Vorübergehend Katzenmama III

Eine weitere Woche ist ins Land gezogen. Mr. C und ich verstehen uns nach wie vor nur mittelprächtig. Besonders die letzten Tage sind eher so lala. Immerhin hat er mir jetzt beigebracht wie ein anständiges Katzenklo auszusehen hat. Ich habe diese bekloppte 1Katze=1Monat-Streu gegen Klumpstreu gewechselt und er ist zufrieden. Damit ist auch das Problem mit dem Auf-Karton-pinkeln erledigt, das ich letzte Woche erwähnte.

Unser Alltag pegelt sich ein

Unser Alltag hat sich nun eingepegelt. Ich stehe etwas früher auf als normal. Sobald ich im Bad fertig bin, kriegt Mr. C sein Frühstück – frisches Nassfutter und Wasser. Wenn notwendig wird auch Trockenfutter nachgefüllt. Da er zunächst aber Zuwendung will, setze ich mich auf den Boden und streichle den Kater ausgiebig. Zumindest solange wie mein Zeitplan es morgens hergibt oder bis er von selbst befindet es sei genug und zum Futternapf spaziert. Dann wird das Katzenklo (dank der Klumpstreu) vom groben Dreck befreit.
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Mahlzeit: Abendessen

Wenn ich von der Arbeit nach Hause komme und mich umgezogen habe, ist es ähnlich wie am Morgen: Mr. C bekommt frisches Futter und ich setze mich auf den Küchenboden, um ihn zu streicheln und mit ihm zu knuddeln. Dampft er dann ab, um sich nach dem Schmusen den Bauch vollzuschlagen, kümmere ich mich um den Raum wo sein Katzenklo steht. Seit ich Klumpstreu benutze ist der Boden dort zwar jeden Tag mit den kleinen Körnchen übersät, aber immerhin riecht es nicht mehr und das Katzenklo sieht auch sauberer aus. Also am Abend auch noch mal den Dreck aus dem Katzenklo entfernen. (Unfassbar wie viel so ein kleines Tier pinkeln kann!) Ich hab mir extra kleine Müllbeutel besorgt, damit ich das gleich hermetisch verschließen und entsorgen kann.

Er kam dann einige Abende auch zu mir auf die Couch, um sich entweder neben mir oder auf mir niederzulassen. Das ist in der Regel sehr süß – außer wenn er mir seinen Hintern zuwendet, den Schwanz hoch erhoben hat und sich mein Gesicht nur ca. 5cm von seinem Ar… Hintern entfernt befindet. Es ist auch schön und lustig, ihn beim Spielen zu beobachten. Wenn er mit dem Stock kämpft, das Wollknäuel jagt oder eine Klopapierrolle oder wenn er sich in sein Katzenkissen verbeißt. Ich spiele dann auch gern mit.

Streitpunkt Pflanzen und Wände

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Mr. C´s Spuren an der Wand

Nach wie vor geraten wir aber in Streit, wenn es um meine Pflanzen geht. Immer wieder versucht er an den Blättern des Ficus zu fressen oder mit den schmalen Blättern der Palme zu spielen, weil die so schön wippen. Und seit ich den Gummibaum weggestellt habe, um ihm noch mehr Platz am Fenster zu verschaffen, springt er ständig auf den Tisch, wo der Gummibaum nun steht. An einer meiner heißgeliebten, weil aus einem Samen selbst gezogenen Paradiesvogelpflanze hat er beim Spielen ein Blatt abgeknickt. Das klingt für viele sicher nicht dramatisch – wegen so einem doofen Blatt. Für mich, die ich diese Pflanze seit 8 Jahren mit Sorge und Vorfreude auf die erste Blüte ziehe, ist das aber eine ärgerliche Sache. Denn die Pflanze hat zwar lange, aber (noch) nicht so viele Blätter. Und jedes ist mir deshalb kostbar.

Ganz zu schweigen von der Kratzerei an der Wand. Halten sich die Spuren im Flur noch in  Grenzen, habe ich am Donnerstag entdeckt, wie er am Fenster im Gästezimmer wütet. Die Seiten, die mit Raufasertapete beklebt sind, hat er ganz schön zerkratzt, in der Tapete klaffen große und kleine Löcher. Ich hätte heulen mögen. Und … ja, und den Besitzer anrufen und sagen, er soll sein Tier sofort abholen. Das geht aber nicht.

Natürlich hätte ich heulen mögen, weil er was kaputt gemacht hat und ich keinen Bock habe neu zu tapezieren. Zumal sich in der kurzen Zeit in der Mr. C bei mir ist, daran nichts ändern bzw. es nur noch schlimmer wird. (Ich muss froh sein, wenn er nur an der Tapete und nicht an den Türrahmen kratzt.) Und ich hätte auch heulen mögen, weil die anderen Kratzmöglichkeiten, die ich ihm anbiete offenbar nicht die richtigen oder sie nicht ausreichend sind.

Ich fühle mich unzulänglich

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Neugierig: Alles wird angeschaut

Mr. C macht, dass ich mich unzulänglich fühle. Das ist scheisse. Für ihn noch viel mehr als für mich. Ich weiß, dass nichts was er tut deshalb geschieht, um mich zu ärgern. Weder das Kratzen, noch das nächtliche Toben, noch die ständigen Versuche an den Pflanzen zu knabbern. Er ist eine Katze, in einer fremden Umgebung, ohne seinen üblichen Kumpel. Ihm ist sicherlich oft langweilig und er testet Grenzen aus. Und in den paar Wochen die er bei mir ist, habe ich gar nicht die Möglichkeit ihn zu erziehen, weil das nicht von heute auf morgen geht. Ich kann ihm beispielsweise nicht beibringen, dass er nicht in der Küche auf die Arbeitsplatte springen soll. Wenn ich tagsüber nicht da bin, hat er gute 11 Stunden Zeit genau das zu tun ohne Konsequenzen fürchten zu müssen. Bei den Pflanzen weiß er zwar inzwischen, dass er dort nicht ran darf (genauso wie auf den Tisch), aber er macht es trotzdem. Wenn ich mahnend seinen Namen sage, guckt er nur. Erst wenn ich aufstehe und einen Schritt auf ihn zumache, verzieht er sich. (Um es 10 Minuten später erneut zu versuchen.) Die Sprühflasche mit Wasser ist insofern nutzlos, als er längst aus dem Zimmer ist, wenn ich mit dem Wassersprüher anrücke.

Total unentspannt

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Mr. C auf seinem Schlafplatz in „seinem“ Zimmer

Ich fühle mich total unentspannt. Jederzeit. Wenn ich im Büro bzw. unterwegs bin, mache ich mir Gedanken, ob es ihm gut geht oder er gerade vor Langeweile einen weiteren Streifen Tapete von der Wand holt. Wenn ich zuhause bin und er nicht im gleichen Raum ist, lausche ich immer darauf, wo er gerade ist und ob er nur mit dem Karton spielt. Besonders wenn ich unerwartet länger in der Küche zu tun habe und die Tür zum Wohnzimmer noch offen ist, sorge ich mich. Ich will (und kann) ihm ja nicht ständig hinterherlaufen. Und natürlich sind auch die Nächte unruhig. Nach einigen Probenächten in denen er ins Schlafzimmer durfte, mache ich die Tür ja jetzt wieder zu. Trotzdem horche ich ständig auf die Geräusche und frage mich was er jetzt wohl treibt.

So, jetzt hab ich wieder eine ganze Menge geschrieben und gejammert. Das zeichnet alles kein wirklich positives Bild. Vor allem nicht von mir, weil ich offensichtlich kleinkariert bin und nicht richtig mit der Katze umzugehen weiß. Natürlich ist es schön, wenn wir zusammen kuscheln und schmusen. Und die Zeit auf dem Küchenfussboden, wenn ich Mr. C die ersehnte Aufmerksamkeit gebe, genieße ich, weil ich dann auch ein wenig zur Ruhe komme. Aber das ganze Drumherum empfinde ich als sehr anstrengend.

9 Gedanken zu “Vorübergehend Katzenmama III

  1. Ging mir anfangs mit meiner kleinen Hexe auch so. Ich hatte immer ein schlechtes Gewissen, dass ich ihr nicht gerecht werde, wenn ich nicht daheim bin. Gerade weil sie vorher schlechte Erfahrungen gemacht hat. Und wäre es nicht „meine“, wäre das noch etwas stärker. Merke ich immer wieder, wenn ich die beiden Katzen von Bekannten in deren Urlaub sitte.
    Was den Hintern zudrehen angeht: Das ist ein Vertrauensbeweis. Einerseits gehörst du zur Sippe und da schnüffelt man da halt und andererseits bedeutet es, dass er meint, von dir drohe keine Gefahr. Sonst würde er dich nicht aus den Augen lassen. Hat mich anfangs auch sehr irritiert. Inzwischen weiß sie, dass es Vorteile hat, wenn der Kopf in meiner Nähe ist, weil dann an den Ohren gekrault werden kann.

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  2. Ich denke auch, wäre es ganz und gar Dein Mitbewohner, würdest Du andere Seiten aufziehen, andere Maßnahmen ergreifen, anders agieren und reagieren.

    Es gibt ja auch immer nur verschiedene Möglichkeiten, ob sie auch tatsächlich dann fruchten, ist eine ganz andere Geschichte!

    Sowas, wie die Katze aus dem Schlafzimmer verbannen, wenn Du drin liegst, ist doof. Für ihn. Und für Dich, weil Du keinen erholsamen Schlaf bekommst. Logisch. Er ist ja schon doppelt verunsichert, weil er in einer fremden Umgebung mit fremden Gegebenheiten sich arrangieren muss, tagsüber schon allein, nachts dann auch, obwohl Du in greifbarer Nähe bist…da wird er auf allerlei dummes Zeug kommen. Ich möchte anmerken, dass wir das bei unserem Flummi auch am Anfang so wollten. Er sollte nicht ins Schlafzimmer. Was ein Schwachfug! Seine Menschen sind durch eine Tür vom Baby getrennt. Was glaubst Du, was der Wutz da angestellt hat! Tapeten abknubbeln war da noch das kleinste. Kostprobe? Wir haben an keinem Möbelstück in unserer Wohnung mehr diese Schutzkäppchen über versenkten Schrauben. Nirgends. Ohne Übertreibung. Der gnädige Herr hatte einige Nächte, in denen er, der erklärte Fummelkünstler, alle abgefummelt hat. Ja, auch am Herd die Gummidinger über den Sensoren zum Uhrstellen etc.
    Gekratzt hat er auch. Den Türrahmen zum Schlafzimmer mussten wir ersetzen, weil er den quasi vor lauter Pein hochgegangen ist…

    Der Kater darf jetzt überall hin zu jeder Zeit und was soll ich sagen, wir schlafen gut!

    Pflanzen haben wir schon seit seine Vorgänger bei uns lebten nicht mehr. Aber auch da ist natürlich das was anderes, waren ja keine „Pensionskatzen“.

    Wenn Du ihn animieren willst, mehr an den vorgesehenen Stellen zu kratzen, dann hol doch Catnipspray 🙂 Das wird ja immer genau dafür empfohlen!

    Uns ansonsten: Geh nicht zu sehr mit Dir selber ins Gericht. Du bist nur Pension, nicht 100 % Katzenmama grad! Und er schmust mit Dir, ein tolles Zeichen! Und mir würde da das Herz aufgehen 🙂

    Liebste Grüße
    Bine

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    • Hallo Bine,
      danke für Deine lieben Worte.
      Das hört sich wirklich krass an. Da ist Mr. C ja der reinste Waisenknabe dagegen. Den höre ich nachts eigentlich nur durch die Bude sausen und galoppieren, wenn er ein Aluknäuel, Wollknäuel oder sein Katzenkissen jagt. Abgesehen von der Tapete ist er auch nicht zerstörerisch. Die Türrahmen sehen bis jetzt noch gut aus. Gott sei dank. 🙂 Ich hoffe auch das bleibt so.
      Er hat seinen Pappendeckel und einen Läufer an denen er gerne rumkratzt. Die Wand nimmt er halt noch zusätzlich. Obwohl es weniger geworden ist, denke ich. Ganz werde ich ihm das in den nächsten beiden Wochen vermutlich nicht abgewöhnen können. (Im Übrigen hab ich von dem Catnipspray noch nicht gehört.)
      Ich werde dann wohl die Schlafzimmertür die nächsten Nächte wieder offen stehen lassen und hoffen, dass er mir nicht ständig am Kopf rumspringt. 😉 Wie das funktioniert gibts dann vermutlich nächsten Sonntag zu lesen.
      Liebe Grüße
      Sanne

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      • Ja, hört sich so geballt natürlich krass an, aber er war 8 Wochen, von der Mama verstoßen, ist perfekt aufs Klöchen gegangen und war wirklich nur süß. Ist er bis heut. Da nimmt man so einiges in Kauf 😉 Er hat übrigens von den Schutzkappen nicht eine gefressen. War nur stolz auf seine Künste *lach*
        Ihr zwei schafft das! 🙂

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      • Oha, okay, mit 8 Wochen sind solche Sünden lässlich. Selbst wenn er älter wäre. Und ja, es ist schon super, dass er zuverlässig das Katzenklo benutzt. 🙂
        Danke Dir. 🙂 Werden wir sicher.

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  3. Pingback: Vorübergehend Katzenmama IV | Wortgestalten

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