hat einen Job, der ihr Spaß macht und Geld einbringt. Die Idylle wird gestört durch einen geheimnisvollen Brief. Absender ist Maries Schulfreundin Christine und Marie ist auch der richtige Empfänger. Doch die jeweiligen Adressen stimmen nicht.
Während unter Maries Name eine Anschrift in Paris steht, soll Christine angeblich in Berlin wohnen. Auch der Inhalt des Briefes beunruhigend. Spricht er doch von einem Marie-Leben in Paris in einer Galerie und mit einem Mann, von einem fröhlichen Christine-Familienleben sowie von Grüßen einer eigentlich toten Freundin. Marie ist verwirrt.
Da es nicht bei diesem einen Brief bleibt, fährt Marie schließlich nach Paris. Dort findet sie zwar nicht dieses andere Leben, wohl aber die einzelnen Komponenten: die Galerie, den charmanten Victor, der ihr eigentümlich vertraut ist. Überhaupt fühlt sie sich in Paris, als wäre sie zuhause.
Dennoch zieht es sie trotz Gefühlschaos bald wieder zurück nach Hamburg zu Johanna. Aber noch immer kommen die geheimnisvollen Briefe.

Interessantes Gedankenspiel

Jeder fragt sich wohl hin und wieder „Was wäre wenn …?“ Wenn man sich für die Beziehung entschieden hätte, statt fürs Single-sein. Oder wenn man damals nach der Schule einfach die Sachen gepackt und ins Ausland gegangen wäre. Oder wenn man den Job Berlin/München/Köln angenommen hätte, anstatt im Nachbarort. Wie sähe das Leben jetzt aus mit diesen Entscheidungen?
Mit diesen Fragen spielt der Roman. Wie unterschiedlich Lebenswege sich entwickeln können und wie viel von den eigenen Entscheidungen abhängt. Und was passieren kann, wenn die verschiedenen Lebensmodelle aufeinander treffen.
Im Großen und Ganzen ist es eine spannende Lektüre, ein interessantes Gedankenspiel, um Realität und Wahrheit. Obwohl ich nicht alle Handlungen nachvollziehen konnte und bei mir einige Fragen offen blieben, war es eine nette Unterhaltung. Es hat mich zugegeben nicht vom Hocker gehauen. Zumal mir der Schluss auch nicht gefallen hat. Vielleicht bin ich für so ein „offenes“ Ende ja zu ordnungsliebend. Vielleicht will mir daher keine rechte Empfehlung aus den Fingern fliessen.

 

Autorenporträt
Carolin Hagebölling lebt seit 2010 als freiberufliche Texterin, Konzeptionerin und Redakteurin in München und Düsseldorf. Sie liebt die Berge, das Reisen, das Schreiben und den Blick über den eigenen Horizont.

Buchinfo
„Der Brief“ von Carolin Hagebölling, erschienen bei dtv premium
Taschenbuch: 224 Seiten, € 14,90, ISBN: 978-3-423-26146-3
eBook: 240 Seiten, € 12,99, ISBN 978-3-423-43147-7

Quellen
Bild / Autorenporträt: www.dtv.de / Text (außer Autorenporträt): Susanne

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