Elizabeth George: Nur eine böse Tat

Detective Sergant Barbara Havers von New Scotland Yard bricht einmal mehr alle Regeln. Im neuen Krimi von Elizabeth George schlägt die eigenwillige Ermittlerin erneut über die Stränge. Mit gutem Grund, wie sie meint. Denn was könnte wichtiger sein, als das ihre kleine Nachbarin Hadiyyah entführt wurde und nun gefunden werden muss?!

_Nur eine böse TatAm 15. November verschwindet die kleine Hadiyyah mit ihrer Mutter Angelina. Der hilflose Vater Taymullah Azhar bittet seine Nachbarin und gute Freundin Detectiv Sergant Barbara Havers um Hilfe. Doch selbst die Ermittlerin von Scotland Yard kann wenig für ihn tun. Denn das Mädchen ist mit der Mutter unterwegs und Azhar ist weder mit ihr verheiratet noch ist er als Vater von Hadiyyah amtlich eingetragen.
Die beiden können lediglich einen Privatdetektiv beauftragen. Doch dieser findet nichts heraus über den Aufenthaltsort von Mutter und Kind. Auch die Nachfragen bei Angelinas Familie, die sie verstoßen hat, bringen keine Antworten.
Monate später – Mitte April – steht mit einem Mal Angelina mit ihrem neuen Lebensgefährten vor Azhars Tür und fordert völlig aufgeregt ihre Tochter ein. Wie sich heraus stellt, lebt Angelina seit ihrer Flucht in Italien, genauer in Lucca. Die kleine Hadiyyah wurde nun entführt und Angelina vermutet ihren Ex-Freund dahinter. Doch das Kind ist weder bei ihm, noch sonst irgendwo in London. Gemeinsam machen sich Azhar, Angelina und ihr neuer Freund wieder auf nach Italien, wo sie auf ein Lebenzeichen von Hadiyyah hoffen.
In Lucca ist der engagierte Commissario Salvatore Lo Bianco mit den Ermittlungen betraut. Neben den Angehörigen muss er sich zudem mit seinem engstirnigen und unfähigen Vorgesetzten, dem Staatsanwalt, befassen.
Barbara Havers indess versucht von London ihren Teil beizutragen, dass ihre kleine Freundin Hadiyyah gesund gefunden wird. Dabei tritt sie wieder einmal in alle möglichen Fettnäpfe und verstößt gegen unzählige Regeln. Immerhin erreicht sie, dass ihr ehemaliger Partner DI Thomas Lynley nach Italien geschickt wird und sie so auf dem Laufenden halten kann.

300 Seiten zu viel

Ich liebe Elizabeth George heiss und innig. Es ist viele Jahre her, dass ich den ersten Roman um den aristokratischen Detective Inspector Thomas Lynley und die vom Leben benachteiligte Detective Sergant Barbara Havers las. Seitdem habe ich atemlos jedes Buch erwartet und jeden ihrer Fälle voller Spannung verfolgt. Und ich habe mich bestens unterhalten gefühlt. Ich habe natürlich auch das ein oder andere Auge zugedrückt, wenn mal ein Absatz zu langatmig war. Und ich bin der Meinung, dass von einem Lieblingsautor generell auch kein Buch zu lang sein kann. Es bedrückt mich zu sagen, dass ausgerechnet Elizabeth George mich hier eines Besseren belehrt.
Georges Bücher sind nie nur schmale Schmöcker gewesen, doch in den letzten Jahren, scheint sie sich immer wieder selbst mit der Seitenzahl übertrumpfen zu wollen. Dieses Mal sind 859 Seiten rausgekommen. Und zu meinem Bedauern finde ich, dass mindestens 300 davon überflüssig sind. Man hätte ein weiteres Buch daraus machen können.
Vielleicht wäre dann das Ende auch glaubwürdiger. So aber bin ich ziemlich enttäuscht. Von Anfang an wurde Havers als eigenwilliger und unangepasster Charakter dargestellt und das macht ihre Figur auch aus. In meinen Augen wird sie in „Nur eine böse Tat“ aber übertrieben  irrational beschrieben und im Großteil ihrer Handlungen ist sie für mich hier nicht glaubhaft. Was in den vorherigen Büchern charmant und sympathisch gewirkt hat, kommt hier nur total verblendet, idiotisch und total überzogen rüber. Das macht mich traurig, denn ich mag Barbara. Und sie reitet sich so tief in die Scheisse, dass ein glimpflicher Ausgang völlig unmöglich scheint. Es sei denn J.K. Rowling hätte am letzten Kapitel mitgeschrieben und Harry Potter sagt einen schicken Zauberspruch auf.
Mein Tipp: Man liest nur bis Seite 510 – bis dahin ist es gute, spannende Krimiunterhaltung.

Autorenporträt
Akribische Recherche, präziser Spannungsaufbau und höchste psychologische Raffinesse zeichnen die Bücher der Amerikanerin Elizabeth George aus. Ihre Fälle sind stets detailgenaue Porträts unserer Zeit und Gesellschaft. Elizabeth George, die lange an der Universität »Creative Writing« lehrte, lebt heute auf Whidbey Island im Bundesstaat Washington, USA. Ihre Bücher sind allesamt internationale Bestseller, die sofort nach Erscheinen nicht nur die Spitzenplätze der deutschen Verkaufscharts erklimmen. Ihre Lynley-Havers-Romane wurden von der BBC verfilmt und auch im deutschen Fernsehen mit großem Erfolg ausgestrahlt.
Weitere Informationen unter www.elizabeth-george.de

Buchinfo
„Nur eine böse Tat“ von Elizabeth George, erschienen November 2013 bei Goldmann, Gebundenes Buch im Schutzumschlag, 864 Seiten, € 24,99, ISBN: 978-3-442-31252-8
eBook: € 24,99, ISBN: 978-3-641-12028-3

Quellen
Bild: www.randomhouse.de / Text: Susanne

 

3 Gedanken zu “Elizabeth George: Nur eine böse Tat

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