Antonia Hodgson: Das Teufelsloch

Anfang des 18. Jahrhunderts landet der sorglose Tom im berüchtigten Marshalsea-Gefängnis in London. Um dort wieder hinaus zu kommen, soll er den Mord an einem anderen Insassen aufklären. Doch wem kann er in dieser Kloake von Dreck, Korruption und Falschheit trauen? Nur wenige Tage bleiben Tom und er blickt in dieser Zeit in die tiefsten Abgründe menschlicher Verschlagenheit.

Mein Lieblingssatz: „Er fuhr zusammen, dann lächelte er breit und präsentierte mir eine kleine Kollektion ruinierter Zähne.“

_Das TeufelslochLondon, 1729: Tom Hawkins hat bei den falschen Leuten Schulden. Zunächst scheint ihm das Glück hold, denn am Spieltisch gewinnt der sorglose Tunichtgut immerhin die Hälfte des Geldes, das er zahlen muss. Das bewahrt ihn vor dem Schuldnergefängnis. Noch in der gleichen Nacht wendet sich das Blatt. Tom wird überfallen, sein Geld wird geraubt und er wird übel verprügelt.
Prompt wird er am folgenden Tag ins berüchtigte Marshalsea verbracht. Hier gilt, das Sagen hat derjenige, der Geld hat. Tom landet auf der sogenannten Masters Side. Der Bereich des Gefängnisses für Menschen mit wenigstens etwas Geld in der Tasche. Hier kann das Leben verhältnismäßig angenehm sein. Im Kaffeehaus, dem Restaurant und der Schenke kann man seinen Tag verbringen. Wer es sich leisten kann, erhält ein Zimmer mit nur einem weiteren Gefangenen.
Auf der Common Side landen alle, die keinen Pfennig mehr haben. Sie vegetieren in Dreck und Elend, ohne Essen und ohne Trinken. Wer hier eingepfercht ist, schließt mit dem Leben ab. Tom will also alles tun, um auf der angenehmeren Seite des Marshalsea zu bleiben.
Im gefürchteten und verschlagenen Samuel Fleet findet er sowohl einen Gönner als auch Zimmergenossen. Freilich tut auch Fleet nichts einfach so aus Nächstenliebe. Immer wieder bekommt Tom seine Ränke zu spüren. Auch den brutalen Gefängnisdirektor Acton, dessen heimtückischen Sekretär Grace, den aalglatten Gerichtsschreiber Gilbourne sowie den „Kleinunternehmer“ Hand lernt Tom kennen. Alle korrupt und machtgierig bis aufs Äußerste.
Die Geister scheiden sich jedoch, wenn es um einen noch nicht lange zurückliegenden Mord geht. In ebenjenem Bett, in dem nun Tom nächtigt, wurde Captain Roberts vor wenigen Monaten ermordet. Vom Besitzer des Gefängnisses erhält Tom das Angebot den Mord aufzuklären. Dafür sollen seine Schulden beglichen und er freigelassen werden. Nicht eben begeistert nimmt Tom das Angebot an. Sein zweifelhaftes Talent Schwierigkeiten anzuziehen wird durch diesen Auftrag geradezu verdoppelt.

Voll des Lobes

Huiiii, was für eine tolle spannende und gruselige Lektüre. Das hat richtig viel Spaß gemacht. Wenn auch natürlich die Schilderungen der entsetzlichen Lebensumstände im Gefängnis nicht lustig waren. Denn diese entstammen zum großen Teil auf den Tagebuchaufzeichnungen eines Häftlings aus dieser Zeit. Aber es war äußerst unterhaltsam, voller Intrigen und Ränke, viele Geheimnisse, ein wenig Liebe, auch Humor und überraschende Wendungen. Ich habe es sehr genossen.
Die Erläuterungen vor und nach der Geschichte fand ich persönlich sehr interessant. Insbesondere zur Realitätsnähe und den (teilweise) tatsächlich existierenden Figuren. Die Charaktere sind fantastisch gezeichnet und werden vor dem geistigen Auge überaus lebendig. Man kann in die Geschichte kopfüber eintauchen und wird völlig eingenommen.
Man merkt, ich bin voll des Lobes für „Das Teufelsloch“. Ein grandioses Buch, toll geschrieben. Klar, dass ich es allen weiter empfehle.

 

Autorenporträt
Antonia Hodgson stammt aus Derby und studierte Englische Literatur in Leeds. Seit über 15 Jahren arbeitet sie in der Verlagsbranche und ist derzeit Cheflektorin bei Little, Brown UK. Wenn sie nicht gerade schreibt oder arbeitet oder »Game of Thrones« schaut, sitzt sie gern in der British Library und liest Mordgeständnisse aus dem 18. Jahrhundert.

Buchinfo
„Das Teufelsloch“ von Antonia Hodgson, erschienen August 2014,
Hardcover: Knaur HC, 496 Seiten, € 19,99, ISBN: 978-3-426-65345-6
eBook: Knaur eBook, 512 Seiten, € 17,99, ISBN: 978-3-426-42236-6

Quellen
Bild: www.droemer-knaur.de / Text (außer Autorenporträt): Susanne

2 Gedanken zu “Antonia Hodgson: Das Teufelsloch

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