Nachdem sie mich im schönen Aviemore nicht mehr beherbergen wollten, muss ich also eine andere Schlafgelegenheit finden. Inzwischen habe ich mich damit angefreundet mit wildfremden Menschen in einem Raum zu nächtigen.
Nach einer weiteren erfolglosen Anfrage in einem anderen Hostel, lande ich schließlich im ehemaligen Schulhaus von Tomintoul. Es ist ein flaches Gebäude aus hellgrauem Stein. Von der netten Herbergsmutter wird gerade eine andere junge Frau abgefertigt. Hier sind gottseidank noch genügend Betten frei. Ich könnte sogar ein Zimmer für mich alleine haben. Doch die andere junge Frau legt offenbar nicht so viel Wert auf Privatsphäre, denn sie quartiert sich in „meinem“ Zimmer mit ein.
Sie ist Australierin und Fotografin. Hauptsächlich Porträtaufnahmen und Charakterstudien. Sie ist quirlig und ganz nett. Aber ich weiß ihren Namen nicht mehr.
Ob ich wegen der „Games“ hier bin, werde ich gefragt. Hä? Games? Irgendwann raffe ich, dass „Highland Games“ gemeint sind, die am nächsten Tag stattfinden. Ich verneine, da mir nur noch Samstag und Sonntag bleiben. Sonntagabend nimmt der Flieger mich mit zurück nach Deutschland. 😦
Ich will die Küche im Hostel begutachten. Was für eine Überraschung, als dort ein Mann in einem grün-blau karierten Kilt steht und sich Eier und Würstchen brät. Er ist nicht viel größer als ich, wohlbeleibt und hat einen weißen Vollbart. Mit einem roten Mantel ginge er auch als Weihnachtsmann durch.
Später sitze ich mit ihm draußen vorm Hostel auf der Bank. Er trinkt seinen Whisky und ich schäme mich für meinen Dosen-Jacky-Cola. Ich bin halt noch nicht reif für den örtlichen Single-Malt. Wir unterhalten uns und beobachten die Vögel. Seinen Namen habe ich leider auch vergessen. Er kommt aus dem Süden und fährt zu verschiedenen Highland Games. Schließlich stößt auch die Fotografin zu uns. Es ist ein gemütlicher Abend.
Am nächsten Morgen beschließe ich doch zu den Highland Games zu bleiben. Denn eigentlich habe ich es bedauert, keine sehen zu können und es ist doch ein schöner Zufall, dass ich hier gelandet bin. Genau jetzt. Genau richtig.
Gegen 10 Uhr geht es los. Die Herbergsmutter hat mir erlaubt meine Knutschkugel weiter beim Hostel stehen zu lassen. Und obwohl man eigentlich bis 10 Uhr verschwunden sein soll, hat sie mir auch den Zugangscode für die Tür verraten, damit ich später noch einmal in die Küche und ins Bad kann, bevor ich abreise. Ich bin gerührt von so viel Freundlichkeit.
Schon jetzt am Vormittag scheint die Sonne. Bei einem Spaziergang entdecke ich eine kleine Wiese auf der ganz viele Spinnweben im Gras sind. Und auf allen glitzern kleine Tautropfen. Das sieht wie die Auslage beim Juwelier aus.
Auf dem Gelände wo die Games stattfinden gibt es kaum Schatten, obwohl das Feld von Bäumen umgeben ist. Es ist etwas größer als ein Fußballfeld.
Auf der Wiese ist ein großer Bereich von einem Zaun umgeben – dort werden die Sportler zeigen was sie können. Hinter dem Zaun stehen rundherum Sitzbänke für die Zuschauer. Und natürlich gibt es jede Menge Möglichkeiten sich mit Essen, Getränken und Souvenirs einzudecken. Ich könnte mir einen Kilt kaufen. Aber das gibt meine Urlaubskasse nicht mehr her.
Am Vormittag ist die Jugend dran. Ich bin ziemlich enttäuscht als ich feststelle, dass die unter ihren Kilts sowas wie Radlerhosen tragen. Von wegen frische Luft unterm Rock und so! Trotz einem Programm habe ich keine Ahnung wie die einzelnen Disziplinen heißen. Die Jungs werfen mal mit einem überdimensionalen Hammer, dann schleudern sie ein Gewicht über eine Stange, die in 4m Höhe befestigt ist und schließlich folgt das von mir lang ersehnte Baumstamm werfen. Das ist durchaus beeindruckend.
Im Hintergrund findet außerdem sowas wie ein Tanzwettbewerb statt. Zu Dudelsackklängen zeigen Mädchen in verschiedenen Altersgruppen ihre erlernten volkstümlichen Tänze. Sie tragen entsprechende Trachten in bunten Farben und sind wie bei einem Schönheitswettbewerb zurecht gemacht.
Nachdem alle Baumstämme geworfen sind, beschließe ich zu gehen. Als ich das Gelände verlasse, formiert sich auf der Straße gerade eine Parade. Eine Kapelle sowie die älteren Teilnehmer und vermutlich irgendwelche Würdenträger sind in ihre feinste Tracht gewandet. Sie warten darauf, dass die Jugend fertig wird und sie feierlich auf dem Platz einziehen können. Offenbar gehen jetzt die Games erst richtig los. Nun dürfen die Erwachsenen spielen.
Ich warte die Parade noch ab und verlasse Tomintoul trotzdem. Ein paar Sehenswürdigkeiten stehen noch auf meiner Liste.
Mehr Anekdoten aus Schottland findet Ihr HIER



Hallo Sanne,
ich bin durch die #BloKoDe14 auf deinen Blog gestoßen und muss sagen, toller Blog und wirklich witzig geschrieben. Ich selbst war nun schon vier Mal in schottland, aber die Highland-Games zu besuchen, ist mir noch nicht gelungen… Die stehen aber ganz oben auf der Liste.
Liebe Grüße Heike
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Hallo Heike,
ich hab zwar ehrlich keine Ahnung was #BloKoDe14 ist, aber danke für die Blumen. 🙂 Freut mich, wenn gefällt, was ich schreibe.
Bei mir war das mit den Highland Games ja wirklich Zufall. Andererseits hat im Sommer wohl jeder Ort seine eigenen Games. Ich drücke Dir einfach für Deinen nächsten Schottland-Aufenthalt die Daumen, dass es mal klappt. 🙂
Liebe Grüße
sanne
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Das ist richtig, aber leider immer dann icht, wenn ich da war…
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Das ist schade, aber ich bin sicher, was lange währt wird auch gut. 🙂
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