Borneo II: Vom einen Wald in den andern

3. Mai 2018

Am Morgen werde ich geweckt unter anderem von den Rufen der Gibbons. Mein Frühstück besteht aus ein paar Keksen und ein paar Bissen Layercake. Mehr kriege ich gar nicht runter. Mehr ist auch gar nicht da.
Da es bis 9Uhr noch mehr als eine Stunde dauert, laufe ich noch einmal in den Wald und folge den Spuren meines Nachtspaziergangs. Entgegen jeglicher Vernunft hoffe ich irgendeinen Hinweis auf meine nächtliche Begegnung zu finden. Natürlich ist da nichts. Außer dem Laub auf dem Boden. Kein Zettel mit dem Namen des Tieres. Oder ein Foto. Wie blöd. 😉
Nun im Tageslicht laufe ich den ganzen Pfad ab, der sich als kurzer Rundweg herausstellt. Es gibt wenig mehr zu sehen als den üblichen Regenwald. Mir fallen so gar keine Tiere auf, nicht mal eine Ameisenstraße kann ich sehen.

Exklusiver Blick auf die beiden jüngsten Orang Utans

Als es kurz vor 9Uhr ist mache ich mich auf den Weg zu den Unterkünften der Orang Utans und der Outdoor Nurserey. Die Pfleger fangen gerade erst an mit ihrer Arbeit und ich muss noch etwas warten. Bald jedoch bringt jemand die kleine Changeau ins Außengehege und sie bekommt ihr Frühstück. Das ist mit Weißbrot und Bananen nahrhafter und reichlicher als meins. Ich bin fast ein bisschen neidisch.
Die Kleine isst mit großem Appetit vornehmlich das Toastbrot. Und während ich sie beobachte klettert sie an dem Holzgerüst herum. Es ist schön zu sehen, wie sie da ganz oben sitzt. Allerdings wird meine Aufmerksamkeit von einem der Pfleger auf weiteren Nachwuchs gelenkt.
Im Bereich der nicht für die Öffentlichkeit zugänglich ist, steht ein weiteres, kleineres Klettergerüst um einen Baum herum. Darauf krabbelt ein etwa 1jähriger Orang Utan herum. Im Morgenlicht leuchtet sein Fell hellrot-orange auf. Eine Betreuerin sitzt daneben und … naja, von Aufpassen will ich nicht reden, aber sie sitzt halt dabei und guckt hauptsächlich auf ihr Smartphone. Und dabei ist der Kleine so knuffig! Da kommt natürlich das Kindchenschema und der Mutterinstinkt und was nicht noch alles hervor und ich möchte den kleinen Kerl am Liebsten knuddeln. Aber natürlich geht das nicht – selbst wenn er direkt vor meiner Nase wäre.
Daher beobachte ich nur seine tapsigen Versuche zu klettern, sehe zu wie er auf dem Bauch herumrutscht und den Hintern in die Höhe streckt und mit einem Palmwedel spielt. Es wäre entzückend, wenn man nicht wüsste, dass dahinter eine tragische Geschichte stehen muss – sonst wäre er nicht hier.
Die nächste Stunde beobachte ich abwechselnd die beiden Orang Utan-Kinder. Auch für einen Besuch bei Aman und den anderen Orang Utans sowie den Malaienbären bleibt noch Zeit.

Auf ins Baumhaus-Hotel

Um die Mittagszeit kehre ich zurück zum Longhaus, wo schon mein bestelltes Taxi wartet. Es bringt mich zum Permai Rainforest Resort, dem Baumhaus-Hotel. Wie gewünscht kann ich hier wieder Baumhaus Nr. 2 beziehen, von dem aus man so eine tolle Aussicht aufs Meer hat. Ich freu mich.
Meine erste Amtshandlung in der neuen Unterkunft ist Klamotten waschen. Die Gelegenheit ist hier günstig, denn auf dem sonnigen Balkon trocknen die Sachen recht schnell. Eigentlich wollte ich danach den zum Resort gehörigen Trail abwandern, den ich im letzten Jahr nur zu einem Teil geschafft habe. Aber ich bin so dermaßen lustlos auf Wandern bei der Hitze, dass ich mich lieber fürs Baden entscheide. Schließlich werde ich morgen im Bako Nationalpark den ganzen Tag wandern.
Ich mache mich also auf zu dem kleinen Strand am Ende des Resorts. Unterwegs halte ich Ausschau nach Tieren, vornehmlich nach Horst, der grünen Schlange und Karl-Heinz, der riesigen Spinne. Ein Schmetterling ist aber alles was ich sehe.

Wie hätten sie´s denn gern?

Zunächst gehört der kleine Strand ganz mir allein. Wenn nur nicht das Wasser so warm wäre! Das Meer hat hier Badewannentemperatur – für mich zumindest – und taugt wenig zur Abkühlung. Als andere Gäste an den Strand kommen, laufe ich ein Stück weiter. Zwischen den Felsen am Rand des Strandes sehe ich einen Bach, der direkt aus dem Wald kommt. Zwischen großen Steinen sammelt sich das Wasser in kleinen Becken und immer weiter in Richtung Meer vermischt es sich mit dem warmen Wasser. Hier kann ich mir quasi die angenehmste Temperatur aussuchen. Wie cool!
Bald sind mir aber zu viele Menschen an dem kleinen Strand und ich mache mich auf den Rückweg. Unterwegs tauche ich nochmal im Dschungelpool ab, der ebenfalls von einer Quelle aus dem Wald gespeist wird und der entsprechend kalt ist. Hier lerne ich auch zwei Schweizerinnen kennen und habe einen netten Plausch.

Schon wieder nachts im Regenwald

Am Abend habe ich einen Night-Walk, also einen Nachtspaziergang gebucht. Der Guide erwartet mich pünktlich am Treffpunkt und wir ziehen los. Dass er gleich am Anfang unserer Tour einen Fliegenden Lemuren für mich entdeckt, ist super. Allerdings lassen wir ihn in Ruhe und er muss nicht fliegen für mich. Ich freue mich auch so.
Ansonsten sehen wir hauptsächlich Insekten und die ein oder andere Spinne. Keine Schlange, keine Agame – nichts Aufregendes möchte ich fast sagen. Zumal viele der kleinen Tiere ich entdecke. Mein Führer ist schon ganz erstaunt und lobt mich für meine guten Augen. Das geht natürlich runter wie Öl.
Während wir uns durchs Unterholz schlagen, fragt er mich – nicht ganz unberechtigt – ob es in meiner Heimat keine Wälder gäbe in denen ich Wandern könnte und warum ich das hier mache und zuhause nicht. Es ist ziemlich schwer das zu erklären. Nicht nur wegen meinem beschränkten Englisch-Wortschatz, sondern auch weil es eigentlich keinen vernünftigen Grund dafür gibt.

Zwangsaufenthalt im Restaurant

Als letzter Gast sitze ich schließlich beim Abendessen. Der Night-Walk hat länger gedauert als gedacht. Um dem Personal seinen Feierabend zu gönnen, will ich mich mit meinem Getränk in mein Baumhaus verziehen. Weil aber noch bevor ich das Restaurant verlassen kann mit einem Schlag heftiger Regen einsetzt, bleibe ich doch. Es schifft wie verrückt und der Wind bläst den Regen durch die offenen Seitenwände bis ins Restaurant. Meinen Schirm habe ich natürlich im Baumhaus gelassen. Aber selbst mit dem würde ich nass werden.
Gute 45 Minuten sitze ich mit einigen Mitarbeitern im Restaurant fest. Ich nutze die Zeit um mein Reisetagebuch für den heutigen Tag zu schreiben. Dann lässt der Regen endlich nach. Eine Mitarbeiterin reicht mir einen Schirm und ich gehe endlich in meine Unterkunft.
Dort stelle ich fest, dass der Strom ausgefallen ist. Im Licht meiner Taschenlampe absolviere ich die abendliche Dusche. Der Strom kommt erst wieder sobald ich im Bett liege. Ist klar.

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