Anekdoten aus Schottland 14: Dunrobin Castle und der Uhu

Nach meinem Stelldichein mit den Robben, verplempere ich den Tag und gondele einfach so durch die idyllische Gegend. Auf einer endlos scheinenden Single-Track-Road fahre ich an satt-grünem Gras vorbei und entlang an einem kleinen Fluss mit tiefblauem Wasser. Offenbar ein schöner Platz zum Campen, denn immer wieder stehen Zelte am Ufer.

Märchenschloss Dunrobin Castle vom Schlossgaren aus

Märchenschloss Dunrobin Castle vom Schlossgaren aus

Mangels Zelt übernachte ich dieses Mal in einem Hostel in Helmsdale an der Ostküste. Es sieht zwar eher wie eine größere Holzbaracke aus, aber hat einen kleinen Garten und die Möglichkeit draußen zu sitzen. Der „Herbergsvater“ ist etwa in meinem Alter und kommt aus Neuseeland. Ein Teil seiner Verwandtschaft stammt aus Schottland und daher ist er für eine Weile hier. Wir unterhalten uns über seine Heimat und plaudern auch ausführlich über „Der Herr der Ringe“. Er berichtet mir von dem Farmer, der jetzt auf seinem Grundstück lauter Hobbit-Höhlen hat.

Am nächsten Tag gibt es wieder etwas mehr zu erleben. Dass ich gleich noch ein Highlight erleben werde, ahne ich aber noch nicht.

Mein erster Weg führt mich nach Dunrobin Castle. Sind die Burgen und Schlösser in Schottland eher trutzig und klobig, so gleicht Dunrobin schon deutlich mehr dem Märchenschloss, das ich mir bei dem Begriff „Castle“ ausmale. Es ist freundlich weiß und hat viele Türmchen. Ich bin eine der ersten Besucher morgens 10Uhr. Und obwohl es nicht kalt ist, brennt im Kamin am Empfang ein Feuer. Ich bin total baff als ich durch die große Eingangstür trete. Rechts flackert heimelig das Feuer in dem verhältnismäßig schnörkellosen Kamin. Links steht ein dunkler, glänzender und mächtiger Schreibtisch und dahinter ein älterer Herr in einem grün-blau gemusterten Kilt.

Mir verschlägt es fast die Sprache. Es ist als wäre ich gerade in eine andere Zeit eingetreten. Aber auch dort muss ich eine Eintrittskarte kaufen und es gilt Fotoverbot. Zuerst muss ich aber mal für kleine Mädels. Dort fallen mir als erstes die Blumen auf. In einer kleinen und schlichten Glasvase stehen vier einzelne zartrosa Blüten. Sie sind frisch und nicht künstlich, vermitteln ebenfalls ein heimeliges Gefühl.

Um es nicht zu lang zu machen: auch das Innere des Schlosses begeistert mich. Überall finden sich frische Blumensträuße. Mal groß, ganz kunstvoll gesteckt und mal ganz schlicht und klein. Alles aus eigener Zucht, wie ich später erfahre. In den Räumen selber beeindrucken mich hauptsächlich die verschnörkelten Kassettendecken.

Hier wird nicht nur geflogen sondern auch gefüttert

Hier wird nicht nur geflogen sondern auch gefüttert

Inzwischen machen mir ziemlich viele andere Touristen hier den Platz streitig. Also mache ich mich zwei Minuten vor halb zwölf auf in den Garten. Denn 11.30Uhr soll dort eine Flugdemonstration mit Raubvögeln stattfinden. Die ist im Preis mit inbegriffen, also sehe ich sie mir an.

In der zweiten Reihe ist noch ein Platz frei. Die Demonstration ist wirklich klasse. Der sympathische Vogelmann erzählt uns zuerst etwas über den jungen Adler auf seiner Hand. Immer wieder lässt er das Tier von einer Sitzstange zur anderen fliegen. Wenig später kommt ein Uhu zum Einsatz. Der gefällt mir noch viel mehr.

Von den Erläuterungen bekomme ich leider sowohl akustisch als auch sprachbedingt nicht so viel mit. Ist aber irgendwie egal. Denn auch den Uhu lässt der Mann fliegen. Mit dem Unterschied, dass der imposante Vogel ganz dicht über die Köpfe der Zuschauer fliegt. Ich sitze genau in der Flugschneise. Das ist schon etwas beängstigend, wenn er vermeintlich direkt auf einen zufliegt. Mehr als einmal spüre ich die Flügelfedern im Gesicht. Natürlich sind Bilder ein Muss. Wenn sie teilweise auch verwackelt sind, ist doch das ein oder andere (für mich) spektakuläre Foto dabei.

Ach ja, einen Falken hat er uns auch noch gezeigt. Bei dem hab ich verstanden, dass der mit 260km/h der schnellste Vogel ist. War dann auch deutlich zu sehen.

Ich bin sooooo aufgeregt...

Ich bin sooooo aufgeregt…

Nach der Demonstration hat der Vogelmann den Uhu noch da gelassen. Mit der Anweisung man solle ihm nicht übers Fell streicheln und erst recht nicht mit dem Finger vor seinem Schnabel rumfuchteln, durften die geneigten Zuschauer auf eigene Faust Bilder mit dem Tier machen. Er hat ihn einfach auf einer der Bänke abgesetzt und angeleint. Dem Vogel war das zunächst scheinbar völlig egal, denn einmal hingesetzt, blieb er ganz ruhig auf seinem Platz.

Das Fotografieren war trotzdem nicht immer einfach, denn so ein Uhu dreht halt einfach mal den Kopf um 180°, wenn er nicht abgelichtet werden will. Schöne Spielereien entstanden da. Ein freundlicher Mitmensch hat dann auch ein Bild von mir mit Uhu gemacht. Und obwohl ich der Meinung war, ich bin ihm so nahe, sieht es auf dem Bild doch nach ziemlich viel Abstand aus. Aber der Schnabel und die gelben Augen, die einen scheinbar durchbohren, nötigten mir doch ziemlichen Respekt ab.

Es gibt auch genügend Bilder vom Uhu ohne mich. Der Vogel war einfach zu schön mit seinem braunen Federkleid mit den schwarzen und weißen Punkten darin. Dazu diese faszinierenden gelb-orangenen Augen – Wahnsinn. Ich bin noch immer ganz hingerissen. Der Besuch hat sich auf jeden Fall gelohnt.

Mehr Anekdoten aus Schottland findet Ihr HIER

3 Gedanken zu “Anekdoten aus Schottland 14: Dunrobin Castle und der Uhu

  1. Ich habe mir 2006 Dunrobin Castle und seinen Vogelmann 🙂 angesehen und musste meine eigenen Urlaubsfotos gerade nochmal herauskramen. Der Falkner war damals schon der selbe und ich war genauso begeistert von der Show, den Vögeln und dem Castle.
    LG Gabi

    Gefällt 1 Person

    • Hallo Gabi,
      das kann ich mir gut vorstellen. Das Castle ist halt was besonderes. Habe die Tage sogar einen kurzen Bericht samt Interview zum Vogelmann im TV gesehen. Hab mich gefreut wie ein kleines Kind.
      Liebe Grüße
      sanne

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  2. Pingback: Gewinnspiel zum Welttag des Buches | Wortgestalten

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