Borneo: Kinabalu Park – ein neuer Versuch

Montag, 08. Mai 2017

Die Kurzfassung:
Der zweite Versuch auf eigene Faust im Kinabalu Park am Fuße des Mount Kinabalu zu wandern geht gehörig schief. Erst finde ich den blöden Wanderweg nicht und dann fängts an zu schiffen. Von Sonne und hohen Temperaturen bin ich gerade weit entfernt. Ich kapituliere vor dem Regen und fühle mich beim Warten auf den Bus zurück ein bisschen verarscht.

 

Und jetzt ausführlich:

Da am Samstag ja keine Zeit zum Wandern im Kinabalu Park war, fahre ich heute auf eigene Faust nochmal hin. Es fahren öffentliche Busse vom Terminal nicht weit vom Hotel entfernt ab. Schon 7.30Uhr bin ich da, um mir für 20 Ringit einen Platz im Kleinbus zu sichern. Wir warten so lange bis der Bus voll ist und fahren erst 8.45 Uhr los. Zwischendurch unterhalte ich mich mit einem älteren Paar, das aus West-Malaysia, also vom Festland kommt. Im Bus bin ich wieder die einzige Europäerin und komme mir schon ein wenig abenteuerlich vor. Ein bisschen wie ein echter Backpacker.
Nachdem wir endlich losgefahren sind, machen wir auch schon wieder eine Pause. Wir halten und der Busfahrer steigt aus. Muss noch was besorgen oder so. Keine Ahnung. Dann ein weiterer Stopp an einer Tankstelle. Das sollte mal ein Fernbusfahrer in Deutschland machen. Es würde Beschimpfungen und Beschwerden hageln. Ich grinse vor mich hin.

Auf der Suche – Die Erste

Nach etwas mehr als zwei Stunden bin ich die einzige, die am Kinabalu Park aussteigt. Vom sonnigen und heißen Wetter an der Küste ist hier nicht viel zu merken. Ich bin auf ca. 1.500m Höhe, es ist bedeckt und verhältnismäßig kühl. Aber ich habe ja vorgesorgt. Trage lange Hosen und habe auch eine dünne Jacke sowie den Regenponcho dabei. Und natürlich meine Trekkingschuhe. Am Eingang bekomme ich einen groben Plan, der verschiedenen Wanderwege. Ich möchte erst in den Botanischen Garten besuchen und anschließend auf den sogenannten Silau-Silau-Trail wandern. Der ist wohl nicht so anspruchsvoll, wie die anderen Wege. Schließlich bin ich ja auch keine passionierte Wanderin.
An der Straße entlang laufe ich erstmal bis zum Botanischen Garten. Oder zumindest dahin wo er sein soll bzw. ich ihn laut Plan vermute. Eine wirkliche Beschilderung gibt es nicht. Hmpf. Nach 10 Minuten Suche habe ich einen Eingang gefunden. Ein Schild weist darauf hin, dass der Eingang verlegt wurde. Wo der Eingang jetzt liegt, steht da aber nicht. Im Ernst??? Ich suche weiter. Nach weiteren 10 Minuten herumirren und ständiges auf-den-Plan-gucken finde ich endlich den Weg der zum Botanischen Garten führt. Ich löhne ein weiteres Mal Eintritt und sehe mich in Ruhe um. Dank verschiedener Schilder kann ich einige Pflanzen identifizieren. Und ich erfahre, dass eine letztens von mir entdeckte komische rote Pflanze eine Ingwerart ist. Ingwer gibt es hier ganz schön viel.

Auf der Suche – Die Zweite

Aus dem Garten wieder raus ziehe ich mir erstmal meine Jacke an. Wird doch ziemlich frisch. Und ich esse ein paar Kekse. Dann geht die Sucherei erneut los. Wo ist bloss der blöde Silau-Trail? Ich finde den kleinen Fluss an dem er entlang führen sollte. Ich finde auch den anderen, anspruchsvollen Trail auf dem ich schon nach wenigen Metern zu keuchen anfange. An dem unscheinbaren Trampelpfad rechts in den Wald laufe ich mehrfach vorbei, weil ich ihn eben nur für einen Trampelpfad halte. Nach 15 Minuten beklopptem Hin- und Hergelaufe bin ich ziemlich genervt. Ich hab schon fast keine Lust mehr zu wandern.
Schließlich folge ich doch dem kleinen Pfad, der sich tatsächlich als richtig heraus stellt. Erleichtert wandere ich los. Immer wieder bleibe ich stehen und sehe mich um. Außer mir ist niemand hier. Ich hoffe doch die eine oder andere Orchidee oder Kannenpflanze zu entdecken. Das wäre schön.

Der Regenponcho im Einsatz

Etwa 10 Minuten geht das gut. Dann fängt es an zu tröpfeln. Endlich kommt mal der Regenponcho zum Einsatz, denke ich mir und ziehe ihn über. Keine zwei Minuten später regnet es heftig. Von Stehenbleiben und Umschauen kann jetzt keine Rede mehr sein. Ich kann den Blick nicht heben, ohne dass mir das Wasser ins Gesicht spritzt und mir die Sicht nimmt. So hatte ich mir das nicht gedacht. Zumal mir durch die Feuchtigkeit schnell kühler wird. Auch der Boden wird rutschiger.
An der nächsten Möglichkeit überquere ich den kleinen Fluss und klettere hinauf zur Straße. Dort gibt es einen Unterstand und ich pausiere etwas. Ich überlege was ich machen soll. Meine Jacke und meine langärmelige Bluse sind an den Handgelenken und am Unterarm feucht und das zieht sich den Arm hoch. Jeder Windhauch lässt mich mehr frieren. Es sieht auch nicht so aus, als würde es aufhören zu regnen.
Soll ich aufgeben und nach gerade mal zwei Stunden im Kinabalu Park zurück an die Küste fahren? Oder soll ich trotz Regen weiter wandern, auch wenn mir kalt ist und ich nichts weiter sehen werde als den Matsch am Boden? Bin ich ein Weichei oder stehe ich das durch wie ein echter Wanderer? Von wegen das bisschen Regen, ich bin doch nicht aus Zucker und so.

Weichei!

Ich entscheide mich für die Weichei-Version. Es scheint mir nicht sonderlich verlockend im Matsch durch den Regen zu stolpern, zu frieren und dafür einen auf abgebrühter Wandersmann (oder –frau in dem Fall) zu machen. Ich folge also der asphaltierten Straße hier am Unterstand und habe keine Ahnung wo überhaupt ich mich befinde. Dem blöden Plan kann ich überhaupt nichts entnehmen, obwohl ich mich eigentlich für ganz gut im Kartenlesen halte.
Nach einem strammen Bergauf-Marsch lande ich mehr durch Zufall als durch gezielte Absicht wieder am Eingang des Parks. Nachfragen an der Information, wann der nächste Bus nach Kota Kinabalu fährt, bleiben ergebnislos. Die Fahrzeiten der öffentlichen Busse kennt hier keiner. Einen Aushang-Fahrtplan wie ich den aus Stuttgart kenne gibt es nicht. Es gibt ja nicht mal eine Bushaltestelle. Man stellt sich einfach an die Straße und wartet, dass ein Bus kommt.

Warten auf Godot den Bus

Es ist kurz vor 13 Uhr und ich hocke mich auf die Veranda eines kleinen Lokals an der Straße. Der Wind ist nach wie vor unangenehm, aber wenigstens sitze ich trocken. Ich verkneife mir etwas zu bestellen, weil jederzeit ein Bus kommen könnte. Also behalte ich die Straße im Blick.
Ein paar Einheimische sitzen hier und nach und nach trudeln weitere Touristen ein. Zwei Mädels mit durchsichtigen Regenponchos tauchen auf. Sie tragen kurze Hosen und lediglich Tops. Mir wird vom Angucken gleich noch viel kälter. Die Zeit vergeht und bald ist es 14 Uhr. Mir ist immer noch kalt und ich würde gern etwas Warmes trinken. Aber wenn ich was bestelle, kommt garantiert der Bus. Verdammt. Ich setze mich wenigstens in eine windgeschütztere Ecke. Nach wie vor darauf bedacht, die Straße sehen zu können. Es schifft übrigens immer noch. Blödes Wetter. Offenbar will der Kinabalu Park nicht, dass ich hier wandern gehe. Das ist doof.

Will der mich verarschen?

Nach einer weiteren Viertelstunde frieren bestelle ich endlich einen heißen Tee. Die Bedienung geht ins Lokal … und im nächsten Moment kommt dieser verdammte Bus um die Ecke! Ernsthaft!? Will der mich verarschen? Wenn ich vor 30 Minuten schon den Tee bestellt hätte, wäre der Bus dann auch gekommen???
Die beiden halbnackten Touristinnen sowie ein älteres Paar schnappen sich in Windeseile ihre Sachen. Ich stürze ins Lokal, suche hektisch die Bedienung und storniere meinen Tee. Ich bete innerlich, dass sie ihn noch nicht zubereitet hat und ich jetzt nicht Geld herauskramen muss. Aber nein, sie lächelt nur milde und ich flitze durch den Regen zum Bus. Ein kleines Wunder, dass ich beim Sprint über Stufen, Stock und Stein nicht stolpere und womöglich der Länge nach hinschlage.
In dem großen Reisebus sind erstaunlicherweise noch genauso viele Plätze frei wie Leute, die mitfahren wollen. Wie abgezählt. Erleichtert lasse ich mich in einen der freien Sessel fallen. Wirklich warm ist mir nicht auf der 2-stündigen Fahrt, aber ohne Wind friert mich auch nicht mehr so. Am Nachmittag langen wir an der Endstation, am Terminal-Nord in Kota Kinabalu an. Es ist nicht der Busbahnhof von dem ich losgefahren bin. Ist mir aber wurscht, denn hier findet sich bestimmt ein Taxi.

Malaysischer HipHop im Taxi

Am Busausstieg stehen junge Männer, die sich auch sogleich als Taxifahrer anbieten. Ich frage einen wie viel es kostet bis zu meinem Hotel. Er nennt seinen Preis und ich checke meine Finanzen. Ja, das habe ich tatsächlich gerade noch. Also kurzer Prozeß – ich willig ein.
Offenbar teilt er sich das Taxi mit einem Kollegen, denn er spricht sich mit jemandem ab und bekommt die Autoschlüssel. Dann zieht er sich ein weißes Hemd über und im Auto wird als Erstes das Smartphone an die Lautsprecheranlage angeschlossen. Sekunden später dröhnt wenig dezent malaysischer Hiphop aus den Boxen. Oder sowas ähnliches. Wieder schießt mir der Vergleich mit deutschen Taxifahrern durch den Kopf und ich muss grinsen. Der Weg ist letztendlich weiter als ich dachte. Wir sind sicher 15 Minuten unterwegs.
Zurück am Hotel hole ich erstmal noch etwas Bargeld von der Bank. Denn für heute Abend und morgen Vormittag brauche ich ja noch etwas Kohle. Schließlich wird mein Dinner auch heute aus Seafood (Tintenfisch und Riesengarnelen) bestehen und so günstig es auch ist, die Leute wollen Geld dafür haben.

5 Gedanken zu “Borneo: Kinabalu Park – ein neuer Versuch

  1. Wow, vielen Dank für den tollen und bildreichen Beitrag! Seit ich ein kleines Kind war, möchte ich auch unbedingt noch nach Borneo reisen, vor allem zu den von Dr. Willie Smits gegründeten Urwald-Stationen der Orang-Utans dort. Dass es so frisch dort sein kann, hätte ich vorher nicht angenommen. Die neuen Einblicke hier haben mich also sehr gefreut! 🙂

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    • Hallo,

      Danke für Dein Feedback. Es freut mich, wenn Dir der Beitrag gefällt. Und natürlich kann ich einen Urlaub auf Borneo nur empfehlen. 😉 Ich fliege ja selbst nächstes Jahr wieder hin.

      Was das Wetter dort angeht empfiehlt sich gerade bei Wanderungen in höher gelegenen Gebieten eine wind- und wetterfeste Jacke. Ein Regenponcho bzw. Regenschutz ist ohnehin ratsam, da es auch in der Trockenzeit nahezu täglich einen heftigen Schauer gibt.

      Wenn Du noch Fragen hast, schreib mich gern an. Ansonsten habe ich bei https://yummytravel.de/borneo-reisetipps-tipps-fuer-deine-borneo-rundreise/ einen tollen Bericht mit vielen Infos zu Borneo/Malaysia gefunden.

      Viele Grüße
      Sanne

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      • Ach toll, besten Dank, da schaue ich mich mal um! 🙂
        In einem halben Jahr geht’s auf eine halbjährige Weltreise für meinen Freund und mich, bei der die Route noch nicht fest gesteckt ist. Wenn sich die Gelegenheit ergibt, Borneo (trotz zusätzlichen Südamerika-Zielen) mit einzubinden, komme ich ganz sicher auf Dich zurück, ein halbes Jahr ist schließlich lang. Also danke für’s Angebot! 🙂

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      • Oh, das klingt traumhaft. Um nicht zu sagen beneidenswert. Wenn Ihr in Südamerika seid, dann lasst auf keinen Fall Galapagos aus! Die Insel Isabella hat mir persönlich am besten gefallen. Wenn es Euch möglich ist, seid aber erst im Oktober/November dort, wenn nicht mehr ganz so viel Touristen dort sind.
        Berichtest Du dann auch von Eurer Reise?

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      • Danke für den Tipp! Wir werden uns demnächst dransetzen und ein ungefähre Reiseroute planen, da wird das mit in die Pläne einfließen. 🙂
        & ja, berichtet wird auf jeden Fall über die bereisten Orte! Ab März geht’s los. 🙂

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