Borneo: Abschied von Matang

Dienstag, 25. April 2017

Die Kurzfassung:
Abschied von Matang. Letzter Besuch bei Aman, dem Orang Utan-Männchen. Mittags Transfer zum Pullman-Hotel in Kuching. Schock beim Betreten des Zimmers.
Mittagessen an der Waterfront von Kuching. Anschließend Bummel durch die Stadt, Besuch des Textilmuseums und der Post. Am Abend Zusammentreffen mit dem Reiseleiter Marco und der Reisegruppe. Naja, es könnte schlimmer sein. Dafür ist das Abendessen im TopSpot Seafood-Centre nebenan umso erfreulicher. Frischer Fisch und Meeresfrüchte soweit das Auge reicht.

 

Und jetzt ausführlich:

Es heißt Abschied nehmen von Matang. Von Leo, Kathrin, Tasha, den kleinen Katzen die uns um die Beine gestrichen sind, den friedlichen Hunden, aber vor allem von Aman. Leo leistet uns beim Frühstück Gesellschaft und klärt uns noch über das ein oder andere Internetvideo auf, das weit weniger süss oder putzig ist, wie man als Laie denkt.
Ich entschuldige mich und mache mich auf den Weg, um ein letztes Mal Aman zu besuchen, den wunderschönen Affenmann, der mein Herz im Sturm erobert hat. Außerdem kann ich so auch den umliegenden Wald noch einmal absuchen, denn es heißt manchmal kommen ausgewilderte Orang Utans hierher zurück um zu sehen was so los ist. Ich kann allerdings im dichten Grün nichts ausmachen.
Eine halbe Stunde bleibt mir, um bei Aman zu sitzen und einfach zu gucken. Er ist gerade beim Frühstück. Es gibt – Überraschung – Bananen. Der Abschied fällt mir schwer. Und ich bin ein wenig sauer, als ich zur Unterkunft zurück kehre und erfahre, dass unsere Abfahrt um 30 Minuten nach hinten verschoben wurde. Ich hätte noch länger bei Aman bleiben können. Mist.

Schock im Hotelzimmer

Halb 12 schließlich werden Regina, Oliver und ich von Kalik in den Kleinbus verfrachtet. Es geht zurück nach Kuching. Dort lädt man mich im Pullman ab, während die anderen im Hilton einchecken.
Als ich mein Zimmer im 18. Stock betrete bin ich völlig schockiert. Dieser Luxus hier steht im krassen Gegensatz zu meiner Unterkunft der letzten beiden Nächte. Das Panoramafenster schenkt mir einen fantastischen Ausblick auf Kuching und ein Stück des Sarawak-Flusses. Das Bett ist riesig und das Badezimmer der Hammer. Mit Toilette (neben der ein Telefon hängt???), Badewanne, großem Waschtisch und einer Regenwalddusche.
Nach einer kurzen Pause mache ich mich auf zu einer kleinen Erkundung der Stadt. Kuching ist angeblich die Stadt der Katzen, wegen eines Missverständnisses zwischen dem damaligen Raja James Brooke und einem Einheimischen. Das dies nur Propaganda ist, wird mir/uns der erste Reiseführer Marko am nächsten Tag erklären. Jedenfalls sehe ich in den nächsten Stunden nicht eine einzige lebendige Katze.

Traditionelles Mittagessen: Sarawak-Laksha

Als erstes aber stärke ich mich an der Waterfront des Sarawak mit einem typischen Gericht Malaysias: einer Sarawak-Laksha. Das ist eine kräftige Nudelsuppe mit Krabben, Geflügel und Ei. Sehr lecker und gottseidank auch nicht so scharf. Danach bummle ich einfach durch die Straßen. Das ist bei der Mittagshitze vielleicht nicht sonderlich schlau, aber im Hotelzimmer sitzen habe ich keine Lust. Stattdessen besuche ich das Textilmuseum, das klimatisiert ist. Es ist durchaus interessant, aber ich gestehe es vermag mich nicht wirklich zu fesseln. Doch es wundert mich, dass man keinen Eintritt zahlen muss.
Bei der Post gegenüber besorge ich gleich Briefmarken für die vielen Postkarten die ich gedenke zu schreiben. Im Gegensatz zu Ecuador mit seinen $ 3 ist es hier mit RM 2 spottbillig. Das sind umgerechnet € 0,50. (Im Übrigen sind die Malaysier nicht nur günstiger was die Post angeht, sondern auch schneller, denn die ersten Karten sind binnen 4 Wochen angekommen! Von Südamerika haben die knappe 6 Monate gebraucht.)

Ich lerne die Reisegruppe kennen

Am Abend steht die Begegnung mit meiner Reisegruppe an. Inzwischen weiß ich ja, dass neben mir noch zwei Paare und eine weitere einzelne Frau mit von der Partie sind. Auch auf den Reiseleiter bin ich gespannt, denn schließlich werde ich die nächsten 12 Tage mit denen verbringen. Ich bin etwas nervös. Aber ich freue mich auf das Kennenlernabendessen, das im TopSpotSeafood-Center nebenan stattfinden soll. Eine Reihe von Fischhändlern, die auf dem Dach eines Parkhauses ihre Meeresfrüchte und Fische anbieten, dazu Gemüse und Reis. Schon vom Reiseführer wird das empfohlen.
Als es soweit ist, bin ich nicht gerade beeindruckt von meinen Mitreisenden. Gudrun, die allein reisende Frau, ist offensichtlich Rentnerin. Sie sieht nicht aus, als wäre sie für Dschungelwanderungen gemacht. Ulla und Uwe sind jünger als Gudrun, aber älter als ich. Sie sehen auch nicht nach Regenwaldabenteuer aus, sondern mehr nach Ballermann. Der Eindruck wird verstärkt durch ihr umgehendes Verlangen nach Bier.
Angelika und Ralf sind noch am sympathischsten von allen. Auch die beiden älter als ich, Familienvater bzw. –mutter, mit offenbar sportlichen Hobbys. Wenn Angelika auch anmutet als würde sie kein schmutziges Zimmer akzeptieren, wird sie mich später sehr positiv überraschen. Schließlich unsere Reiseleiter Marko. Ein Deutscher, der eine Einheimische geheiratet hat und seit einigen Jahren hier lebt. Ich gestehe, ich kann mir nicht vorstellen, mit ihm die nächsten 12 Tage zu verbringen und Spaß zu haben. Er wirkt zwar nett, aber auch irgendwie steif und ernst.
Andererseits … wie wirke ich wohl auf die Anderen? Eine fette junge Frau, die alleine auf Borneo ist und nicht aussieht, als würde sie 10m im Dschungel laufen können ohne vor Anstrengung umzufallen.

Ein zäher erster Abend

Auf dem Weg zum Essen stelle ich fest, dass es keine Gentlemen gibt. Als der Fahrstuhl wegen Überladung Alarm gibt, steigen nicht die zuletzt eingestiegenen Männer aus, sondern ich und Marko verlassen den Lift. Schließlich sind wir alle oben. Marko hat schon für uns einen Fisch sowie Buttergarnelen geordert. Dazu natürlich Reis und junger Farn. Die Unterhaltung schleppt sich dahin. Es gibt kein aufgeregtes Geschnatter, wer woher kommt und wo wer schon alles war oder so. Hauptsächlich sprechen Marko und ich, wobei ich schon von meinen ersten Eindrücken aus Matang erzähle.
Nach dem Essen verschwinden wir sofort wieder und gehen zurück ins Hotel, jeder auf sein Zimmer. Das kann ja heiter werden, denke ich. Aber ich bin ja nicht hier, um die Reisegruppe super zu finden, sondern um das Land kennenzulernen. Damit tröste ich mich erstmal.

2 Gedanken zu “Borneo: Abschied von Matang

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