Anekdoten aus Schottland 9: Das Tankproblem und die 2. Bootstour

Ich bin früh wach am Sonntag. Das hilft mir aber leider nicht viel. Denn der Tank von meiner kleinen Knutschkugel ist nur noch spärlich gefüllt und die örtliche Tankstelle hat Sonntags geschlossen. Bereits am Vortag hatte ich die Dame an der Hotel-Rezeption darauf angesprochen. Sie meinte, ich solle am Sonntag um 9.00 Uhr wieder kommen, dann könne sie mir sicher weiter helfen.

Bis dahin ist noch etwas Zeit. Ich raffe schon mal meine Klamotten zusammen und verbringe alles ins Auto. Dann mache ich einen kleinen Spaziergang zum Campingplatz. Dort ist noch alles recht ruhig. Aber der Platz liegt direkt am Meer. Über ein paar hölzerne Treppen gelange ich auf einen Aussichtspunkt oberhalb eines schönen Sandstrandes. Es ist windig, aber die Aussicht ist schön. Ich meine, einen Seelöwen-Kopf im Wasser zu sehen. Kann aber bei nochmaligem Hinsehen, nichts mehr entdecken. Habe ich erwähnt, dass ich neben meiner Digicam auch ständig mein Fernglas dabei hatte? Wenn nicht, habe ich das hiermit getan.

AaS 9-1

Vogelnistplatz „Stroma“ vor John O´Groats

Ich genieße noch ein wenig die Seeluft und kehre dann zum Hotel zurück. Auf Nachfrage ist der Besitzer der Tankstelle tatsächlich bereit mir für 20 Pfund Kraftstoff in meinen Tank zu füllen. Ich bin sehr dankbar. So kleine Orte haben halt doch den Vorteil, dass sowas mal eben geht.

Zufrieden ziehe ich weiter. In der nächsten größeren Stadt tanke ich meinen Wagen richtig voll und statte einem Supermarkt einen Besuch ab. Ich bin neugierig, was der schottische Lidl zu bieten hat. Der Unterschied zu Deutschland ist nicht allzugroß.

Schließlich lange ich in John O´Groats an. Das ist sozusagen der nördlichste Punkt der Hauptinsel. Es gibt auch im Süden ein John O´Groats. Hier kann man sich vor diversen Wegweisern fotografieren lassen, die die Meilen bis nach New York oder Hong Kong oder so anzeigen. Ich verkneife mir hier aber ein Bild.

Eigentlich stand ein Ausflug nach Orkney auf meinem Plan. Von Thurso wollte ich mit der Fähre dorthin. Auf einer der Orkney-Inseln gäbe es die Nistplätze der Papageientaucher – auch Puffins genannt – zu sehen. Ich schwanke ob ich das tatsächlich machen soll. Von John O´Groats ginge auch eine Fähre nach Orkney.

Unzähliche Tordalken nisten auf Stroma

Unzähliche Tordalken nisten auf Stroma

Zunächst entschließe ich mich zu einem weiteren Bootsausflug. Leider gibt es auch dieses Mal keine Delphine oder Robben zu sehen. Dafür wieder jede Menge Vögel. Hauptsächlich Möwen, Tordalken und Basstölpel bekommen wir zu sehen. Die Tordalken sehen fast so aus wie Pinguine. Ganze Inseln und Felsen sind davon bevölkert. Mit dem Bug des Schiffes fahren wir ganz dicht unter eine solche dicht belagerte Felshöhle. Der Kapitän warnt uns noch vor den unschönen Ausscheidungen der Vögel. Ausgerechnet eine Inderin hat die Arschkarte – sie kriegt eine volle Ladung auf die Stirn. Ins Auge geht gottseidank nichts.

Zurück auf dem Meer kriege ich auch endlich die putzigen Papageientaucher – die hier den süßen Namen „Puffins“ tragen – zu sehen. Leicht zu erkennen an ihren leuchtend bunten Schnäbeln. Es ist zu niedlich zu beobachten, wie sie nacheinander abtauchen, sobald das Schiff ihnen zu nahe kommt.

Wieder an Land mache ich mich auf die Suche nach einer Übernachtungsmöglichkeit. John O`Groats ist nur ein Ausflugsziel ohne Hotel oder Pension. Und alles in der Nähe scheint schon ausgebucht. Nach einer längeren Irr- und Suchfahrt, niste ich mich schließlich in einem Hotel unweit von John O´Groats ein. Die Unterkunft ist teuer und es gibt nichts, was man sich in der Nähe noch ansehen könnte.

Ich schalte ausnahmsweise den Fernseher ein und sehe mir eine Folge „Top Gear“ an. Heute zu Gast: ausgerechnet der von mir als Sherlock Holmes-Darsteller geliebte Benedict Cumberbatch.

Für den nächsten Tag beschließe ich zurück nach Thurso zu fahren und doch nach Orkney überzusetzen.

Mehr Anekdoten aus Schottland findet Ihr HIER

2 Gedanken zu “Anekdoten aus Schottland 9: Das Tankproblem und die 2. Bootstour

  1. Hallo Sanne,

    ich finde es so schön, dass du deine Eindrücke aus Schottland hier teilst. Es macht mir unglaublichen Spaß, deine Erlebnisse zu lesen. Ich möchte auch unbedingt einmal nach Schottland und habe mir immer vorgestellt, es so zu organisieren, wie du es auch getan hast. Bisher ließen die finanziellen Mittel und sonstigen Verpflichtungen (das alte Problem mit der Hundeunterbringung) es nicht zu. Aber eines Tages, das schwöre ich mir immer wieder.
    Für einige mag es befremdlich sein, aber ich finde es auch großartig, dass du dort völlig allein hingefahren bist. Ich beneide dich regelrecht um diese Erfahrung. Keine Kompromisse, keine Diskussionen, das maximal mögliche Maß an Freiheit. Zumindest stelle ich es mir so vor.
    Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass die Suche nach einer Unterkunft abends ziemlich nervig sein kann, aber ich muss auch sagen, als ich so eine Reise quer durch Europa mit meinem Vater unternommen habe, kamen dabei auch Situationen zu Stande, die es sonst (mit Planung) nie gegeben hätte. Wer verbringt schon mal eine Nacht im Auto mitten auf einer Lichtung im slowenischen Wald? 🙂

    Ich freue mich sehr darauf, weiterzulesen und will jetzt schon nicht wahr haben, dass du ja auch irgendwann wieder nach Hause musstest.

    Liebe Grüße,
    Elli

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  2. Hallo Elli,

    es freut mich, dass die Dinge die mich im letzten Jahr so sehr beeindruckt haben, heute auf diese Weise auch andere Leser erfreuen.

    Ich kann Schottland nur empfehlen. Am Ende der Anekdoten-Reihe – die im Übrigen bis Nr. 20 geht, ich konnte mich nicht kürzer fassen *g* – gibt es noch ein paar Tipps von mir. Die Erfahrung war wirklich einmalig. Ich bin ja noch nicht so viel rumgekommen in der Welt, aber im Vergleich zu den anderen Auslandsurlauben, war Schottland einfach der Wahnsinn. Allein wenn ich daran denke, bekomme ich schreckliches Fernweh, dass es körperlich weh tut. Das hält jetzt schon fast ein Jahr an! Total blöd eigentlich.

    Wie Du sagst, war die tägliche Suche nach einer Unterkunft ziemlich nervig mit der Zeit. Obwohl die Hostel schon eine gute Sache sind. Vorplanen wäre möglich, aber auch hier sagst Du das schon richtig – hätte ich vorgeplant, ich wäre z.Bsp. weder im hübschen Thistle Do-Cottage gelandet, noch hätte ich meinen Plan über den Haufen werfen können. Meinen spontanen Entscheidungen haben mich so viel mehr erleben lassen, als wenn ich streng nach Plan vorgegangen wäre. Das wird sich in den nächsten Anekdoten noch zeigen. 😉

    Wenn ich wieder nach Schottland fahre, dann miete ich entweder ein größeres Auto in dem ich schlafen kann oder nehme tatsächlich ein Zelt mit. Obwohl ich nicht weiß, ob ich den Mut habe ganz allein irgendwo in der Pampa mein Zelt aufzuschlagen und dort zu pennen.

    Danke für Deine Nachricht und einen schönes Wochenende. 🙂
    sanne

    Gefällt 1 Person

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