Rachel Macy Stafford: Der Tag, an dem ich aufhörte Beeil dich zu sagen

Rachel Macy Stafford hat keine Zeit. Ständig müssen ihre Kinder sich beeilen, werden vertröstet, wenn sie etwas wollen oder ziehen generell den Kürzeren gegenüber dem Email-Account oder sonstigen Verpflichtungen. Dem Ehemann und Vater geht es nicht viel besser. Als die gestresste Mutter schließlich nach ca. 2 Jahren Dauerstress zusammen bricht, merkt sie, dass sie etwas ändern muss. Sie entwickelt das Hands-Free-Prinzip.

_Der Tag, an dem ich aufhörte Beeil dich zusagen1Immer in Eile, nie Zeit für die Kinder oder ihren Mann, stets im Auftrag anderer unterwegs und mit dem Handy in der Hand: das ist Rachel Macy Stafford. Die zweifache Mutter ist zwar nicht berufstätig, aber ständig im Stress. Wenn sie nicht gerade den Haushalt perfekt schmeisst, dann engagiert sie sich für andere.
Nach ca. 2 Jahren auf der Überholspur ohne Zeit zum Durchatmen geschweige denn für ihre Familie, folgt der Zusammenbruch. Die Frage von anderen „Wie schaffst du das alles nur?“ stellt sich die Mutter nun auch und weiß keine Antwort. Sie weiß aber, so kann es nicht weiter gehen.
Sie entwickelt das Prinzip der Hands-Free-Mama. Will heißen eine Mutter, die Hände (und Geist) frei hat für das was wichtig ist: Ihre Kinder und die Familie. Dieses Konzept gibt Rachel Macy Stafford als ein 12-Monats-Programm in ihrem Buch wieder.
Jeden Monat erwarten den geneigten und möglicherweise ähnlich gestressten Leser Aufgaben und Anregungen, wie auch er sein Leben besser gestalten kann. Ohne Handy und PC dafür mit mehr Zeit für seine Angehörigen und Freunde. Sei das ein Tipp wie das Handy bewusst beiseite zu legen und nicht ständig die Mails zu checken. Am Anfang nur für 5 Minuten, später dann sogar für die Dauer einer ganzen Mahlzeit mit der Familie oder einem Essen mit dem Partner.
Oder den Haushalt auch mal Haushalt sein zu lassen und stattdessen mit den Kindern spontan im Sommerregen zu tanzen oder einen Spaziergang zu machen. Tägliche Rituale einführen, die mitunter nur 10 Minuten in Anspruch nehmen, die aber die Nähe zu den Kindern vertiefen und Möglichkeiten für besondere Augenblicke bieten.
Jeder monatliche Tipp ist mit Beispielen aus Rachel Macys eigenem Leben gespickt. Wie sie selbst immer mehr vom Leben ihrer Kinder mitbekommt, wertvolle Momente erlebt und wie sie ruhiger und gelassener wird.

Gute Tipps, aber die Autorin überzeugt mich nicht

Aus welchem Grund auch immer: mich hat das Buch bzw. die Autorin nicht überzeugt. Vielleicht verstehe ich das nicht, weil ich weder Kinder noch Familie habe, noch in irgendeiner Art und Weise gestresst bin. Ich kann mein Handy gut mal aus der Hand legen und es stundenlang vergessen.
Mir sind also die Probleme der Autorin relativ fern. Und was sie als unfassbare Erkenntnis verkauft – dass Familie, insbesondere Kinder, und Freunde, das Wichtigste im Leben sind und man sich Zeit für sie nehmen soll – das war mir vorher auch klar. Ich halte das sogar für selbstverständlich. Und vermutlich nicht nur ich.
Vielleicht hätte ich mehr Verständnis, wenn Stafford eine berufstätige Mutter wäre, die einen anspruchsvollen Job hat, mit unregelmäßigen Arbeitszeiten. Stattdessen bürdet sie sich viel freiwillige Arbeit in der Gemeinde auf, dass sie neben ihrer Hausarbeit kein Land mehr sieht und ihre Familie zu kurz kommt.
Immerhin wird ihr das nach nur 2 Jahren klar und sie ändert sich. Und natürlich ist es löblich, wenn sie ihre Erkenntnisse und Bemühungen mit der Welt teilen will. Für all jene die im Stress gefangen sind, finde ich das eine gute Lektüre. Die können mit dem Programm und den Tipps von Stafford evtl. tatsächlich aus der Tretmühle herausfinden.
Für mich persönlich bleibt ein wenig schaler Beigeschmack. Stafford betont immer wieder, sie habe noch einen langen Weg vor sich und sie sei ja nicht perfekt. Immer wenn jemand das mehrfach sagt/schreibt, vermittelt er mir das ein Gefühl von ´Er/sie denkt doch irgendwie er/sie sei perfekt.` Ich will nicht schmälern, dass es ein langwieriger und harter Prozess ist, sein Leben umzukrempeln. Das erfordert Mut und Durchhaltevermögen und verdient Respekt. Am meisten freut es mich jedoch für Staffords Kinder, die inzwischen eine aufmerksame Mama haben dürften, die sich Zeit für sie nimmt.

 

Autorenporträt
Rachel Macy Stafford ist Sonderpädagogin, Bloggerin, Buch-Autorin – und Mutter zweier Kinder. Ihre Lektionen für einen entschleunigten Alltag haben weltweit Hundertausende Frauen inspiriert.
» www.handsfreemama.com

Buchinfo
„Der Tag, an dem ich aufhörte Beeil dich zu sagen“ von Rachel Macy Stafford, erschienen im Mai 2015 bei Ullstein
Taschenbuch: 304 Seiten, € 9,99, ISBN-13 9783548375731
eBook: 304 Seiten, € 8,99, ISBN-13 9783843711142

Quellen
Bild: www.ullsteinbuchverlage.de / Text (außer Autorenporträt): Susanne

5 Gedanken zu “Rachel Macy Stafford: Der Tag, an dem ich aufhörte Beeil dich zu sagen

  1. Interessanter Buchtipp. Vielen Dank! Als ich noch kein Kind hatte, habe ich auch viele Probleme nicht verstanden, die Mütter haben. Das ist auch normal. Jetzt weiss ich aber, dass sich, wenn man ein Kind bekommt, alles, wirklich alles ändert!

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  2. Pingback: Tessa Korber: Ich liebe dich nicht aber ich möchte es mal können | Wortgestalten

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