Daniel Domscheit-Berg: Inside WikiLeaks

WikiLeaks wurde bekannt als Plattform, die geheime Dokumente – mal mit mehr mal mit weniger brisantem Inhalt – der Öffentlichkeit zugänglich macht. Doch über sich selbst gab und gibt WikiLeaks wenig bis gar nichts bekannt. Oder zumindest wenig, das der Wahrheit entspricht. Nun hat einer der es wissen muss, seine Sicht der Dinge dargestellt: „Inside WikiLeaks“.

Inside WikiLeaksEs ist September 2007 als Daniel Domscheit-Berg das erste Mal von der Enthüllungsplattform WikiLeaks (WL) hört. Er ist von der Idee die Welt und insbesondere die Machenschaften der Welt transparenter zu machen fasziniert. Er findet WikiLeaks eine gute Sache.
Daniel hat einen Fulltime-Job und gute Kontakte zum Chaos Computer Club (CCC). Dennoch bietet er wenig später im Chat von WL seine Dienste bzw. seine Arbeitskraft an. Nach zwei Tagen spricht Julian Assange ihn daraufhin an und der erste Kontakt ist da.
Auf einer Veranstaltung des CCC treffen sich Daniel und Julian das erste Mal. Daniel ist beeindruckt von diesem Mann, der aus einem Rucksack lebt, keinen Gedanken an seine Kleidung verschwendet, stunden- sogar ganze Tage lang auf seinen Laptop einhacken kann, der sich lässig und mit großen Schritten bewegt und sich nicht davon beeindrucken lässt, dass zu seinem ersten Vortrag nicht einmal 20 Personen erscheinen.
Dennoch bleiben die beiden Männer in Kontakt. Daniel wird der Sprecher von WL und tritt ab da als Daniel Schmitt auf. Nur wenig mehr aktive Mitarbeiter tauchen in den kommenden Jahren bei WikiLeaks auf. Die nach außen propagierte Aufstellung an Personal und Equipment entspricht in keinster Weise den Tatsachen.
Mit zunehmendem Ruhm beginnt die gute Beziehung, in gewisser Weise auch Freundschaft zwischen Daniel und Julian zu bröckeln. Der Gründer Assange ist wohl darauf bedacht, dass niemand ihm diesen Rang streitig macht und niemand seine Führungsposition anzweifelt. Doch entpuppt der eigenbrödlerische und paranoide Australier sich nicht als Mann mit Führungsqualitäten.
Im Dezember 2010 schließlich suspendiert Julien Assange seinen treuen Mitarbeiter Daniel Schmitt alias Daniel Domscheit-Berg. Mit einem weinenden und einem lachenden Auge verlässt dieser die Enthüllungsplattform. Ihm folgen andere Mitarbeiter und gemeinsam wenden sie sich einem neuen Projekt zu: OpenLeaks.

Packende Hintergrundstory

Was zunächst vielleicht wie ein dröger Bericht von einem IT-Fritzen und Computer-Fuzzi wirken mag, ist eine äußerst interessante Story. Voller Informationen zu WikiLeaks und der Arbeit dort, der persönlichen Beziehung zu Julien Assange, den bekanntesten Leaks und vielen Skandalen und Skandälchen um die Plattform.
Ein äußert packend geschriebener Bericht, der natürlich nur die Seite von Daniel Domscheit-Berg zeigt. Um so objektiv wie möglich zu bleiben finden sich aber auch mitgeloggte Chats.
Ein Buch, das mich äußerst positiv überrascht hat und welches ich extrem lesenswert finde. Es ist kurzweilig und verständlich auch für alle die mit PCs oder eben WikiLeaks nichts zu tun hatten bisher. Sehr gelungen und deshalb eine ganz große Empfehlung.

Autorenporträt
Daniel Domscheit-Berg, geboren 1978, war unter seinem Pseudonym Daniel Schmitt zweieinhalb Jahre Sprecher für WikiLeaks. In seinem früheren Leben war der Diplom-Informatiker mit Schwerpunkt IT-Sicherheit für große internationale Unternehmen tätig und engagierte sich für Informationsfreiheit und Transparenz im Netz.

Buchinfo
„Inside WikiLeaks – Meine Zeit bei der gefährlichsten Website der Welt“ von Daniel Domscheit-Berg, erschienen Februar 2011 (Neuauflage August 2012) bei Ullstein, 304 Seiten, Broschur, € 18,00, ISBN-10: 3430201217, ISBN-13: 9783430201216

Quellen
Bild: www.ullsteinbuchverlage.de / Text: Susanne

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