Jussi Adler-Olsen: Erwartung – Der Marco-Effekt

Sonderdezernat Q ist wieder im Einsatz. Nach kurzem Auslandsaufenthalt erwartet Dezernatleiter Carl Morck allerdings eine böse Überraschung im Polizeipräsidium. Er muss sich mit einem neuen Chef, dessen Spitzel in seiner Abteilung und einem kniffligen Fall beschäftigen. Dazu privates Freud und Leid – und ein geheimnisvoller Junge, der immer wieder vor Carl davon läuft.

Marco hat es satt tagein tagaus mit den anderen Kindern auf die Straße geschickt zu werden, um Menschen anzubetteln und zu bestehlen. Mit seinen 15 Jahren ist er ein aufgeweckter und wissbegieriger Junge. Für seine Position im kriminellen Clan von Zola ist das gar nicht gut. Der Führer der Zigeunertruppe droht mit einem drastischen Unfall, sollte Marco sich nicht bald fügen. Zeit für den Jungen abzuhauen.Erwartung
Bei seiner Flucht entdeckt Marco eine bereits stark verweste Leiche. Einige Merkmale kann er dennoch ausmachen – und diese entdeckt er Wochen später auf einer alten Suchmeldung. Inzwischen verdient er sein Geld mit kleineren Jobs, ist bei einem schwulen Pärchen untergekommen und sitzt so oft es geht in der Bibliothek, um die verschiedensten Bücher zu lesen. Er ist sich trotzdem der Gefahr durch Zolas Leute immer bewusst und auch seine Angst vor der Polizei kann er nicht ablegen. Was es schwierig macht, sein Wissen um die gefundene Leiche weiter zu geben.
Genau wie Marco stößt auch Rose aus dem Sonderdezernat Q auf die zwei Jahre alte Suchmeldung. Sofort wittert sie einen neuen Fall und verbeisst sich. Natürlich wird sie unterstützt von ihrem Kollegen Assad, der sich nach einer schweren Verletzung langsam wieder erholt. Ihr Chef Carl Morck ist weniger begeistert. Zum einen stört das seine Entspannungsphasen im Büro und zum anderen setzt ihm der Führungswechsel im Präsidium zu. Hat sein Vorgesetzter Marcus Jacobsen ihn bisher unterstützt bzw. freie Hand gelassen, weht nun mit Lars Bjorn ein neuer rauer Wind durch Carls Dezernat. Sind die beiden sich doch seit Jahr und Tag spinnefeind.
Doch Rose bleibt hartnäckig und bald sieht auch Carl, dass an dem Vermisstenfall mehr dran ist. Denn der verschwundene Mann arbeitete für die Regierung und hatte mit Förderprojekten in Millionenhöhe zu tun. Und plötzlich steht auch das Thema Pädophilie im Raum. Erklärt das den Jungen, den Carl immer wieder bei seinen Nachforschungen zu dem Vermissten sieht?

Die reinste Freude

Regelrecht nahtlos knüpft Adler-Olsen mit seinem Neuling an den Vorgänger „Verachtung“ an. Sowohl was die Story angeht als auch qualitativ.
Immer wieder eine Freude all den eigenwilligen Figuren Carl, Rose und Assad zu folgen. Und auch der neue Protagonist im Sonderdezernat verspricht Kurzweil und Aufregung. Es tut gut zu sehen, welchen Einfluss Carls Privatleben auf seinen Job hat. Es macht ihn trotz seines schwierigen Charakters menschlicher und liebenswürdiger.
Auch mit Marco ist ein weiterer starker Charakter im Buch vertreten. Selbst als Leser ist man sich der ständigen Gefahr bewusst in der Marco lebt. Der Zwiespalt des Jungen wird immer wieder deutlich.
„Erwartung“ kann man kaum aus der Hand legen. Die Spannung ist groß, das Tempo – gerade in den Marco-Passagen – hoch und die Verschwörungen düster. Wunderbar um damit am Wochenende auf der Couch zu sitzen und dem Alltag zu entfliehen. Für mich ganz klar ein Bestseller.

Autorenporträt
Jussi Adler-Olsen wurde am 2. August 1950 unter dem bürgerlichen Namen Carl Valdemar Jussi Henry Adler-Olsen in Kopenhagen geboren. Er studierte Medizin, Soziologie, Politische Geschichte und Film. Bevor er 1995 mit dem Schreiben begann, arbeitete er in verschiedensten Berufen: als Redakteur für Magazine und Comics, als Koordinator der dänischen Friedensbewegung, war Verlagschef im Bonnier-Wochenblatt TV Guiden und Aufsichtsratsvorsitzender bei verschiedenen Energiekonzernen. Sein Hobby: Das Renovieren alter Häuser. Er ist verheiratet und Vater eines Sohnes. 1997 erschien sein erster Roman › Das Alphabethaus‹ (ab Februar 2012 auch in Deutschland). Er erreichte in Schweden, Holland und Finnland, Spanien, Südamerika und Norwegen die Spitzen der Bestsellerlisten. Es folgten die Romane ›Firmaknuseren‹ (2003) und ›Washington Dekretet‹ (2006), bevor er 2007 mit dem ersten Fall für Carl Mørck, › Erbarmen‹, einen Riesenerfolg hatte. 2008 stürmte er auch mit › Schändung‹, dem zweiten Fall für Carl Mørck, 2009 mit ›Erlösung‹, dem dritten Fall für Carl Mørck, und 2010 mit › Verachtung‹, dem vierten Fall für Carl Mørck, (in DK: ‚Jounal 64‘; ab September 2012 auch in Deutschland) die Bestsellerlisten. Die auf zehn Teile angelegte Carl-Mørck-Serie wird ab 2012 im Rahmen einer europäischen Co-Produktion (Zentropa und ZDF) für Kino und Fernsehen verfilmt. Jussi Adler-Olsen wurde u. a. ausgezeichnet mit dem Harald-Mogensen-Krimipreis 2009 für ›Erlösung‹, dem Reader’s Bookprize 2010, einem der bedeutendsten Literaturpreise Dänemarks, dem Glass Key Award 2010 – dem bedeutendsten Krimipreis Skandinaviens. Jussi Adler-Olsen ist außerdem Preisträger des Goldenen Lorbeers 2011, der wichtigsten literarischen Auszeichnung Dänemarks für das Gesamtwerk eines Autors. ‚Erlösung‘ ist Jahresbestseller 2011 in Deutschland. Jussi Adler-Olsen ist Dauergast auf der SPIEGEL-Bestsellerliste.

Buchinfo
„Erwartung – Der Marco-Effekt“ von Jussi Adler-Olsen, erschienen im Oktober bei DTV, Hardcover, 576 Seiten, € 19,90, ISBN 978-3-423-28020-4

Quellen
Bild: www.dtv.de / Text: Susanne

4 Gedanken zu “Jussi Adler-Olsen: Erwartung – Der Marco-Effekt

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