Da isser. Mein Konzertbericht von Ludovico Einaudi

Hallo liebe treue (und auch neue) Leser. Ich kann es noch immer nicht fassen. Offenbar bin ich der größte Glückpilz auf der Welt. Keine Ahnung wie ich das verdiene. Seit ich davon gelesen hatte, freute ich mich auf das Konzert von Ludovico Einaudi, obwohl es schon seit Monaten ausverkauft ist. In den letzten Tagen wurde ich immer aufgeregter. Fast als hätte ich ein Date mit meinem Traummann. Zumindest stelle ich mir so die Aufregung für ein Date mit meinem Traummann vor. Naja, kommt ja auch irgendwie hin. 😉
Noch gestern auf dem Hinweg in der U-Bahn habe ich versucht, meine Vorfreude zu dämpfen. Wie groß können die Chancen sein 1h vor Konzertbeginn doch noch eine Karte zu bekommen? Ich wollte mir nicht zu viele Hoffnungen machen, weil ich ja eigentlich schon genug beschenkt bin mit meinem Leben und den Ereignissen den letzten Jahres. Dennoch musste ich die ganze Zeit grinsen und hoffte und betete.
Obwohl ich schon deutlich vor der eigentlich angegebenen Zeit an der Liederhalle war, standen dort tatsächlich schon andere Leute die auf Karten spekulierten. Meine Hoffnungen schwanden. Und trotzdem musste ich nicht allzu lange warten, bis ein schicker Herr allein durch die Tür trat. Was gemeinhin als Nachteil gesehen wird, war in dem Fall mein Vorteil: ich war allein und brauchte daher nur eine Karte. Während die anderen Mitstreiter auf zwei Karten warteten, konnte ich den Geldbeutel zücken und mein Ticket für einen Platz in Reihe 12 klar machen.Yeah!
Ich war total aus dem Häuschen und bin erstmal auf dem Vorplatz blöde kichernd rumgerannt. Ich musste sowohl die überschüssige Energie loswerden als auch Mama und ausgewählte Freunde davon in Kenntnis setzen.
Pünktlich habe ich schließlich meinen Platz neben dem netten Herrn eingenommen. Die Stuhlreihe vor mir wurde (was nicht an mir lag) sogar noch etwas verrückt, so dass ich einen nahezu perfekten Blick auf die Bühne hatte. Es kommt zwar auf die Musik an, aber die Musiker zu sehen, fand ich auch toll.
Das Stimmengewirr in dem großen Saal ebbte ab als es dunkel wurde. Ein leiser Takt setzte ein. Durch einen Seiteneingang der Bühne trat eine dunkel gekleidete Gestalt und ging zu ihrem Platz. Ein Spotlight richtete sich auf den Mann. Eine weitere Person betrat die Bühne. Auch sie nahm zielstrebig ihren Platz ein und wurde angestrahlt. Nacheinander traten die Musiker in Erscheinung – ganz zum Schluss auch der Maestro, Ludovico Einaudi. Leider – und das fand ich persönlich sehr schade – saß er mit dem Rücken zum Publikum.
Schon die ersten Klavierklänge jagten mir eine Gänsehaut über den Körper, sofort traten mir Tränen in die Augen. Es war einfach grandios. Ganz besonders berührt haben mich die Stücke in denen Einaudi mit den beiden Streichern zusammen spielte. Überhaupt waren die beiden Streicher – Violine und Kontrabass – absolut genial. Mit verschiedenen Streichinstrumenten erzeugten sie Klänge, die ich ihnen nie zugetraut hätte.
Den ersten und dritten Teil des Konzerts bestritten Einaudi und seine Band gemeinsam. Im zweiten und mittleren Teil war der Pianist allein auf der Bühne. Er spielte einige Stücke, die mir inzwischen wohlvertraut waren und die mich daher umso mehr berührten. Wie das zauberhafte „Nuvole Bianche“ oder „Una Mattina“.
Ich gebe zu, die zwei bis drei eher experimentellen Lieder mit den sphärischen und ätherischen Klängen waren nicht so mein Fall. Aber der Rest war einfach fantastisch. Zarte und leise Melodien nur vom Piano. Oder treibend und drängend wie Wasser im zu kleinen Flussbett. Mal stampfende Rhythmen mit Bassgitarre und Schlagzeug. Dazwischen die Streicher mit ihren langsam singenden Instrumenten, dann wieder fordernd und schnell. Ein genau abgestimmtes Zusammenspiel aller Beteiligten, das mir riesigen Respekt abringt. Alle Musiker spielten außerdem mehrere Instrumente. Und jederzeit waren die Freude und der Spaß spürbar, den die Künstler auf der Bühne hatten.
Dazu eine Lightshow, die sehr zurückhaltend und auf die Musiker fixiert war mit ihren Spotlights. Die aber in Einzelfällen auch gerade die kraftvollen, opulenten Stücke unterstützt hat. Besonderer Hingucker war natürlich der – ich nenne es mal – Sternenhimmel: lauter kleine weiße Punkte wurden in den Konzertsaal geworfen und erzeugten das Gefühl im All zu sitzen.
Die Wirkung all dessen war und ist unbeschreiblich. Als Kommentar las ich auf Youtube unter dem Video zu „Nuvole Bianche“ die Worte „My heart is broken in the most beautiful and wonderful way“.  Das trifft es eigentlich noch am ehesten. Einaudi zu hören ist wie Herzschmerz, aber so unfassbar schön. Es füllt mein Inneres randvoll mit Gefühlen, ist ein einziges Sehnen und Lachen und Weinen, Freuen und Leiden zugleich.
Der gestrige Abend kommt mir noch immer wie ein Traum vor. Ist das wirklich passiert? Hatte ich wirklich das Glück, dieses Konzert zu erleben? Ich fühlte und fühle mich gesegnet und reich beschenkt, empfinde es regelrecht als Gnade, Einaudi live zu hören. Ein weiteres unvergessliches Erlebnis.
Ich kann Euch nur empfehlen, Euch im Netz die Alben und Konzertmitschnitte von Einaudi anzuhören. Vielleicht werdet Ihr ja genauso infiziert wie ich. 🙂

6 Gedanken zu “Da isser. Mein Konzertbericht von Ludovico Einaudi

  1. Freut mich riesig für Dich, dass es geklappt hat! Kenne ihn nicht, höre aber gerade in Deine Links rein. Wirkt live natürlich viel voluminöser und berauschender als auf dem Laptop. Aber ich kann mir gut vorstellen wie es klingen muss. Klavier hat immer eine unglaubliche Wirkung…….
    Früher konnte man auch den ein oder anderen Klavierspieler mal auf der Straße oder in Einkaufmalls hören. Das war immer Musik zum……stehen bleiben 🙂

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  2. Wow, ein Einaudi Fan 🙂
    Ich mag ihn auch sehr und bin gerade dabei mein Lieblingsstück, das Nuvole Bianche am Klavier einzuüben. Eine Riesenherausforderung als Anfänger, aber die schöne Musik motiviert ungemein 🙂

    Liebe Grüße
    Rob

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    • Hallo Rob,
      ja, ich bin ein noch frischer Einaudi-Fan. 🙂
      Das hört sich echt ambitioniert an. Respekt. Ich spiele ja gar kein Instrument und bin daher umso mehr beeindruckt, wenn jemand eins lernt. Erst recht wenn es sich um Klavier handelt. Ich bin sicher, Du schaffst es Nuvole Bianche einzuüben. 🙂 Wie Du sagst, die schöne Musik ist die Motivation.
      Viele Grüße
      Sanne

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