Mascha Kaleko: Liebst du mich eigentlich?

Die Beziehung zwischen Mascha Kaleko und ihrem Mann Chemjo ist geprägt von einer tiefen Verbundenheit und Liebe. Gemeinsam mit ihm und dem gemeinsamen Sohn Steven emigriert sie in den 30er Jahren von Berlin nach Amerika. 1956 kehrt sie das erste Mal zurück nach Deutschland. Ihre Gedichte sollen auch in Deutschland wieder veröffentlicht werden. Ihr Mann Chemjo kann sie nicht begleiten, also schreibt Mascha ihm seitenlange Briefe.

_Liebst du mich eigentlichIm Frühjahr 1956 kommt Mascha Kaleko zum ersten Mal seit ihrer Emigration wieder nach Deutschland. Ihr geliebter Mann kann sie nicht begleiten. Also schreibt sie ihm. Täglich verfasst sie teils seitenlange Berichte. Erzählt ihm von Schwierigkeiten eine günstige und saubere Unterkunft zu finden, von den Preisen für Essen und Kleidung, ihren Treffen mit Verlegern und Zeitungsmenschen, überhaupt ihren Begegnungen.
Insbesondere in Berlin spricht sie von der Neuentdeckung altbekannter Straßen und Häuser. Und von der unerwarteten Begegnung mit ihrer seit dem Krieg verschollenen Schwester Lea. Ihre Gemütslage und ihr Arbeitspensum und ihre Erfolge schreibt sie in den Briefen nieder. Und natürlich auch ihre Sehnsüchte. Nach ihrem Mann, die Vorfreude auf seinen Besuch, die Hoffnung sein Asthma könnte sich in Europa bessern, ihr Wunsch auf Nachricht von ihrem Sohn.
Die Briefe sind angefüllt mit Kleinigkeiten, Sorgen, Freude und Plänen. Und am Ende fast jeden Briefes findet sich das Kürzel „L.d.m.e.?“ – Liebst du mich eigentlich? Offenabr Maschas und Chemjos Formel sich gegenseitig ihrer Liebe zu versichern.

Strahlt innige Verbundenheit aus

Mascha Kalekos Briefe an ihren Mann sind keine Liebesbriefe im herkömmlichen Sinn. Es gibt keine schwülstigen Beteuerungen oder schmachtenden Sätze. Aber sie strahlen eine innige Verbundenheit, eine große Liebe aus. Sie will alles mit Chemjo teilen, freut sich unbändig auf ihn und ist von sich selbst enttäuscht, als die gemeinsame Zeit nicht so friedvoll und innig verläuft, wie Mascha sich das wünschte.
Der Leser begleitet Mascha auf ihrer Europareise 1956 genauso wie ihr Mann Chemjo. Wobei nicht alle Briefe von Mascha Kaleko abgedruckt sind. Chemjos Briefe fehlen komplett. Sie wurden wohl von Mascha selbst vernichtet.
Mitunter war es etwas schwierig dem Inhalt zu folgen, wenn verschiedene Personen erwähnt werden. Dann rätselt man als Außenstehender teilweise wer das ist und in welchem Verhältnis die Schreiberin zu ihr/ihm steht. Alles in allem ist es wohl eine Lektüre eher für Kaleko-Fans, die sich ein wenig mit der Dichterin und ihrem Leben auskennen.

 

Autorenporträt
Mascha Kaléko (1907 – 1975) fand in den Zwanzigerjahren in Berlin Anschluss an die intellektuellen Kreise des Romanischen Cafés. Zunächst veröffentlichte sie Gedichte in Zeitungen, bevor sie 1933 mit dem ›Lyrischen Stenogrammheft‹ ihren ersten großen Erfolg feiern konnte. 1938 emigrierte sie in die USA, 1959 siedelte sie von dort nach Israel über. Mascha Kaléko zählt neben Sarah Kirsch, Hilde Domin, Marie Luise Kaschnitz, Nelly Sachs und Else Lasker- Schüler zu den bedeutendsten deutschsprachigen Lyrikerinnen des 20. Jahrhunderts.

Buchinfo
„Liebst du mich eigentlich?“ von Mascha Kaleko, Herausgegeben von Gisela Zoch-Westphal und Eva-Maria Prokop, erschienen Januar 2015 bei dtv
Hardcover: 160 Seiten, € 9,90, ISBN 978-3-423-28039-6
eBook: Format: ePub, 192 Seiten, € 7,99, ISBN 978-3-423-42448-6

Quellen
Bild: www.dtv.de / Text (außer Autorenporträt): Susanne

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