Ecu/Gal: Mein zweiter Besuch auf Las Tintoreras

22. Oktober 2015 (Vormittag)

Mein letzter Tag auf Isabela. Die Insel die mir so lieb geworden ist. Doch ich mag heute noch nicht an Abschied denken. Ich habe noch einmal volles Programm. Erneut besuche ich Las Tintoreras. Dieses Mal per Boot, per Pedes und per Schnorchel. Gleich drei Dinge auf einmal. Wie eine Kinderüberraschung. Für Erwachsene. Ähm … egal.

Wie immer werde ich am Hotel abgeholt und zum Pier verbracht. Dort steigen wir in eines der Boote, die auch als Wassertaxis fungieren. Der Kahn ist ziemlich voll – wir sind stolze 17 Leute. Plus Bootsführer und plus Guide. Heute ist es nicht Ricardo, sondern eine Unbekannte. Schade.

Damit werden Touristen durch die Gegend geschaukelt

Damit werden Touristen durch die Gegend geschaukelt

Tourismus auf Galapgagos – ein zweischneidiges Schwert

Ähnlich wie am Vortag mit dem Kajak tuckern wir etwas an der Küste entlang nach Las Tintoreras. Mit dem Unterschied, dass Ricardo einen Respekt- und Sicherheitsabstand zu den Felsen mit den Pinguinen und Boobies gewahrt hat. Mit dem lauten Boot fahren wir viel dichter heran. Klar kann man so viel bessere Fotos machen, aber ich weiß nicht, ob ich das gut finden soll, den Tieren so auf die Pelle zu rücken.

Ja, ich weiß, ich bin genauso Touri und will die Tiere sehen. Und ich brauche mich in dem Sinne nicht aufzuregen, wenn die Guides ihren zahlenden Gästen etwas bieten wollen. Ich freue mich auch irgendwie, wenn mein Guide für mich alleine eine Extrawurst brät – was nicht heißt, dass wir Tiere anfassen, vom Weg abweichen oder ihnen die Kamera in 2cm-Abstand vors Gesicht halten. Trotzdem wurmt es mich, wenn Grenzen bewusst überschritten werden in diesem sensiblen Lebensraum, von Menschen die dafür da sind ihn zu schützen. Mehr als einmal hatte ich ein schlechtes Gewissen und habe es noch.

Galapagos zu besuchen ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits wäre es traurig und auch irgendwie falsch, den Menschen die verwunschenen Inseln zu verwehren. Sie haben so viel zu bieten, es gibt so viel zu sehen und zu lernen … und zu lieben vor allem. Und für viele Einheimische bedeutet der Tourismus auch eine lebenswichtige Einnahmequelle. Andererseits bleibt es trotz Nationalpark und den vielen Guides nicht aus, dass die Natur in Mitleidenschaft gezogen wird. Menschen trampeln abseits der Pfade, vielerorts liegt Müll rum und Szenen wie die als 8 Erwachsene ein gerade mal 50cm kleines Seelöwenbaby in einem Kreis von 2m Durchmesser umzingeln, da krieg ich eine Gänsehaut. Nicht vor Freude. Diese Gruppendynamik finde ich persönlich ganz furchtbar.

Aber wie gesagt, wenn ich mich beschwere, dass Touristen nach Galapagos dürfen, dann beschwere ich mich im Grunde auch über mich.

Zwei der schlafenden Haie

Zwei der schlafenden Haie

Wo die Haie schlafen

Nachdem wir also mit dem Boot an den Tierfelsen vorbei getuckert sind, werden wir für einen kleinen Spaziergang auf Las Tintoreras ausgesetzt. Die Sonne knallt heute vom ausnahmsweise wolkenlosen Himmel. Egal ob man sich bewegt oder nicht, der Schweiß läuft und läuft. Hoffentlich schnorcheln wir bald.

Was der Guide bei dem Spaziergang erzählt, bekomme ich zum großen Teil nicht mit. Denn die Gruppe ist groß, der Weg nur schmal und der Guide hat kein Megafon dabei. Stört mich aber nicht sonderlich. Ich freunde mich derweil mit einem Gespann aus Berlin an. Sie ist (angeblich) etwas älter als ich – was ich kaum glauben kann. Halte ich sie doch zunächst sogar für die Freundin des 18jährigen Jungen an ihrer Seite. (Ich bin hundsmiserabel, wenn es darum geht, andere altersmäßig einzuschätzen.) Wir verstehen uns jedenfalls ganz gut und sehen uns am nächsten Tag auch wieder.

Wir laufen an einem kleinen Wassertunnel vorbei, der oben offen ist, so dass man vom Weg aus hinein schauen kann. Dort „schlafen“ die Haie wie immer wieder betont wird. Tatsächlich sehen wir zwei Haie friedlich nebeneinander am Grund liegen. Dass sie nicht tot oder Attrappen sind beweisen die gelegentlichen Bewegungen.

Zwischen dem dunklen Lavagestein spürt man die Hitze doppelt so heftig. Überall kann man daher kleinere Meerechsen sehen, die sich in der Sonne aufwärmen. Am Wegesrand liegen aber auch die Überreste eines toten Seelöwen. Gerade mal der Schädel ist noch von ein wenig Fell überzogen und erkennbar. Nun sieht man ganz gut, was für große Zähne die Tiere haben. Dabei wirken die immer so süß und knuddelig.

Endlich geht’s ins Wasser

Als wir wieder auf dem Weg zu unserem Boot sind, kommt schon die nächste Gruppe angetrabt. Hier ist alles getaktet. Wieder auf dem Wasser steuern wir den Schnorchelplatz an. Wer keine Ausrüstung dabei hat, bekommt Brille, Schnorchel und Flossen gestellt. So wie ich.

Schließlich muss man irgendwie ins Wasser kommen. Dank der Flossen an den Füssen fällt die Leiter aus. Springen, heißt es. Für mich, die nicht mal vom 1m-Brett hüpft, eine echte Überwindung.

Plötzlich weist der Bootsführer auf einen großen Rochen im Wasser hin. Ganz in der Nähe des Bootes kann ich den dunklen Schatten des Tieres unter der Wasseroberfläche sehen. Im nächsten Moment klatscht einer der Teilnehmer lautstark ins Wasser. Das Tier macht eilig die Biege. Ich kann es ihm nicht verdenken.

Meeresschildkröten, Rochen und Haie könnten wir heute sehen. Könnten. Ich lasse mich überraschen.

Endlich im Wasser ist es auch dieses Mal kein Problem Luft zu bekommen, während ich in das Blau unter mir starre. Ich schnorchele ein bisschen alleine vor mich hin. Damit bringe ich mich selbst fast um ein großes Vergnügen und einen Herzenswunsch. In meiner Manie, nicht dort sein zu wollen, wo alle anderen Touris sind, schwimme ich erst dann zu der Stelle wo alle waren, als sie abrücken.

Gerade eine halbe Minute kann ich noch die grüne Meeresschildkröte beobachten, wie sie Algen vom Felsen nagt. Es ist unglaublich. Sie hat sich offenbar überhaupt nicht stören lassen. In aller Seelenruhe frisst die Schildkröte weiter. Dann werde ich vom Bootsführer zurück gepfiffen.

Die schwebende Schildkröte

Widerwillig schwimme ich der Gruppe hinterher. Zu dem Platz wo die Haie sein sollen. Unterwegs gibt es viele Fische. Mal eher schlicht in gedeckten Farben, dann mit wilden Mustern, manche exzentrisch mit besonders langen Flossen oder Schwänzen, dazwischen immer wieder meine Lieblinge die Papageifische. Korallen fallen mir – wie schon in Concha Perla – nicht auf. Vielleicht habe ich aber auch kein Auge dafür. Ich sehe hauptsächlich algenbewachsene Felsen.  Dazwischen die Fische und Seesterne und Seeigel. Und immer wieder kommt mir irgendein Schnorchler mit seinen Flossen ins Gehege oder rempelt mich an. Es gibt nicht genug Wasser für uns.

Und dann sehe ich sie. Keine Haie, sondern eine Schildkröte. Ganz still schwimmt sie an mir vorbei. Elegant, graziös, ohne Eile oder Stress. Sie schwebt geradezu, schlägt ganz bedächtig mit ihren vorderen Flossen. Ich folge ihr ein Stück. Doch leider ist sie schneller als ich und schwimmt in die „falsche“, in die entgegengesetzte Richtung.

Schweren Herzens kehre ich um. Schließe mich wieder der Gruppe an. Trotzdem bin ich überglücklich. Ein Anblick bei dem man alles andere vergessen kann.

Leider verfüge ich nicht über eine Unterwasserkamera und kann Euch daher keine eigenen Fotos der Unterwasserwelt der Galapagos-Inseln bieten. Hier hab ich einfach mal eine Suche gestartet.

Wie komme ich wieder ins Boot?

Wir schwimmen heute nicht mit Haien. Wahrscheinlich hat der Rochen Bescheid gesagt, dass sie sich in ihren Tunnel verziehen sollen. Recht so.

Dank einer kleinen Leiter und kräftiger, hilfreicher Hände vom Bootsführer komme ich tatsächlich auch wieder zurück ins Boot. Ohne jedwede Muskelkraft ist es ein echter Akt sich wieder über die Bordwand zu hieven. Und bei meinem Gewicht habe ich immer Angst, das Boot zum Kentern zu bringen.

Ich wundere mich jetzt – und auch bei späterer Gelegenheit – das keine Sau vorher gefragt hat, wie gut ich schwimmen kann. Schließlich sind wir auf dem Meer unterwegs, da hat es Strömungen und so. Das ist was anderes als im See oder einer geschützten Bucht plantschen. Klar ist immer das Boot in der Nähe und Land ja irgendwie auch. Obwohl man das ja nicht betreten soll abseits der Pfade. Ich fand es jedenfalls doch recht anstrengend im Endeffekt. Wenn man sich auch oft treiben lässt, muss man doch darauf achten, nirgendwo anzustoßen und man muss ja auch zurück zum Boot.

Am Ende landen wir ja alle wieder heil an Land und werden wieder in die jeweiligen Hotels verbracht. Pünktlich zum Lunch. Klar. Am Nachmittag steht das Breeding-Center, die Flamingo-Lagune und die Muro de las Lagrimas auf dem Programm. Dazu aber mehr im nächsten Blogpost. Für heute genug Urlaub.  😉

Ein bisschen Werbung muss sein:
Meine Reise wurde organisiert von Sommer Fernreisen. Das erwähne ich deshalb, weil alles echt super geklappt hat. 😉

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