MoFra: Was ist für dich ein Lese-Highlight?

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Puh, und auch die neue Woche startet mit hochsommerlichen Temperaturen. Mein Ding ist das ja nicht so, aber ändern kann ich es nicht und kämpfe mich da irgendwie durch. Immerhin sind sowohl mein Büro als auch meine Wohnung vergleichsweise kühl. Das hilft mir bei der heutigen Montagsfrage aber nicht wirklich weiter. Diese wird allwöchentlich von Svenja aka Buchfresserchen gestellt und diese Woche hat sie Verstärkung von Linda von Dufttrunken erhalten. Sie möchten wissen: Was muss ein Buch haben, um für dich als Lese-Highlight zu gelten?

Eine ganz schön schwierige Frage. Irgendwie so als müsste man „das gewisse Etwas“ bei einem Menschen beschreiben. Ich versuche es trotzdem mal.

Ich überlege gerade was die Bücher gemeinsam haben, die mich so nachhaltig beeindruckt haben, dass sie mir immer wieder im Kopf herum spuken. Das ist nicht so einfach, da sie aus ganz verschiedenen Genres stammen. Da wären zum Beispiel Wasser für die Elefanten was schlicht als Roman gilt, Das 13. Opfer – ein übel brutaler Thriller, die historische New Yorker Krimi-Trilogie um Timothy Wilde, die Krimis um Nicolas Guerlain, der historische Roman Der Dirigent und die Autobiografien von Damien Echols und Billy Crystal.

Fast allen diesen Büchern ist eine äußerst beeindruckende Hauptfigur gemein. Personen, die nicht einfach gut oder böse sind, sondern die versuchen mit ihren Dämonen klar zu kommen. Personen mit Ecken und Kanten, mit Fehlern. Die mich überzeugen und mich in ihren Bann schlagen. Bei denen ich mich frage wie es wäre, mit ihnen zusammen ein Bier zu trinken. Da gehört es dazu, dass die Charaktere – nicht nur die Hauptfigur – realistisch gezeichnet sind.

_StrandgutAußerdem war ich bei all den vorgenannten Büchern von der Sprache, dem Schreibstil hingerissen. Besonders Benjamin Cors mit seinen Franzosenkrimis um Nicolas Guerlain sticht hier hervor. Wichtig ist, dass die Sprache zur Geschichte passt und zu der Zeit in der die Geschichte spielt. In einem historischen Roman/Krimi erwarte ich eher eine altertümliche Sprache, ein wenig verschnörkelt, blumig, gehobene Ausdrucksweise. Das würde aber wiederum nicht zur brutalen Story um den schottischen Gegenwarts-Ermittler Ash Henderson passen, der sich gerne prügelt. Der braucht eine klare Schreibe ohne gedrechselte Sätze.
Ich mag bildhafte Sprache, die vor meinem geistigen Auge die Szenerie auferstehen lässt. Die mich ganz in die Welt entführt über die ich lese.

Das dreizehnte Opfer von Stuart MacBrideNatürlich spielt die Story eine Rolle. Nicht jede Geschichte muss innovativ sein. Krimis und Thriller beispielsweise folgen nun mal einem bestimmten Muster, von dem man als Autor wohl nur bedingt abweichen kann. Auf die Inszenierung kommt es an. Das ist bei den Timothy Wilde-Krimis beispielsweise der Schauplatz des historischen New York kurz nach der Gründung einer Polizeitruppe. Bei „Das 13. Opfer“ ist es der schlagfreudige und gebeutelte Ermittler. Bei „Der Dirigent“ ist es der historische Hintergrund um das besetzte Leningrad mit all den schlimmen Folgen für die eingeschlossene Bevölkerung. Bei Damien Echols ist es die unfassbare wahre Geschichte einer Hexenjagd und eines Justizfehlers.
Das geschriebene Wort trägt mich in eine andere Welt, in ein anderes Leben. Es lässt mein Herz schneller schlagen, meine Augen sich mit Tränen füllen vor Wut, Trauer oder Entsetzen, meinen Mund offen stehen vor Überraschung.
Gerade bei Krimis und Thrillern ist es eine tolle Leistung, wenn der Autor es schafft, dass ich trotz der vorhersehbaren Ereignisse ungeduldig mitfiebere. Grandios ist der Autor, der meine Erwartung nicht erfüllt, sondern mir stattdessen mit etwas wirklich unvorhergesehenem das Buch um die Ohren haut.

_65Weil ich gern Lache bzw. überhaupt emotional bin, ist Humor auch nicht verkehrt in einem Highlightbuch. Das kann völlig platter unterste-Schublade-Humor sein, feinsinnige Ironie, bitterböser Sarkasmus oder einfach der wunderbar trockene britische Humor. Ich bin für alles zu haben. Aber auch hier gilt, es muss zur Geschichte, zur Sprache passen. Ein britischer Gentleman erzählt eben keinen schnöden Witz, sondern haut ganz trocken seine bösen Bemerkungen raus. Die autobiografische Schilderung aus der Todeszelle birgt eher Galgenhumor als feinsinnige Wortwitze. Von Billy Crystal hingegen erwarte ich irgendwie alles.

Der DirigentWas ich auch immer zu schätzen weiß sind historisch belegte Hintergründe. Etwas das wirklich passiert ist. Sei es, dass die Geschichte grob darauf basiert oder dass belegte Ereignisse in die Story mit eingebunden sind. Sowas finde ich immer sehr interessant und spannend. Dann kann ich mich außerdem zu dem Thema bei Interesse auch nochmal anderweitig informieren.

Ach ja, und Drama. Drama und Tragik sind für einen emotionalen Menschen wie mich auch wichtig. Ich fühle gern mit. Und obwohl ich einen schmalzigen Liebesroman auch ganz gut finde, lese ich lieber, wie jemand ein dramatisches Erlebnis hat und damit klar kommt. Vielleicht liegt das daran, dass ich fast mein ganzes Leben als Single zugebracht habe und eher an Tragik und Drama glaube als an Liebe und Glück zu zweit. Oder daran, dass ich hoffe, daraus lernen zu können wie man mit einem Schicksalsschlag (Scheißwort) umgeht. Aber das ist wohl etwas zu psychologisch jetzt hier.
Jedenfalls steh ich auf Drama.

Ein wirkliches Rezept für ein Highlightbuch gibt es nicht. Selbst wenn ein Buch alle oder einen Großteil der vorgenannten Kriterien erfüllen würde … wenn ich es vielleicht zur falschen Zeit lese, finde ich es trotzdem nicht mehr als durchschnittlich gut. Ein anderes Buch wiederrum hat nur teilweise das zu bieten, was ich schätze und ich gerate darüber total ins Schwärmen.

3 Gedanken zu “MoFra: Was ist für dich ein Lese-Highlight?

  1. Der Schreibstil ist mir auch sehr wichtig, auch dass er zum Genre passt. Gerade bei historischen Romanen tue ich mich bei manchen Autoren schwer, weil es einfach zu modern klingt. Die Sprache muss stimmig sein und zur Atmosphäre der Geschichte passen. Auch vielschichtige Charaktere sind mir wichtig.

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    • Ja, das kann ich gut nachvollziehen. Mitunter liegt es auch am Übersetzer. Ich erinnere mich, dass ich zuerst eine neuere Übersetzung von „Der Herr der Ringe“ las und es ganz schrecklich fand, dass Sam zu Frod „Chef“ und „Boss“ sagte. Ich hab mir dann noch eine ältere Übersetzung besorgt und war deutlich begeisterter.

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