Borneo II: Ein ganzer Tag in Sepilok

12. bis 14. Mai 2018

Es heisst Abschied nehmen vom Korallendreieck mit all seinen Wundern. Allerdings ist es ja nicht so, als würde mich jetzt nur noch Langeweile erwarten.
Per Bus reise ich von Semporna nach Sandakan. Eine Fahrt von etwa 5 Stunden. Da ich bis zur Abfahrt 14Uhr noch Zeit habe, muss ich meinen Vorsatz brechen und in diesem verdreckten Etwas von Stadt doch etwas essen. Ich entscheide mich für ein gut besuchtes Lokal in der Nähe der Bushaltestelle. Entgegen aller Befürchtung beschert mir das Essen keine Magenbeschwerden und schmeckt auch.
Die Busfahrt ist wenig abwechslungsreich. Fast ausschließlich Ölpalmplantagen säumen die Straße. Nur ein heftiges Gewitter mit starkem Regen unterbricht die Eintönigkeit etwas. Zwischendurch auch immer wieder einzelne Häuser und namenlose Orte. Selten verrät ein Schild wo wir gerade sind. So richtig registriere ich eigentlich nur den Abzweig nach Sukau, wo ich in zwei Tagen hinfahren werde.

Orang Utans den ganzen Tag

Es ist bereits dunkel als ich in Sandakan und wenig später im Sepilok Nature Resort ankomme. Aber immerhin nicht so spät wie gedacht, noch nicht mal 20Uhr. Zum Dinner gönne ich mir den langersehnten Watermelon-Tequila. Auf den freue ich mich schon seit Tagen!
Der nächste Tag steht ganz im Zeichen der Orang Utans. Nicht ohne Grund bin ich in dieser Unterkunft abgestiegen, die gerade mal 2 Laufminuten vom gleichnamigen Sepilok Orangutan Rehabilitation Centre liegt. Meine Eintrittskarte ist den ganzen Tag gültig. Allerdings ist das Gelände zwischen 12 und 14 Uhr geschlossen.
Pünktlich zur Öffnungszeit stehe ich parat. Außer mir auch viele andere Touristen, die mit Bussen herangekarrt werden. Anders als sie, kann ich mich aber in meinem eigenen Tempo bewegen. So kann ich ganz in Ruhe dort stehen bleiben wo es mir gerade passt und kann in die Bäume starren.
Ich beobachte einen Orang Utan am Morgen, der noch in seinem Nest liegt. Naja, eigentlich sehe ich nur seine Hand, die sich ab und an bewegt. An anderer Stelle balgen sich zwei halbwüchsige Orang Utans in den Bäumen miteinander. Und hoch über mir eine Mutter mit Baby, die sich behäbig zum Futterplatz bewegt. Am Trainingsplatz für die Jungtiere habe ich viel Zeit sie beim Klettern zu beobachten. Der Ranger vor Ort beantwortet auch geduldig meine Fragen und wir tauschen uns über die anderen Rehabilitationszentren aus. Ein wirklich grandioser Tag.

Verdammt müde

Ich stelle außerdem heute fest, dass ich verdammt müde bin. Und der Gedanke bis zum Ende meines Urlaubs noch mehrfach umziehen zu müssen, schreckt mich ab. Ganz zu schweigen von der Befürchtung, dass ich 1. weder den Weg ins Dschungelcamp von Poring schaffe und ich dort 2. einen ähnlich langen Weg zum Klo habe wie in Tampad Do Aman. Oder möglicherweise gar kein richtiges Klo?!
Ich sehne mich danach, die Reisetasche nicht mehr zu packen und nicht ständig an den nächsten Bus oder Flieger denken zu müssen, den ich erreichen soll. Kurzerhand ändere ich also meine Buchungen für die letzte Urlaubswoche. Nach meinem Aufenthalt am Kinabatangan werde ich die letzten Tage in Kota Kinabalu verbringen und nur noch Tagesausflüge machen.
Die Umbuchungen und Stornierungen sind mit meinem Smartphone und der schlechten WiFi-Verbindung sehr mühsam. Letztendlich aber kriege ich alles geregelt.

Auf Nachtwanderung

Am Abend habe ich einen Night-Walk, also eine weitere Nachtwanderung gebucht. Allerdings geht die nicht wie ich dachte (und wie im letzten Jahr) durch das Orang Utan-Zentrum, sondern ist quasi auf dem Gelände des Resorts. Außer mir sind noch 2 Paare dabei und natürlich 2 Guides.
Wir müssen Gummistiefel anziehen, weil es matschig wird, heißt es. Zeit, meine Trekkingschuhe anzuziehen kriege ich keine, stattdessen bestehen sie auf den Gummistiefeln. Die allerdings passen mir wegen meiner dicken Unterschenkel nicht richtig. Die ca. 1 Stunde durch den Wald wird mir eine schmerzhafte Blase an der Ferse einbringen. Und nicht nur das.
Wir pirschen tatsächlich mitten durch den Regenwald um das Resort herum. Frösche, eine kleine Schlange, handgroße Spinnen (immer wieder grässlich) und einige Hundertfüßer zeigt uns unser Guide. Unterwegs wird dann auch festgestellt, dass wir uns in Blutegelgebiet befinden. Und eigentlich auch nur, weil ein anderer Gast einen entdeckt, der gerade zubeißen will bei ihm. Ein Hinweis vorher wäre irgendwie schön gewesen. Eilig stopfe ich meine Bluse in meine Hose, auch wenn das noch unvorteilhafter aussieht als vorher schon. Zumal ich schon wieder schwitze wie verrückt.

Unliebsame Souvenirs vom Nightwalk

Ich bin froh, als wir die Gummistiefel wieder ausziehen können. Während die Paare sich sofort ins Restaurant setzen fürs Dinner, muss ich mich erstmal frisch machen und umziehen. Zu meinem Entsetzen stelle ich dabei fest, dass ich entweder die Bluse nicht rechtzeitig genug in die Hose gestopft habe oder aber nur unzureichend: ich finde gleich 3 Blutegel an meinem Körper. Zwei Große und einen ganz Minikleinen. Allein der Gedanke daran lässt mich schon das Gesicht verziehen.
Am liebsten würde ich jammernd durch die Hotelanlage rennen und jemanden suchen, der mich davon befreit. Denn ich ekle mich sowas von die Blutegel anzufassen. Im Grunde will ich sie auch nicht abziehen oder gewaltsam entfernen, weil eine Apothekerin (die dazu ihre Abschlussarbeit geschrieben hat) meinte, dann kotzen die mir quasi in die Wunde und dann entzündet sich die Scheisse. Ich werde wohl durchhalten müssen. Denn angeblich saugen die sich je nach Größe innerhalb von 20-30 Minuten voll und fallen dann von alleine ab. Da sie zudem keine Krankheiten übertragen, beiße ich die Zähne zusammen.
Ich ziehe ein lockeres Shirt an und gehe zum Abendessen. An der Rezeption steht noch der Night-Walk-Guide. Ich erzähle ihm von meinen Mitbringseln aus dem Wald und frage, ob er eine Idee hat, wie ich die loswerden kann. Er empfiehlt mir die Salz-Methode, die ich schon kenne. Eigentlich will ich das nicht, wegen der oben erwähnten Kotzerei der Blutegel. Aber als letzten Ausweg, falls die bis zum Schlafen gehen nicht abgefallen sind … wer weiß.

Zeit schinden beim Dinner

Ein Watermelon-Tequila muss her. Dazu eine Kleinigkeit zum Essen. Der zweite Cocktail schmeckt reichlich fade. Ich frage die Bedienung mal vorsichtig, ob es sein kann, dass was fehlt. Sie fragt ihrerseits den Barkeeper, der daraufhin erschrocken die Augen aufreißt und sich die Hand an die Stirn klatscht. Alle Angestellten die es mitkriegen lachen. Ich auch. Und ihm ist es furchtbar peinlich. Seine Kollegin entschuldigt sich mehrmals bei mir, als sie mir den richtigen Cocktail bringt. Ich habe den Eindruck er ist jetzt großzügig gewesen mit dem Tequila.
Zwischendurch versuche ich ohne Hinzufassen immer zu fühlen, ob die Blutegel noch da sind. Das ist natürlich albern, weil man die im Grunde gar nicht spürt. Außer einen kleinen Picks vielleicht beim Andocken, aber selbst das kann im Nachhinein Einbildung gewesen sein. Solange wie möglich bleibe ich im Restaurant. Ich mag nicht in mein Häuschen gehen und feststellen, dass die Dinger noch an mir hängen.
Schließlich aber bleibt mir keine Wahl. Ich bin fast der letzte Gast, der Cocktail ist leer und ich brauche ganz dringend noch eine Dusche. Zu meiner übergroßen Freude stelle ich in der Unterkunft fest, dass ich Blutegelfrei bin. Die feuchten Blutflecken auf meinem dunkelblauen Shirt sind ein kleines Übel. Nerviger und schwieriger ist jetzt die Blutung zu stillen, um weder die weißen Handtücher noch das gleichfalls weiße Bettzeug vollzuschmieren. Mit Geduld und einem Blutgerinnungsspray sowie Verbandszeug und Pflaster krieg ich das geregelt.

Heute sind die Malaienbären dran

Den nächsten Vormittag verbringe ich im ebenfalls um die Ecke gelegenen Bornean Sun Bear Conservation Centre. Es liegt gleich neben den Orang Utans, ist aber nicht so gut besucht, habe ich den Eindruck. Das gibt mir wieder einmal die Gelegenheit mit einem der dortigen Ranger zu sprechen. Mit modernen Fernrohren stehen sie auf dem Canopy-Walkway um das Bärengehege, um den Besuchern auch die weit entfernten Bären zeigen zu können.
Gegen 11Uhr mache ich mich auf den Rückweg zum Nature Resort. Noch einmal Duschen, dann Sachen packen und auschecken. Mein Taxi ist pünktlich und kurz nach High Noon bin ich auf dem Weg zum Kinabatangan.

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