Michael Tsokos: Zerschunden

Ein Killer der durch Europa reist. Und bei jedem Halt in einer Metropole gibt es ein neues Opfer in Flughafennähe. Der Mörder hinterlässt zwar keine eindeutigen verwertbaren DNA-Spuren, aber eine charakteristische Signatur auf den Opfern. Anhand derer kann Dr. Fred Abel die Spur des perfiden Killers verfolgen.

_ZerschundenIn Berlin wird eine Rentnerin durch einen sogenannten Nachläufer getötet. Der Täter ist ihr bei einem Einkauf bis nach Hause gefolgt, hat sich hinter ihr ins Haus geschlichen und sie schließlich an ihrer offenen Wohnungstür überwältigt. Nur ein Umstand unterscheidet diese Tat von der eines herkömmlichen Nachläufer-Falls: Dem Opfer wurde die Strumpfhose herunter gezogen, auf ihr nacktes Bein wurde Respectez Asia geschrieben und anschließend die Strumpfhose ordentlich wieder angezogen. Diese Signatur gibt dem Rechtsmediziner Dr. Fred Abel Rätsel auf.
Es gibt keine DNA-Spuren, die eine eindeutige Täterfeststellung möglich machen. Doch durch eine sogenannte Haplotyp-Analyse kann immerhin der genetische Hintergrund bestimmt werden. Was jedoch immer noch eine große Gruppe an Verdächtigen umfasst.
Aufgrund einer Übereinstimmung mit Vergleichsproben in der DNA-Datenbank nimmt Kommissar Markwitz wenig später aber doch schon einen vorbestraften Mann fest. Es ist Lars Moewig, ein alter Freund von Abel. Moewig ist Einzelgänger und äußerst aggressiv. Und er hat vor allem kein Alibi.
Fred Abel kann nicht glauben, dass sein Freund der Killer sein soll. Er macht sich also auf die Suche nach entlastenden Beweisen. Ohne Wissen und Unterstützung des Kommissar Markwitz. Dabei stößt er auf weitere Tatorte mit gleichem Muster in anderen Ländern und macht eine kleine Europareise.
Es ist also ein Wettlauf gegen die Zeit.

Viel Blut, viel Psycho – genau das Richtige für blutrünstige Leser

Nach diversen Fallgeschichten und einem Thriller in Zusammenarbeit mit Bestsellerautor Sebastian Fitzek (Abgeschnitten), legt Prof. Michael Tsokos nun einen eigenen True-Crime-Thriller vor. Unterstützt wurde er dabei von Andreas Gössling.
Wie es schon Sebastian Fitzek so treffend sagt: Nichts ist so grausam wie die Realität. Mit diesem True-Crime-Thriller belegt Tsokos das äußerst prägnant.
Mit „Zerschunden“ hat der bekannte Rechtsmediziner aus Berlin eine spannende und blutige Lektüre abgeliefert, die auf einer Ekelskala von 1-10 im oberen Drittel rangiert. Auf der Psychoskala liegt sie bei mindestens 12. Will heißen, der Täter hat so eine verquere Wahnvorstellung, dass es nicht fassbar ist. Ich würde daher sagen, Leser brauchen gute Nerven und einen starken Magen.
Mir persönlich hat am besten die Verbindung von Fakt und Fiction gefallen. Tsokos ist bemüht dem Leser das tatsächliche Vorgehen der Rechtsmedizin nahe zu bringen und die in US-Serien vermittelte Ermittlungsarbeit als unrealistisch zu enttarnen. Natürlich muss er aber den dem Thriller-Genre eigenen Anforderungen ebenfalls entsprechen. Will heißen, Testergebnisse sind beispielsweise auch hier schneller verfügbar als es in wahren Leben jemals möglich wäre. Damit wird dem Tempo, dass ein Thriller haben sollte Rechnung getragen.
Ich finde, im Großen und Ganzen ist der Spagat zwischen Thriller und Wahrheitstreue gut gelungen. Ich mag Prof. Tsokos ja ohnehin gern lesen. Mitunter ist zeilenweise aber so ein wenig dozentenhaftes zu spüren. Meiner Meinung nach ist das nicht dramatisch, weil mich diese Sachen interessieren. Wer sich nicht belehren lassen möchte in Thrillern, den könnte es aber stören.
Alles in allem ist es ein guter Thriller mit viel Blut, den ich empfehlen kann.

ACHTUNG SPOILER: Einzig die private Überraschung in Fred Abels Leben will sich mir nicht erschließen. Dass er bei seinem Frankreich-Aufenthalt an eine alte Affäre denkt ist noch verständlich. Dass er aber unmittelbar nach der Erwähnung dieser Affäre eine Mail erhält vom Ergebnis dieser Affäre, nämlich zwei Kindern, ist für mich nicht nachvollziehbar. Möglicherweise spielt das ja in den beiden Folgebänden eine Rolle. Denn mit Dr. Fred Abel ist eine Trilogie geplant.

Mehr von Prof. Dr. Michael Tsokos:

Der Totenleser
Abgeschnitten (Mit Sebastian Fitzek)

 

Autorenporträt
Michael Tsokos, 1967 geboren, ist Professor für Rechtsmedizin und international anerkannter Experte auf dem Gebiet der Forensik. Seit 2007 leitet er das Institut für Rechtsmedizin der Charité. Seine Bücher über spektakuläre Fälle aus der Rechtsmedizin sind allesamt Bestseller.

Buchinfo
„Zerschunden“ von Michael Tsokos (mit Andreas Gössling), erschienen Oktober 2015 bei Knaur
Paperback: 432 Seiten, € 14,99, ISBN: 978-3-426-51789-5
Book: epub, 432 Seiten € 12,99, ISBN: 978-3-426-43488-8

Quellen
Bild + Autorenporträt: www.droemer-knaur.de / Text (außer Autorenporträt): Susanne

 

2 Gedanken zu “Michael Tsokos: Zerschunden

  1. Pingback: Tsokos/Gößling: Zersetzt | Wortgestalten

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