Borneo II: Wiedersehen mit Aman

2. Mai 2018

Heute werde ich Aman wieder sehen! Es geht raus aus der Stadt ins Matang Wildlife Centre. Juhuu.
Zuvor versuche ich jedoch ein weiteres Mal mein Glück beim Orchideengarten. Fast wollte ich schon beleidigt aufgeben, doch mein Zimmer in der nächsten Unterkunft kann ich ohnehin erst am frühen Nachmittag beziehen. Also stehe ich pünktlich 9 Uhr am Eingang – und der ist verschlossen! Ich kann es nicht fassen. Ich habe doch extra nochmal in den Reiseführer geschaut?!
Allerdings ist das Ganze halbsowild, denn lt. dem Schild am Eingang öffnet der Garten 9.30Uhr. Ich suche mir also ein schattiges Plätzchen und warte. Sobald die Tore sich öffnen, mache ich die Digicam startklar und ziehe los. Die nächsten anderthalb Stunden treibe ich begeistert und fasziniert zwischen Bromelien, Andurien, knorrigen alten Bäumstämmen, vor allem aber Orchideen umher. Unzählige Formen und Farben, hängend und stehend – der Garten hat so viel zu bieten.

Auf in den Regenwald

Kurz vor 11 Uhr wird es Zeit zurück ins Hotel zu gehen. Nochmal schnell duschen, Sachen packen und da ist auch schon ein Taxi.
Ich bin ganz aufgeregt, weil es nach Matang geht. Dort – wie in jedem anderen Nationalpark – muss ich mich am Eingang registrieren und labere schon den Ranger dort voll von meinem Besuch im letzten Jahr. Er heuchelt aber auch Interesse. An der Information hohle ich meinen Schlüssel ab und kann ohne irgendeine Diskussion schon vor der angegebenen Zeit mein Zimmer im Forest-Hostel beziehen. Selbiges ist sehr einfach gehalten. Es stehen vier Betten drin, ein Kühlschrank und ein Ventilator (Da es nur eine Steckdose in Reichweite der beiden Geräte gibt, muss ich mich entscheiden, ob ich kalte Getränke will oder Wind um die Nase.)
Schon wenig später bin ich wieder auf dem Weg zur Information, um meine Geschenke (Sonnenblumenkerne und Rosinen) abzugeben. Der Ranger ist sichtlich verblüfft und es dauert eine Weile bis ich erklärt habe, dass ich die Sachen nicht selber verfüttern will – und bei mir dauert es genauso lange bis ich überhaupt begreife, dass er das zunächst annimmt. Auch ihm erkläre ich den Zusammenhang mit meinem Aufenthalt im letzten Jahr.

Wiedersehen mit Aman

Aber dann geht es endlich zu Aman. Keine Ahnung was ich erwartet habe, jedenfalls ist es anders. Als ich sein Gehege erreiche, ist er nirgends zu sehen. Ich bin enttäuscht und ärgere mich über den Ranger an der Information, der mir ja hätte sagen können, dass Aman heute gar nicht im Außengehege ist. Aber ich bin halt eine dumme Kuh und merke erst nach 10 Minuten, dass Aman gar nicht drinnen eingesperrt ist. Die Tür zwischen Draußen und Drinnen ist offen und er hat sich einfach nach ins Innere verkrümelt.
Als er dann endlich rauskommt, ist es hauptsächlich traurig. Der große schöne Orang Utan-Mann hält sich hauptsächlich auf dem Betonboden des Eingangsbereichs auf, statt auf der deutlich größeren Wiese oder gar dem Klettergerüst. Er wirkt wie schon im letzten Jahr stoisch und extrem gelangweilt. Wahrscheinlich bearbeitet er deshalb so ausgiebig eine Kokosnuss.
In der Zwischenzeit beobachte ich auch die weiblichen Orang Utans und die Jungtiere im Nebengehege. Obwohl die jüngeren teilweise miteinander kabbeln, wirken auch sie ziemlich gelangweilt. Außer mir sind auch so gut wie keine anderen Besucher da. Das ist unter der Woche vermutlich auch nicht verwunderlich.

Zeit bei den Binturongs

Schließlich ziehe ich weiter und besuche auch die anderen Tiere: Hornvögel, Tauben, Gibbons, den verstörten Silbernen Haubenlangur, der Pfau ist neu, die Binturongs und Nebelparder kenne ich, Eulen und Schildkröten, Hirsche und Krokodile. Besonders bei den Binturongs bleibe ich eine ganze Weile stehen, denn die sind gerade ziemlich aktiv. Sogar die beiden Nebelparder wechseln mal die Liegeposition. Zwischendrin flattert eine Eule vorbei und bleibt auf einem nahen Ast sitzen wo ich sie beobachten kann.
Bevor alle Tiere für die Nacht eingeschlossen werden – und das ist schon gegen 16Uhr der Fall – kann ich noch erfahren, wann am nächsten Morgen die kleinsten Orang Utans in der Outdoor-Nurserey sein werden. Damit ich auch was davon habe, hier zu übernachten.
Ich bin der einzige Gast im Longhaus des Forest-Hostel. Außer mir schläft nur noch die Frau eines Mitarbeiters hier. Doch abgesehen von einer kurzen Unterhaltung am Nachmittag, gibt es keinen Kontakt. Immerhin stellen wir aber fest, dass sie mich wohl im letzten Jahr bekocht hat. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass mir ihr Gesicht nicht bekannt vorkommt.

Nachts allein im Wald

Als es dunkel ist, unternehme ich einen kleinen Nachtspaziergang. Gleich neben dem Longhaus beginnt ein Weg in den Wald hinein. Da es kein Naturpfad ist, sondern ein betonierter Weg wage ich einen kurzen Ausflug.
Im grellen Licht meiner Taschenlampe scheint alles sehr geisterhaft. Vor allem die vielen löchrigen Blätter, teilweise sind nur noch Blätterskelette zu sehen. Dazu immer wieder Fäden von Spinnweben im Gesicht und im Ohr das eigenwillige Rufen der Zikaden.
Natürlich entdecke ich unvermeidlich eine Spinne. Sie ist klein und normalerweise würde man überhaupt kein Gewese drum machen. Aber es ist Nachtwanderung und da zählt jedes Tier, das man im Lichtkegel der Taschenlampe sieht. An einer kleinen Brücke angelangt, entdecke ich auch ein Blattinsekt und ein Stabinsekt.
Inzwischen ist mir etwas mulmig. Würde mich irgendjemand hören, wenn ich um Hilfe rufen müsste? Andererseits wer sollte mich hier angreifen? Kein großes Raubtier lebt in diesen Wäldern, dass Nachts unterwegs ist und mich anfallen würde. Ich versuche nicht an Schlangenbisse oder überhaupt irgendwelche Bisse zu denken.

Was ist das???

Halbwegs würdevoll drehe ich mich um und mache mich auf den Heimweg. Ich will zumindest, doch plötzlich raschelt es hinter mir. Mir rutscht das Herz sowas von in die Hose! Und trotzdem drehe ich mich wieder um und suche nach der Ursache. Wie in einem schlechten Horrorfilm, wo man sich denkt „Du blöde Kuh, lauf doch einfach weg!“ Aber natürlich bin ich neugierig. Obwohl mein Gehör und Orientierungssinn jede Zusammenarbeit verweigern, meine ich, dass das Rascheln vom Boden kam und nicht von oben. Ich leuchte also und gucke angestrengt. Und dann huscht etwas vor mir von rechts nach links über den Weg. Bevor ist es richtig erkennen kann, ist es auch schon im Laub auf der anderen Seite verschwunden.
Eine Ratte? Dafür ist es ziemlich groß. Gibt es so große Ratten? Die Kopfform und der scheinbar graue Körper jedenfalls lassen sowas vermuten. Noch in meine Überlegungen hinein raschelt es wieder rechts. Im Licht meiner Taschenlampe kann ich nochmal so eine große „Ratte“ sehen. Ein, zwei Sekunden sehen wir uns an. Dann verschwindet der kleine Kerl wieder im Wald. Zu schnell als das ich ein Foto hätte machen können. Ich bin auch viel zu aufgeregt. Was war das bloß?

Genug Aufregung für heute

Mit schnell klopfendem Herzen mache ich mich nun endgültig auf den Rückweg. So alleine im Wald im Dunkeln ist halt doch angsteinflößend. Auch wenn es vermutlich gar keinen Grund dafür gibt.
Zurück am Longhouse frage ich die andere Bewohnerin nach überdimensionierten Ratten, die es hier vielleicht gibt. Aber ihr ist davon nichts bekannt. Eine spätere Recherche und diverse Befragungen von anderen Naturguides lässt die Vermutung zu, dass ich zwei Palm Civet gesehen haben könnte. Das wäre natürlich toll. (Eine Ratte wurde übrigens ausgeschlossen, denn so große Ratten gibt es auch hier nicht.)

2 Gedanken zu “Borneo II: Wiedersehen mit Aman

  1. Ich liebe Naturdokus. Aber gegen Deine Berichte kommt das alles nicht an! Vielen vielen Dank wieder mal für Deine Berichte ❤ Ich hab mir schon zig mal beim Lesen und Betrachten Deiner Fotos gedacht, ich würde wahrscheinlich weinen, wenn ich so tolle Pflanzen und Tiere live und in Farbe sehen würde!

    Liebe Grüße
    Bine

    Gefällt 1 Person

    • Hallo Bine,

      danke für das schöne Feedback.
      Glaub mir, dass in meinem Urlaub viele (Freuden)Tränen geflossen sind. Ich war oft so beeindruckt, überwältigt und gerührt, dass ich gar nicht anders konnte als ein bisschen heulen. Sogar jetzt beim Bilder ansehen kommen oft die Emotionen hoch. Das ist schön. Es sind einmalige Erinnerungen und Erlebnisse. Und auch die gruseligen Momente. 🙂

      Ich wünsche Dir, dass Du auch mal sowas erleben kannst.
      Liebe Grüße
      Sanne

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