Sabrina Janesch: Die goldene Stadt

El Dorado, die goldene Stadt, ist das Ziel von August Berns aus Deutschland. Kaum erwachsen wandert er nach Peru aus. In Südamerika erwartet ihn aber zunächst kein Reichtum sondern Krieg. Doch dann macht er sich tatsächlich auf den Weg in die dschungelbewachsene Bergwelt, um seinen Traum zu verwirklichen und El Dorado zu finden.

„Jeder Schritt wurde begleitet von stetigem Tropfen und leisem Gluckern; Feuchtigkeit legte sich über das Blattwerk und die Stämme, perlte herab an Myrtensträuchern und den pink glasierten Blüten der Bromelien. Moose und Flechten speicherten das Wasser, das der Nebel brachte, und gaben nach wie Schwämme, wenn man auf sie trat.“ Zitat Seite 256

U1_978-3-87134-838-9.indd19. Jahrhundert: Schon in jungen Jahren ist August Rudolf Berns fasziniert von fernen Ländern. Er ist ein Träumer und Geschichten-Erfinder. Ganz besonders hat es ihm Peru angetan. Denn dort soll es eine verlorene Stadt geben ganz aus Gold: El Dorado. August träumt davon sie zu entdecken und reich und berühmt zu werden.
Nach harten Jahren in Deutschland schafft er es schließlich tatsächlich mit 21 Jahren nach Südamerika auszuwandern. Er lernt die Sprache und tritt der Armee bei. In Cuzco verteidigt er die Stadt gegen den Angriff der Spanier und macht sich so einen Namen. Augusto Rudolfo Berns – wie er sich jetzt nennt – liebt das Land. Und nach wie vor will er in den Bergen nach El Dorado suchen.
Nach einigen Jahren und um einen treuen Freund reicher, macht er sich schließlich endlich auf den Weg in die unwirtliche Wildnis. Monatelang, jahrelang ist er mit seinem Freund Harry Singer unterwegs. Bis er schließlich tatsächlich auf einem Bergsattel im Dschungel eine riesige Stadt der Inka entdeckt. Ist das El Dorado?

Außerordentlich spannende Lektüre (Achtung, Spoiler-Alarm)

Das ist ein wirklich interessantes Buch. Unabhängig davon wie ich zu den Motiven und Aktivitäten von Berns stehe, habe ich es sehr gern gelesen. Wenn der ambitionierte Deutsche auch nicht El Dorado sondern Machu Picchu fand, so ist die Geschichte die Sabrina Janesch zeichnet eine außerordentlich spannende Lektüre.
Das Buch liest sich gut und leicht. Ganz einfach entführt die Autorin den Leser ins Peru des 19. Jahrhunderts und lässt traumhafte Bilder vor dem geistigen Auge entstehen. Mit der schnörkellosen Sprache gelingt es ihr sehr gut das Kopfkino zu befeuern.
Dem Nachwort ist zu entnehmen, dass sich Sabrina Janesch auf jahrelange, ausgiebige Recherchen stützt bei der Schilderung von Berns Leben. Und trotz dichterischer Freiheit bleibt sie wohl so nah an der Realität wie möglich.
Ich finde, sie hat ein tolles, interessantes und unterhaltsames Buch geschrieben, dass ich sehr gern weiter empfehle.

Zusatz-Geblubber (Achtung, Nochmal Spoiler-Alarm)
Ich interessiere mich nicht sonderlich für die Inka-Kultur und der Besuch von Machu Picchu steht nicht auf meiner Reise-Liste. Dennoch ist es faszinierend über die Entdeckung dieser besonderen Stadt zu lesen. Vor allem da sie offenbar immer wieder neu entdeckt wurde.
Die Hauptfigur August Berns selbst war mir nicht sonderlich sympathisch. Sein Sehnen nach fernen Ländern und auch die Entdeckung bisher verborgender Dinge kann ich nachvollziehen. Auch seine Liebe zu Peru ist deutlich spürbar. Er passt sich an, lernt die Sprache, geht in die Armee, bereitet sich auch akribisch und mit viel gesundem Menschenverstand und Vorsicht auf seine Unternehmungen vor.
Was mir aber nicht gefällt ist die Selbstverständlichkeit mit der Berns (und so viele andere ebenfalls) glaubte, dass er einfach in ein anderes Land reisen, dort etwas entdecken und sich damit bereichern könne. Berns ging einfach davon aus, dass er El Dorado entdecken würde und damit all das Gold in der Stadt sein eigen wäre.
Oder als er im Dschungel einfach ein Stück Land für sich beansprucht, um dort die Wälder für seinen Profit abzuholzen. Nicht zu vergessen seine Schwindeleien und Tricks um immer wieder neu an Geld zu kommen. Insbesondere der geschilderte Skandal um die gegründete Aktiengesellschaft.
Das alles macht Berns für mich zu einer sehr zwiespältigen Person.

 

Autorenporträt
Sabrina Janesch, geboren 1985 in Gifhorn, studierte Kulturjournalismus an der Universität Hildesheim und Polonistik an der Jagiellonen-Universität Krakau. 2010 erschien ihr Roman «Katzenberge», 2012 «Ambra» und 2014 «Tango für einen Hund». Für ihr Schreiben wurde Sabrina Janesch mehrfach ausgezeichnet: Sie erhielt den Mara-Cassens-Preis, den Nicolas-Born-Förderpreis, den Anna-Seghers-Preis, war Stipendiatin des Ledig House, New York, und Stadtschreiberin von Danzig. Sabrina Janesch lebt mit ihrer Familie in Münster.

Buchinfo
„Die goldene Stadt“ von Sabrina Janesch, erschienen bei rowohlt Berlin
Hardcover: 528 Seiten, € 22,95, ISBN 978-3-87134-838-9
eBook: 528 Seiten, € 19,99, ISBN 978-3-644-12331-1

Quellen
Bild/Autorenporträt: www.rowohlt.de / Text (außer Autorenporträt): Susanne

 

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