Im Orang Utan-Fieber

Ich stehe ja auf Naturdokus und Reisedokus und so Kram. Länder in denen ich schon war, stehen natürlich hoch im Kurs. Und auch Länder und Gegenden in die ich noch reisen will. Da es im April ja nach Borneo geht, ziehe ich mir aktuell alles rein, was mit Malaysia, Indonesien, Regenwald und Orang Utans zu tun hat.

Wobei mich diese großen Affen ja schon immer faszinieren. Sie strahlen Ruhe aus und eine Liebenswürdigkeit, die ich bei anderen Menschenaffen nicht erkenne. Und sie haben wunderschöne dunkle Augen. Außerdem verspüre ich schon rein frisurtechnisch eine Verbindung – oft stehen mir ähnlich die Haare zu Berge wie einem Orang Utan-Baby. Den Bildbeweis bleibe ich Euch zwar schuldig, aber meine Freundin kann das bezeugen. 😉

Die BOS – Borneo Orangutan Survival Foundation

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Das Ziel: Freilebende Orang Utans in Borneos Regenwald  … Quelle: BOS Deutschland e.V.

Ich konnte daher gar nicht anders als gucken, als am letzten Dienstag auf dem WDR eine Doku über Oran Utans lief. Ein Bericht über die BOS – Borneo Orangutan Survival Foundation. Die Organisation päppelt unter anderem auf Borneo verwaiste und verletzte „Waldmenschen“ auf, macht sie fit für die Wildnis und wildert sie (idealerweise) schließlich aus.
Die Doku zeigte wie in 2014 die ersten von vielen hundert der rothaarigen Affen in den wilden Regenwald entlassen wurden und ab sofort auf sich allein gestellt waren. Pioniere sozusagen, der Testlauf für alle die hoffentlich noch folgen sollen.
Mehr als einmal kamen mir die Tränen. Mal aus Mitleid, weil die Kleinen auch bei der BOS teilweise in Käfigen untergebracht sind, wenn sie nicht gerade „Wildnis-Unterricht“ haben. Mal aus Wut, wenn ausgehungerte und angekettete Tiere zu sehen waren, dem Tod näher als dem Leben, die man sich als Haustier hält. Dann aber auch vor Freude, als sie zeigten wie bei der ersten Auswilderung die Instinkte die Oberhand gewinnen und sich die Affen ganz natürlich verhalten. Ich hatte erhöhten Taschentuchbedarf an dem Abend.

Die Situation ist scheisse

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Bedrohte Abendstimmung im indonesischen Regenwald … Quelle: BOS Deutschland e.V.

Die Situation vor Ort ist natürlich scheisse. Die Regenwälder auf Borneo (und nicht nur dort) werden nach wie vor abgeholzt. Da erzähle ich Euch sicher nichts Neues. Für wirtschaftlichere Palmölplantagen und auch, um die Tropenhölzer zu exportieren oder zu Papier zu verarbeiten. Ganz zu schweigen vom großen Feuer 2015, dass von Menschenhand gelegt wurde. Durch diese illegale Brandrodung hat sich die Situation weiter verschärft. Der Lebensraum der Orang Utans und all der anderen Regenwaldbewohner schrumpft Zusehens.
Die Borneo Orangutan Survival Foundation gibt es seit 1991. Sie arbeitet eng mit der indonesischen Bevölkerung und örtlichen Behörden zusammen. Gemeinsam kümmern sie sich um Babys und Jungtiere sobald sie gefunden werden. Denn viele Tiere werden noch immer trotz Verbot getötet, die Babys verkauft und als Haustiere gehalten. In den Stationen der Organisation wurden ganze Käfige voller heranwachsender Orang Utans gezeigt, die mir das Herz brachen.

Kindergarten, Schule und dann ab auf die Insel

Was in der Dokumentation nicht gezeigt wurde, schrieb mir Frau Danke vom BOS Deutschland e.V.: Die ganz kleinen Affen, die in den Waldkindergarten gehen, kommen nicht in die Käfige. Sie wohnen in den sogenannten Babyhouses. Erst wenn die Tiere zu groß dafür sind, kommen sie über Nacht, und nur über Nacht, in die Käfige.

Nach dem Waldkindergarten folgt die Waldschule. Dort werden die kleinen Affen auf ein Leben in der Wildnis vorbereitet. Nochmal eine Info von Frau Danke: „Sind sie auch für die Waldschule zu alt – und damit aufgrund ihrer Kraft und ihres mittlerweile anerzogenen wilden Verhaltens nicht mehr gefahrlos zu handhaben – kommen sie für die meiste Zeit in Käfige – bis sie auf die Inseln umziehen dürfen. Da die BOSF seit 25 Jahren besteht, aber erst seit 2012 auswildern kann (nach harten langwierigen Verhandlungen konnten erst da sichere Regenwaldgebiete vertraglich gesichert werden, die allen Ansprüchen der OU gerecht werden), gibt es so viele Tiere auf der Station, die auf ihre Auswilderung warten. 2016 konnten wir eine sehr große Insel kaufen, sodass wir hoffen, in diesem Jahr anfangen zu können, viele Tiere dahin umzusiedeln, bevor es in den Regenwald geht. Auch da hat die BOSF große Fortschritte erzielt, da wir seit 2016 in einen Nationalpark auswildern können, der Raum und Nahrung für 300 OU bietet. Weitere Verhandlungen laufen.“

Die Pioniere machen Mut und ebnen den Weg

Von den 8 Pionieren aus der Doku, davon sogar einige Mütter mit Babys, haben es alle geschafft zu überleben und sich zurecht zu finden. Mehr als das, sie leben ein wunderbar wildes Orang Utan-Leben in den Bäumen und entwickelten alle ein artgerechtes Verhalten. Das bereitete auch den Weg für alle anderen Bewohner der Hilfsorganisation.
Die Dokumentation ist aus dem Jahre 2014 und auf der Website der BOS habe ich inzwischen nachgelesen, das viele der geretteten Affen in den letzten Jahren ausgewildert wurden – ganze 263 Orang Utans lt. Frau Danke.
Nicht nur das. BOS kümmert sich auch darum, dass Regenwald wieder aufgeforstet wird. Denn all die Affen brauchen ja letztendlich auch Lebensraum. Und da Orang Utans Einzelgänger sind und ihr Revier verteidigen, braucht es genügend Platz. Ganz zu schweigen davon, dass auch andere Tiere wieder ein Zuhause finden.

Bald Pate eines Orang Utans

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Das könnte mein Patenkind sein. 🙂 … Quelle: BOS Deutschland e.V.

In der Mediathek kann man die Sendung übrigens noch anschauen – wer interessiert ist.
Besonders neugierig gemacht hat mich die Möglichkeit einer Patenschaft für einen Orang Utan. Die kostet € 25 im Monat und man unterstützt damit die BOS bei ihrer Arbeit. Man kriegt regelmäßige Infos zur Entwicklung „seines“ Orang Utans und zu den Vorhaben der BOS. Mir gefällt das. Spätestens wenn ich aus dem Urlaub zurück bin und das Geld nicht mehr so knapp ist, werde ich so eine Patenschaft übernehmen.
Ohnehin schaue ich schon seit längerem, dass ich keine Produkte kaufe in denen beispielsweise Palmöl oder Palmfett enthalten ist. Und das kann wirklich überall drin sein: Lebensmittel, besonders Fertiggerichte und Süßigkeiten, aber auch Reinigungsmittel, Kosmetik und ähnlichem. Es wird für so ziemlich alles eingesetzt und verspricht daher den Plantagenbesitzern und Konzernen einen hohen Gewinn. Da juckt die so ein bisschen fehlender Regenwald natürlich nicht.
Versteht mich nicht falsch: Ich will hier weder oberlehrerhaft noch missionarisch daher kommen. Mir liegt das Thema einfach am Herzen und vielleicht interessiert es den einen oder anderen auch.

Habt Ihr Euch die Doku angesehen? Findet Ihr die Arbeit der Organisation gut und richtig? Oder denkt Ihr, das ist alles völlig vergeblich?

 

Quellenhinweis:
Die Bilder wurden mir freundlicherweise von BOS Deutschland e.V. zur Verfügung gestellt. Herzlichen Dank dafür. Und ebenfalls herzlichen Dank an Frau Danke für die Hintergrundinfos und Ergänzungen. 

Ein Gedanke zu “Im Orang Utan-Fieber

  1. Wir schauen auch ganz oft und eigentlich auch in der Wiederholung solche Dokus. Ich kann jetzt nicht mehr sagen, ob wir die hier jetzt auch gesehen haben, aber mir treibt es immer wieder Tränen in die Augen, wenn ich sehe, was den armen Kreaturen widerfährt…. Und die Tränen kommen mir auch -vor Rührung- wenn solche Projekte positiv verlaufen, Auswilderungen in Schutzgebieten funktionieren…

    Ich finde die Arbeit all solcher Organisationen unsagbar wichtig. Gäb es sie nicht, würde es bald in der Natur kaum noch was geben… Und wenn die Menschen nicht konsequent umdenken, wird es darauf hinauslaufen, dass etliche Tierarten nur noch in Reservaten oder Zoos, Wildparks leben können… WIeder Tränen…

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