Tom Reiss: Der schwarze General

Wenn auch nicht jeder das Buch tatsächlich gelesen hat, so ist „Der Graf von Monte Christo“ von Alexandre Dumas doch vielen ein Begriff. Dass es sich dabei nicht nur um pure Fantasie des Autors handelt, zeigt nun „Der schwarze General“ von Tom Reiss. Denn besagter General ist mit seinen Erlebnissen das Vorbild für den berühmten Grafen und dazu ist er der Vater von Alexandre Dumas dem Schriftsteller.

Eigentlich denkt man bei dem Namen Alexandre Dumas als erstes an den Autor des Klassikers „Der Graf von Monte Christo“. Literaturkundige denken womöglich auch an dessen gleichnamigen Sohn, der ebenfalls Schriftsteller war. Dass es einen weiteren Alexandre Dumas gab, der Frankreichs Geschichte mitgestaltet hat, ist aber weit weniger Menschen bekannt. Doch genau dieser Alexandre Dumas ist es, der als Vorbild für den berühmten Grafen im Roman seines gleichnamigen Sohnes dient.Der schwarze General
Thomas Alexandre Davy de la Pailleterie wird 1762 auf der französischen Insel Saint-Dominge (heute die Insel Haiti) geboren. Er ist der Sohn eines weißen, französischen Adligen und einer schwarzen Sklavin. Als Teenager folgt er seinem Vater nach Frankreich, wo er ungeachtet seiner dunklen Hautfarbe ein ungewöhnlich privilegiertes Leben führt. (Frankreich ist zu dieser Zeit weitaus toleranter als der Großteil der Welt was die Hautfarbe angeht.)
Als ehrgeiziger junger Mann verpflichtet er sich als einfacher Soldat. Er gibt den Namen Alex Dumas an – den Mädchennamen seiner Mutter. Nicht lange und er steigt auf. Seine Kraft, sein Mut und sein Enthusiasmus sind bald legendär. Neben seiner dunklen Hautfarbe ist Alex vor allem aufgrund seiner Physiognomie eine Augenweide. Temperament und Charme sowie ein ausgeprägter Gerechtigkeitssinn machen aus ihm einen bewunderten und respektierten Mann in der Armee.
In den Wirren der Revolution hilft er denen, die sich nicht selbst schützen können. Nur wenige Jahre später ist er ein angesehener Offizier und darf auch Marie-Luise, die Liebe seines Lebens heiraten. Dennoch bleibt er der Armee treu und zieht an der Seite eines anderen – später weitaus berühmteren – Zeitgenossen in den Krieg. Kein geringerer als Napoleon Bonaparte begleitet Alex Schicksal über viele Jahre. Ob dessen Sinn für Gerechtigkeit, kann Napoleon, der nur auf den eigenen Vorteil bedacht ist, den inzwischen zum General beförderten Dumas nicht leiden.
Gemeinsam ziehen sie in den Ägypten-Feldzug, von dem Napoleon sich bald heimlich zurück nach Frankreich stehlen wird. Alex Rückkehr ist schwieriger – sein Schiff gerät in Seenot und statt die erhoffte Hilfe im Hafen von Ta … zu erhalten, landet er zwei Jahre lang als Gefangener im Königreich Neapel.
Zurück im Schoße der Familie ist er gezeichnet von seiner Haft. Danke Napoleons Betreiben verschärft sich der Rassismus in Frankreich deutlich und der ehemals gefeierte Alex Dumas erhält keine Möglichkeit wieder in der Armee zu dienen. Einzige Freude neben seiner Frau ist sein kleiner Sohn – Alexandre Dumas.
Mit nur 44 Jahren stirbt General Alexandre Dumas.

Französische Geschichte spannend und interessant

Der dicke Schmöcker ist durchaus etwas beängstigend. Ich habe mich gefragt, warum um Himmels willen ich dieses Buch unbedingt lesen wollte. Die Lektüre jedoch hat meine Skepsis auf ihren Platz verwiesen.
Die Biographie ist sehr unterhaltsam geschrieben. Ja, es warten viele Informationen auf den Leser – nicht nur zum Leben vom General. Auch die Sitten und Bräuche, die Irrungen und Wirrungen im Frankreich des ausgehenden 18. Jahrhunderts, die Innen- und außenpolitischen Ereignisse kommen ebenso zum Zug, wie kleinere Anekdoten rund um die Personen mit denen Dumas zu tun hatte.
Über seine Recherchearbeit berichtet der Autor wie über eine Schatzsuche und steckt den Leser mit seinem Enthusiasmus an. Den General nimmt man als faszinierenden, aufrichtigen und mutigen Mann zur Kenntnis – kein Wunder, dass sein Sohn so beeindruckt war.
Französische Geschichte interessant, bewegend und so überhaupt nicht langweilig aufbereitet, dafür gibt es eine ganz große Empfehlung.

Autorenporträt
Tom Reiss lebt als Autor und Journalist in New York. Er schreibt unter anderem für ›The New Yorker‹, ›The Wall Street Journal‹ und ›The New York Times‹. Sein erstes auch auf Deutsch erschienenes Buch ›Der Orientalist. Auf den Spuren von Essad Bey‹ (2008) war ein Weltbestseller. Für ›Der schwarze General‹ wurde Tom Reiss 2013 mit dem Pulitzer-Preis für Biografie ausgezeichnet.

Buchinfo
„Der schwarze General“ von Tom Reiss, erschienen im September 2013 bei DTV Hardcover, 544 Seiten, € 24,90, ISBN 978-3-423-28017-4

Quellen
Bild: www.dtv.de / Text: Susanne

2 Gedanken zu “Tom Reiss: Der schwarze General

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