Anekdoten aus Schottland 20: Die letzte Nacht – mit Vera

Ich fahre Richtung Perth, meide aber die Stadt selber. Stattdessen visiere ich ein Hostel in der Nähe von Crieff an. Es liegt zwischen zwei Ortschaften und ich brauche eine Weile um es zu finden. Es ist das einzige Hostel weit und breit. Aber es ist groß und es ist sogar ein Zeltplatz angeschlossen. Zugegeben, ohne Zelt hilft mir das nicht weiter.

Die Rezeption ist nicht besetzt. Ratlos stehe ich vor einer Schiefertafel. Hinter einigen Zimmernummern stehen Namen – die haben offenbar reserviert und die Zimmer sind offen, damit die Gäste rein können. Hinter den restlichen Zimmernummern sind nur Striche. Ich blicke nicht richtig durch. Offenbar habe ich als Spontangast hier verloren.

Meine kleine heissgeliebte Knutschkugel, mit der ich durch Schottland geschunkelt bin

Meine kleine heissgeliebte Knutschkugel, mit der ich durch Schottland geschunkelt bin

Erleichtert höre ich hinter mir eine Stimme die deutsch spricht. Ich spreche die Frau an und frage nach, ob sie aus der Tafel schlau wird. Auch nicht wirklich. Aber sie führt mich nach nebenan in das Gebäude mit den Schlafräumen. Das ist wirklich riesig. Gleich an der Tür begegnen wir einer Mittfünfzigerin. Die beiden Damen kennen sich bereits und sie wird mir als Vera vorgestellt. Sie kommt auch aus Deutschland. Sofort wird Vera in die Zimmerdiskussion mit einbezogen. Zu dritt begutachten wir eines der reservierten Zimmer. Es ist wie erwartet noch leer.

Ich werde mutlos und auch etwas sauer. Das nächste Hostel liegt Meilen entfernt und ich brauche ohnehin erst mal eine Tankstelle, die hier nicht so üppig gesät sind. Wie kann man denn einfach so zur besten Anmeldezeit die Rezeption schließen!?

Aber Vera ist meine Heldin. Sie erklärt mir, dass sie mit einer Freundin im Hostel eingecheckt hat und beide Damen haben Einzelzimmer gebucht. Offenbar verfügt das Hostel aber nicht über Einzelzimmer. Deswegen haben beide Frauen jeweils ein Mehrbett-Zimmer für sich! In Veras Zimmer sind gleich sieben freie Betten! Sie bietet mir an, wenn es mir nichts ausmacht, mit in ihrem Zimmer zu schlafen. Sie will es mir erst mal zeigen, ob es mir gefällt. Wie das Zimmer aussieht ist mir reichlich egal – Hauptsache ich habe ein Bett. Freudig sage ich zu und danke ihr.

Den Abend verbringe ich mit Vera und ihrer Freundin im Aufenthaltsraum. Den Namen der Freundin habe ich natürlich mal wieder nicht behalten. Sie kommt jedenfalls aus Perth und die zwei Damen machen mit Bus und Bahn auch eine Rundreise durch Schottland. Ausnahmsweise nehme ich ein Glas Wein an und berichte von meinen letzten 10 Tagen. Ich gebe zu, ich sonne mich ein wenig in der Bewunderung der zwei Frauen. Sie sind beeindruckt, was ich alles gesehen und erlebt habe. Anhand meiner Faltkarte verfolgen wir meine Reiseroute. Die beiden wollen mir die Karte sogar abkaufen, aber die gebe ich nicht her. Zum Einen ist sie kaputt und zum Zweiten brauche ich sie noch, um am nächsten Tag zum Flughafen in Edinburgh zu finden.

Einfach noch mal ein Naturbild von unterwegs

Einfach noch mal ein Naturbild von unterwegs

Nach einer ruhigen Nacht verabschiede ich mich am nächsten Morgen von Vera. Sie vertraut mir den Zimmerschlüssel an, denn sie muss mit ihrer Freundin früh los. In meiner kleinen Knutschkugel ist leider kein Platz für zwei weitere Frauen samt Gepäck, daher kann ich mich leider nicht revangieren und die beiden zum Bahnhof bringen.

Nachdem ich ganz brav den Zimmerschlüssel abgegeben und meine Rechnung bezahlt habe, starte ich in den letzten Schottlandtag. Es gäbe zwar noch ein bis zwei Dinge, die ich mir ansehen könnte, aber die oft erwähnten Hummeln im Hintern quälen mich.

Nach all der Fahrerei kann ich noch immer nicht einschätzen, wie lange ich für welche Strecke brauche. Nach dem unruhigen Versuch noch einen Punkt auf meiner Liste zu besuchen, fahre ich daher zum Flughafen. Ich bin zwar schneller da als gedacht, dafür gestaltet sich die Suche nach einer Tankstelle schwierig. Das nimmt eine ganze Weile in Anspruch, da die einzige Tankstelle sich an der Fahrbahn in die andere Richtung befindet. Auf dem Mietwagenparkplatzgelände schließlich angekommen, packe ich meinen im Inneren des Wagens verstreuten Krempel in meinen Koffer. Wehmütig verabschiede ich mich von der kleinen weißen Knutschkugel. Sie hat mich so schön gefahren.

Im Flughafen verkloppe ich die nächsten Stunden meine restlichen 35 Pfund und warte auf meinen Flug am Abend. Für mich steht felsenfest, dass dies nicht mein letzter Besuch in Schottland war.

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