Jasper Fforde: Irgendwo ganz anders

Vor 14 Jahren arbeitete Thursday Next in der Realität als Agentin für Special Operations  Network– kurz SpecOps oder SO – 27 und kümmerte sich um Aufgaben, die für die Polizei zu speziell waren. Wie beispielsweise Vampirjägerei oder Zeitreisen. Thursday allerdings wurde in der BuchWelt als Agentin der Jurisfiktion eingesetzt. Sie sorgte dafür, dass Personen in den vielen Büchern der BuchWelt weder geändert noch unrechtmäßig getötet wurden. Oder Bewohner anderer Bücher die Handlungen nicht verfälschten oder auch nur in fremden Büchern rumschnüffelten. Doch inzwischen ist SpecOps Geschichte.

Irgendwo ganz andersObwohl ihre SpecOps-Abteilung SO 27 seit vielen Jahren nicht mehr existert, begibt sich Thursday Next noch immer heimlich in die BuchWelt und arbeitet als Agentin für Jurisfiktion daran, dass Bücher so erhalten bleiben wie sie geschrieben wurden. Grund zur Besorgnis ist im Moment nur die immer weiter sinkende Zahl der Leser.
Gleichzeitig muss Thursday sich jedoch während ihrer Aufgaben um eine neue Auszubildende kümmern: Thursday5.
Nach ihren Abenteuern wurden auch über Thursday Next ganze fünf Bücher geschrieben. Die Bände 1-4 strotzen nur so vor Gewalt und Sex. In Band 5 hingegen avanciert Thursday zu einer veganen, verweichlichten Ökotussi, die lieber umarmt als zu töten. Da Jurisfiktion aber neue Agenten braucht, soll nun Thursday ihr Alter-Ego auf Tauglichkeit prüfen.
Zu allem Überfluss, drückt man ihr eine weitere Anwärterin aufs Auge, die es sich bereits mit allen anderen Agenten verscherzt hat. Es handelt sich hier um keine andere als Thursday 1-4 – die Protagonistin aus den blutrünstigen Erstlingswerken um Agentin Next. Erwartungsgemäß gibt es bald ganz gehörigen Ärger in der BuchWelt.
Und auch in der Realität hat Thursday es alles andere als einfach. Ihre Scheinfirma für Teppiche macht nur Verluste, weil sich alle mehr um das Jagen von außergewöhnlichen Lebewesen kümmern als ums Teppichverlegen. So ist Thursday immer wieder zum Käseschmuggel gezwungen, um Geld in die Kasse zu kriegen. Nebenbei versucht sie ihren faulen und der Hygiene eher abgeneigten Teenagersohn Friday zu einer Ausbildung bei der ChronoGuarde zu bewegen. Dank verschiedener Zeitreisen ist ihr Sohn ihr bereits in verschiedenen Altersstadien begegnet und macht eine ganz außergewöhnliche Karriere bei der ChronoGuarde. Doch der müffelnde Mensch im Zimmer ihres Sohnes macht gar keine Anstalten sich dafür zu interessieren.
In 48h aber steht das Ende der Zeit an und nur Friday kann die Wende herbei führen.

Ungeheurer Lesespaß mit Warnung

Das Buch ist ein ungeheurer Spaß und platzt vor lauter abstrusen Ideen aus seinem Einband. Es kommt keine Langeweile auf und es ist immer wieder eine Freude, wenn man mehr oder weniger bekannte Gesichter aus der Literatur entdeckt. Bei den Beschreibungen des Innenlebens eines Buches spürt man die Liebe zum geschriebenen Wort und die Begeisterung die einen mitreißt. Ganz zu schweigen von der Idee des „DummheitsÜberschusses“, den die Regierung in Thursdays Welt anlegt, um ihn später mehr oder minder gezielt mit einer völlig bescheuerten Handlung wieder zu verballern. Kommt einem irgendwie bekannt vor.
Dennoch möchte ich vor leichtfertiger Lektüre warnen. Gerade weil es so viele wunderbare und lustige und verblüffende Ideen gibt, empfiehlt es sich, diese Buchreihe am Anfang zu beginnen. Es ist nicht so, dass das Buch sich sonst nicht lohnt, aber es ist doch ob der vielen Verwinkelungen mit den Zeitreisen – gerade in Bezug auf Friday – ratsam vorne anzufangen. Die Zusammenhänge sind dann schlicht verständlicher.
Aber ich denke, selbst wer dieses Buch zuerst liest, wird spätestens anschließend auch alle Vorgänger (und natürlich Nachfolger) ebenfalls verschlingen wollen.

Autorenporträt
Jasper Fforde wurde 1961 geboren. Seine Romane schrieb er 14 Jahre lang neben seiner Arbeit als Kameramann bei verschiedenen Filmproduktionen. Die Reihe um die Literatur-Geheimagentin Thursday Next ist inzwischen zur Kultserie geworden.

Buchinfo
„Irgendwo ganz anders“ von Jasper Fforde, erschienen 2011 bei dtv, Taschenbuch, 416 Seiten, € 9,95, ISBN 978-3-423-21297-7

Quellen
Bild: www.dtv.de / Text: Susanne

Ein Gedanke zu “Jasper Fforde: Irgendwo ganz anders

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